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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Canarischer Fink - Cancionero

denn Juba von Mauretanien sandte eine Expedition dorthin. Die ältesten Bewohner waren die Guanchen (s. d.), ein Zweig des Berbernstammes, dessen Typus noch jetzt, nach Vermischung mit europ. Blute, unverkennbar, am reinsten in der Banda del Sur von Teneriffa und auf Gomera fortlebt. Infolge einer von Portugal ausgegangenen sehr glücklichen Fahrt dorthin ließ sich Luis de la Cerda, ein Urenkel Alfons' X. von Castilien, 15. Nov. 1344 vom Papst Clemens VI. zu Avignon zum "König" der C. I. krönen, ohne je sein Königtum einzunehmen. Auch Robert von Bracamonte, dem Heinrich III. von Castilien sie schenkte, ging nicht an die Besitznahme, sondern überließ seine Rechte seinem Vetter Johann von Bethencourt. Dieser eroberte 1402-5 Lanzarote, Fuerteveutura, Gomera und Ferro und empfing diese Inseln von der Krone Castilien zu Lehn. Die Inseln Bethencourts kaufte Ferdinand der Katholische dem Dynasten Didaco Herrera für 15 000 Dukaten ab. Die übrigen wurden hinzuerobert, Gran Canaria 1478-83, Palma 1491-92, Teneriffa 1493-96.

Litteratur. L. von Buch, Physische Beschreibung der C. I. (Berl. 1825); Barker Webb und Berthelot, Historie naturelle des iles Canaries (3 Bde., Par. 1836-50); K. von Fritsch, Reisebilder von den C. I. (in Petermanns "Geogr. Mitteilungen", Ergänzungsheft 22, Gotha 1867); Kerhallet, Madère, les iles Savages et les iles Canaries (Par. 1881); Millares, Historia general de las Islas Canarias (ebd. 1882); Christ, Eine Frühlingsfahrt nach den C. I. (Bas. 1886); Chun, Bericht über eine nach den C. I. im Winter 1887-88 ausgeführte Reise (Sitzungsber. der Königlich Preuß. Akademie, 1888, Nr. 44).

Canarischer Fink, s. Canarienvogel.

Canarium L., Pflanzengattung aus der Familie der Burseraceen (s. d.) mit ungefähr 50 meist tropisch-asiat. Arten, vorzugsweise auf den Inseln des Indischen Archipels, nur wenige in Afrika. Es sind hohe Bäume mit breiten, meist unpaarig-gefiederten, lederartigen Blättern und zwitterigen oder polygamischen Blüten. Sämtliche Arten enthalten reichlich harzige Stoffe; das Harz von C. rostratum Zipp. (Molukken), C. legitimum Miq. (Molukken), C. strictum Roxb. (Ostindien) kommt als schwarzes Dammaraharz (Dammara nigra) in den Handel. Von C. commune L. (Molukken) dient das Harz (Canarienharz) zu Fackeln, die Fruchtkerne (Canariennüsse) werden wie Mandeln gegessen. Das sog. Manila-Elemi soll gleichfalls von einer Art dieser Gattung abstammen.

Canary à deux (spr. dö), s. Canarie.

Canaster, s. Knaster.

Canavalia Adans., Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Papilionaceen, mit 12 den wärmern Gebieten der Alten und Neuen Welt angehörigen Arten: krautartigen, windenden oder niederliegenden Pflanzen mit gefiederten dreizähligen Blättern und purpurroten oder weißlichen ansehnlichen Blüten, die in traubenförmigen Büscheln stehen. Von einigen, wie C. gladiata DC. (Ostindien) und C. ensiformis DC. (Westindien) werden die jungen Hülsen und Samen als Gemüse gegessen; beide Arten werden in Ostindien vielfach angebaut. Von einigen andern Arten sind die Samen giftig, so z. B. von der ebenfalls ostindischen C. obtusifolia DC.

