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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Carafa - Carapaöl

Carāfa, Michele, ital. Opernkomponist, geb. 28. Nov. 1785 zu Neapel, war 1837 - 70 Kompositionslehrer am Pariser Konservatorium und starb 26. Juli 1872 zu Paris. C. wendete sich der Musik als Lebensberuf erst zu, nachdem er die Feldzüge Napoleons I. als Offizier mitgemacht hatte. Seiner ersten erfolgreichen Oper "II vascello d'occidente" (1814) folgten bis 1833 noch 25 andere, von denen "Le Solitaire" und "Masaniello" als die besten galten, aber ebenfalls nur unbedeutende Arbeiten im Modegeschmack ihrer Zeit sind. Obwohl C. Cherubinis Unterricht genossen hatte, war er ganz in den Manieren Rossinis und Aubers befangen.

Carafe (frz., spr. karáff), s. Karaffe.

Caraffa, alte, weitverzweigte neapolit. Adelsfamilie, aus der viele bedeutende Theologen, Schriftsteller, Heerführer und Staatsmänner hervorgingen; die wichtigsten sind:

Oliviero C., geb. 1406, wurde Erzbischof von Neapel, 1467 Kardinal und erhielt 1472 von Sixtus IV. den Befehl über eine gegen die Türken ausgerüstete Flotte, mit der er Smyrna und den afrik. Hafen von Satalia eroberte.

Gian Pietro C., bestieg 1555 den päpstl. Stuhl als Paul IV. (s. d.). Er stattete die Familie mit den gerichtlich eingezogenen Gütern des röm. Adels, namentlich der Cesarini und Colonna (s. d.) aus, mit deren Herzogtum Palliano Giovanni C., Graf von Montorio, belehnt wurde, der durch Ermordung seiner Frau wegen Ehebruchs unter Pius IV. den Anlaß zur Verfolgung der C. gab.

Carlo C., geb. 1517, Neffe Pauls IV., diente im span. Heere unter dem Herzoge von Parma in den Niederlanden und wurde unter seinem Oheim Papst Paul IV. als Kardinal Hauptlenker der päpstl. Politik, namentlich während des unglücklichen Krieges gegen Philipp II. von Spanien. Später fiel C. bei Paul IV. in Ungnade und wurde unter dessen Nachfolger Pius IV. nebst seinem ältern Bruder 1561 hingerichtet. Er gehörte zu der unlängst ausgestorbenen Linie der C. von Maddaloni, die in den Masanielloschen Händeln eine wichtige Rolle spielten. Vgl. Reumont, Die C. von Maddaloni (2 Bde., Berl. 1851); G. Duruy, Le Cardinal Carlo C. (Par. 1883).

Antonio C., geb. 1538, gest. 1591, wurde unter Pius V. Kardinal und Leiter der Kongregation für Verbesserung des Bibeltextes und Erläuterung der Beschlüsse des Tridentinischen Konzils; er besorgte eine Sammlung der Dekretalen und eine verbesserte Ausgabe der Septuaginta (Rom 1587).

Geronimo C., geb. 1564, gest. 1633 zu Genua, kämpfte für die Habsburger in den Niederlanden 1584, in Frankreich 1597, in Böhmen 1620 und im Mailändischen 1621; 1630 - 33 war er Vicekönig von Aragonien.

Antonio C., österr. Feldmarschall, half Wien (1683) entsetzen und Ofen (1686) wiedererobern, machte sich aber als Kommandant von Ungarn durch Errichtung des Eperieser Blutgerichts (5. März 1687) und die grausame Verfolgung von Tökölys Anhängern im Lande furchtbar; er wurde deshalb (1687) zwar abberufen, aber bald darauf mit der Übernahme des an Österreich gefallenen Siebenbürgen betraut. Zuletzt kämpfte er unter dem Herzog Karl von Lothringen gegen Frankreich. Er starb 9. März 1693 zu Wien.

