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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Camperdown; Camperduin; Camperĭo; Campersche Gesichtslinie; Camphausen

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Camperdown - Camphausen (Otto)

Sammlung seiner Schriften erschien nach seinem Tode (3 Bde., Par. 1803, nebst Atlas).

Camperdown (spr. kämmprdaun), Peerswürde in der Familie Duncan. Ihr berühmtestes Glied war Adam Duncan, engl. Admiral, geb. 1. Juli 1731. Er trat 1746 in die Flotte, focht 1762 in der Havana, befehligte mehrere Schiffe und stieg 1795 zum Admiral auf, wurde in den franz. Revolutionskriegen Oberbefehlshaber der engl.-russ. Flotte in der Nordsee und erfocht 11. Okt. 1797 einen glänzenden Sieg bei C. (s. Camperduin) über die Holländer unter Admiral de Winter. Er wurde zum Viscount Duncan of C. erhoben, befehligte noch einmal 1801 in der Nordsee und starb plötzlich 4. Aug. 1804.

Camperduin (spr. -deun) oder schlechthin Kamp, Dorf in der Provinz Nordholland, an den Dünen der Westküste, nordwestlich von Alkmaar; hier siegte 11. Okt. 1797 der engl. Viceadmiral Duncan (s. Camperdown) über den batav. Admiral de Winter.

Camperĭo, Manfredo, ital. Reisender und Geograph, geb. 1826 zu Mailand, schloß sich dem Aufstande gegen Österreich an und kam nach der Festung Linz in Gefangenschaft. 1848 befreit, nahm er als Kommandant eines Freiwilligenkorps teil am Feldzuge gegen Österreich. Verwundet verließ er als Unterlieutenant 1849 den piemont. Dienst und begann ein Reiseleben. Zunächst bereiste er die Türkei; später ging er nach Australien, wo er als Goldsucher verschiedene Reisen machte und auch den Murrumbidgee erreichte. 1859 kehrte er nach Italien zurück und focht als sardin. Kavalleriekapitän 1859 und 1866 gegen Österreich. Zur Eröffnung des Sueskanals ging er nach Ägypten, fuhr den Nil bis Assuan hinauf und bereiste darauf Ostindien, Ceylon und Java; seine Reiseberichte finden sich in der "Perseveranza". Zurückgekehrt, wurde er Mitglied der Municipalität von Mailand und Deputierter. Er gründete 1876 die Zeitschrift "Esploratore" und die "Gesellschaft für kommerzielle Erforschung Afrikas". Als ihr Vicepräsident machte C. 1879 - 80 Reisen nach Tunis und Tripolis, 1881 nach Bengasi.

Campersche Gesichtslinie, Gesichtswinkel, s. Gesicht und Camper.

Camphausen, Ludolf, preuß. Staatsmann, geb. 3. Jan. 1803 zu Hünshoven im Reg.-Bez. Aachen, widmete sich dem Handel und gründete 1825 mit dem ältern Bruder ein Bankgeschäft zu Köln, wo er Mitglied des Stadtrats und der Handelskammer wurde. In verschiedenen Schriften wirkte er als einer der ersten in Deutschland auf den Bau von Eisenbahnen hin. 1841 rief er die Kölner Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft ins Leben. 1843 wählte ihn die Stadt Köln zu ihrem Vertreter auf dem rhein. Provinziallandtage, wo er den Antrag auf Preßfreiheit und 1845 den auf Vollziehung der Verordnung vom 22. Mai 1815, betreffend die Bildung einer Volksvertretung, einbrachte. Auf dem ersten Vereinigten Landtage von 1847, wo er sich zu der mehr rechts stehenden Fraktion der liberalen Partei hielt, beantragte er den periodischen Zusammentritt dieser Versammlung. Infolge der Märzereignisse wurde er 29. März 1848 an die Spitze des preuß. Staatsministeriums berufen, geriet aber sofort in Kampf mit den demokratischen Elementen. Als der von Hansemann ausgearbeitete Verfassungsentwurf, den C.der Nationalversammlung vorlegte, der liberalen Majorität nicht genügte, nahm er 20. Juni seine Entlassung. Ende Juli wurde er Bevollmächtigter Preußens bei der Deutschen Centralgewalt in Frankfurt; in dieser Stellung vertrat er im allgemeinen das Gagernsche Programm (s. Gagern) und suchte dasselbe mit den Ansprüchen der Regierungen zu vereinigen; die preuß. Cirkularnote vom 23. Jan. 1849 ist von ihm entworfen. Als Preußen die Ablehnung der Reichsverfassung aussprach, reichte er seine Entlassung ein und verließ Frankfurt 1. Mai 1849. Als Mitglied der preuß. Ersten Kammer machte er 1849 - 50 seine vermittelnde Politik mit Erfolg geltend; im Volkshause zu Erfurt verteidigte er als Referent des Verfassungsausschusses die en bloc-Annahme der Verfassung für den engern Deutschen Bund. In der Session der preuß. Ersten Kammer von 1850 und 1851 gehörte er zur Opposition. Später wurde er Mitglied des preuß. Herrenhauses. Nach einer kurzen neuen Beteiligung an der Leitung des Kölner Bankhauses A. und L. Camphausen zog er sich ins Privatleben zurück und beschäftigte sich auf seiner Sternwarte in Rüngsdorff bei Bonn mit astrophysik. Arbeiten. Er starb 3. Dez. 1890 in Köln.