Cancale (spr. kangkáll), Hauptort des Kantons C. (85,70 qkm, 16 Gemeinden, 16 403 E.) im Arrondissement St. Malo des franz. Depart. Ille-et-Vilaine, 14 km nordöstlich von St. Malo, auf einer Anhöhe an der Bai von C., ist schön gelegen, hat Post, Telegraph, (1891) 3719, als Gemeinde 6578 E., Seebäder, Fischerei und Schiffahrt. Berühmt ist C. und sein Hafen La Houle durch seine vorzüglichen Austern, die hier um den in der Nähe gelegenen Rocher de C. in großer Menge gefangen und als Huîtres de Cancale teils frisch, teils mariniert besonders nach Paris verschickt werden.

Cancan (spr. kangkang, in der franz. Volkssprache eigentlich soviel wie Geschwätz, böse Nachrede, Klatscherei) oder Chahut (aus (Chat huant, Nachteule), auch Quadrille parisienne genannt, ein aus Algier stammender franz. Tanz, dem Kontertanz ähnlich, aber mit mancherlei ins Unanständige ausartenden Abweichungen in Touren, Stellungen und Gebärden. Cancaneur (spr. -nöhr), Cancantänzer; Cancaneuse (spr. -nöhs'), Cancantänzerin; cancanieren, C. tanzen, sich unanständig gebaren.

Cancellaria (lat.), Kanzlei; s. Apostolische Kanzlei; Cancellariat, Kanzlerwürde, Kanzleistube.

Cancellaria (spr. kantsche-), Palazzo della, großartiger, von Bramante 1495 entworfener Bau am Campo di Fiori in Rom, aufgeführt vom Kardinal Raffaele Riario. Unter Pius IX. diente er als Sitzungsgebäude des röm. Parlaments, während das jetzige ital. Parlament auf dem Montecitorio tagt. Auf der Treppe wurde 15. Nov. 1848 Pellegrino Rossi (s. d.) ermordet.

Cancellarius (lat.), Kanzler.

Cancer (lat.), Krebs, auch als Sternbild und Krankheit; cancerös, cancrös, krebsartig; Cancerōm, Krebsgeschwür. - C. nannten die alten Römer wohl alle zehnfüßigcn Krustentiere, besonders die Krabben. Jetzt bezeichnet es die Gattung der Taschenkrebse (s. Krabben).

Cancer en cuirasse (frz., fpr. ang küĭráss'), sog. Panzerkrebs, eine sehr bösartige Erkrankung der Haut, besonders im Bereich der Brustdrüse, die unter Bildung zahlreicher Krebsknötchen und lederartiger Verhärtung der Haut gewöhnlich rasch zum Tode führt.

Cancion bezeichnet im Spanischen, in ursprünglicher Übereinstimmung mit dem ital. Canzone (provenç. canso; frz. chanson), jedes lyrische Gedicht mit regelmäßigem Strophenbau, das nicht zu einer der nach Inhalt oder Form genauer bestimmten Gattung gehört; speciell auch die Nachahmungen von Petrarcas Canzonen. In ältester Zeit wird jedes Gedicht in der Volkssprache C. genannt.

Cancionero (span.), Cancioneĭro (portug.), d. i. Liederbuch, heißt eine Sammlung kunstmäßiger lyrischer Gedichte, meist von mehrern Verfassern. Doch bezeichnete man anfänglich mit C. vorzugsweise die eigentlichen höfischen Liederbücher. Als nach dem Muster der ältern und jüngern Troubadourpoesie sich an den Höfen von Catalonien, Portugal, Aragouien und Castilien poet. Gesellschaften gebildet hatten, legte man hier Sammlungen der Produkte dieser höfischen Kunst- und Konversationspoesie an und nannte sie C. Ein solches höfisches Liederbuch enthält daher die Produkte einer geschlossenen poet. Gesellschaft an einem bestimmten Hofe, die einen gemeinsamen konversationellen Charakter tragen und ein vollständiges abgerundetes Bild nicht nur von der Dichtkunst, sondern auch von dem geselligen Leben und Treiben dieses höfi-^[folgende Seite]