Ettore C., geb. 1767 zu Neapel, Anhänger der Französischen Revolution, verteidigte als neapolit. General die Parthenopäische Republik aufs tapferste, nach deren Fall er 1799 hingerichtet wurde. - Vgl. B. Maresca, Ettore C., conte di Ruvo (im "Archivio storico napolitano", 1885); R. Caraffa d' Andria, Ettore C., conte di Ruvo (Rom 1886).

Carafon (frz., spr. -óng), Kühleimer (für den Wein); kleine Flasche (Viertelflasche).

Caragaheen-Moos, s. Carrageen-Moos.

Caragaheen-Schlichte, s. Carrageen-Schlichte.

Caragāna Lam., Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Papilionaceen. Man kennt 15 Arten, die fast ausschließlich in Sibirien und am Himalaja vorkommen. Es sind schönblühende strauchartige Gewächse mit gefiederten Blättern. Die bekanntesten Arten sind die in Deutschland als Zierpflanzen häufigen Erbsenbäume oder Erbsensträucher, C. arborescens Lam. mit gebüschelten und C. frutescens DC. mit einzelstehenden, gelben Blüten. Die Samen werden in Rußland und Sibirien gegessen. Eine Abart mit hängenden Zweigen (var. pendula) bildet hochstämmig veredelt einen kleinen Trauerbaum. Sehr schöne Ziersträucher sind ferner C. jubata Poir. aus Sibirien, mit dicken, von alten Blattstielen starrenden Zweigen und weißen Blumen, und C. chamlagu Lamk. aus China, mit großen gelben und rosenroten Blüten. Alle drei Arten kommen bei uns im freien Lande auf kräftigem Sandboden gut fort und lassen sich durch Samen und Pfropfen vermehren, C. arborescens wird, da sie den Schnitt gut verträgt, in Rußland und den Ostseeprovinzen häufig zu Hecken benutzt und dort "Akazie" genannt.

Caraglio (spr. -áljo), Ort in der ital. Provinz, und dem Kreis Cuneo, an der Dampftrambahn Cuneo-Dronero, hat Post, (1881) 3016, als Gemeinde 6501 E.

Caraglio (spr. -áljo), Giovanni Jacopo, ital. Kupferstecher und Steinschneider, geb. um 1500 in Verona, gest. 1570 zu Parma, war ein Schüler Marc-Antonios und schuf 64 Blätter, Stiche nach Raffael, Giulio Romano, Tizian u. a., erreichte aber seinen Meister nicht in der Reinheit der Ausführung.

Caraja, Indianerstamm, s. Amerikanische Rasse (Bd. 1, S. 527 a).

Caraman (spr. -máng), franz. Adelsgeschlecht, s. Riquet und Chimay.

Carancho, amerik. Raubvogel, s. Geierfalken.

Caraorman (Kara-Erman), s. Babadagh.

Carāpa Aubl., Pflanzengattung aus der Familie der Meliaceen (s. d.) mit vier Arten in den Tropen der Alten und Neuen Welt. Es sind Bäume mit meist unpaarig-gefiederten Blättern und unansehnlichen regelmäßigen, zwitterigen Blüten. Die Samen, welche bis hühnereigroß werden, finden zum Teil technische Verwendung. Aus ihnen wird das Carapafett oder Carapaöl (s. d.) dargestellt.

Carāpaöl, Carapafett, Andirobaöl, Tolucanaöl, Tulucunaöl, Talicunaöl, ein aus den Früchten von Carapa guianensis Aubl. und Carapa Tolucana Perot., von denen erstere namentlich in Brasilien und in Guayana, letztere am Senegal vorkommt, durch gelindes Pressen bei gewöhnlicher Temperatur gewonnenes flüssiges Öl. C. wird von den Eingeborenen zum Einreiben des Körpers verwandt; es soll ein Schutzmittel gegen Insektenstiche sein; außerdem bildet es einen nicht unwichtigen Ausfuhrartikel und wird in Europa zur Seifenfabrikation benutzt. Der Name Andirobaöl ist in Brasilien gebräuchlich, während das afrikanische meist Tolucanaöl genannt wird.

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]