Camphausen, Otto, Bruder des vorigen, preuß. Staatsmann, geb. 21. Okt. 1812 zu Hünshoven im Reg.-Bez. Aachen, studierte in Bonn, Heidelberg, München und Berlin Jurisprudenz und Kameralwissenschaften, trat im Herbst 1834 als Referendar bei der Bezirksregierung zu Köln ein und wandte nun, angeregt durch seinen Bruder Ludolf, auch dem Handel und der Industrie eifrige Teilnahme zu. Nachdem er 1837 - 40 als Assessor bei der Regierung zu Magdeburg gearbeitet, wurde er nach Berlin als Hilfsarbeiter in das Finanzministerium bei der Abteilung für Etats- und Kassenwesen berufen. Im Dez. 1840 ward er an die Regierung zu Koblenz, im Febr. 1842 an die Regierung zu Trier versetzt und bei letzterer 1844 zum Regierungsrat ernannt. Bald darauf wieder in das Finanzministerium nach Berlin berufen, übernahm er die Bearbeitung der auf die Grundsteuer bezüglichen Angelegenheiten; 1845 ward er zum Geh. Finanzrat ernannt. C. ist der Verfasser des 1847 dem Vereinigten Landtage vorgelegten Gesetzentwurfs wegen Einführung einer Einkommensteuer sowie der dem Entwurfe beigefügten ausführlichen Denkschrift. Als Mitglied der Zweiten Kammer von 1849 und während der Legislaturperiode 1850 - 52 sowie auch des Erfurter Volkshauses von 1850 gehörte er, gleich seinem Bruder, der gemäßigt liberalen Partei an und war namentlich bei finanziellen Fragen als Berichterstatter thätig. C. wurde 1854 zum Präsidenten der Seehandlung, 1860 zum Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit ernannt und 20. Okt. 1869 an Stelle von der Heydts mit dem Portefeuille der Finanzen betraut. Das Budget zeigte damals ein Deficit von beinahe 5½ Mill. Thlrn., das C. zum Teil durch eine Verminderung der Schuldentilgung deckte. Er schlug vor, die gesamte in den ältern Landesteilen bestehende 4½ prozentige und 4prozentige Staatsschuld in eine gleichmäßige 4½prozentige Rentenschuld umzuwandeln und auf die Tilgung derselben nicht im voraus festgesetzte Beträge alljährlich zu verwenden, sondern mit deren Rückkauf vorzugehen, wenn und soweit es den Staatsinteressen entspreche. In diesem Sinne wurde dann die Rentenkonversion gesetzlich festgestellt und praktisch mit günstigem Erfolge durchgeführt. Die bedeutenden Mittel, die dem preuß. Staate aus der franz. Kriegskostenentschädigung und dadurch, daß der preuß. Kriegsschatz nach

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]