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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Carlos, Don C. Maria de los Dolores Juan Isidoro José Francisco

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Carlos (Don Carlos Maria de los Dolores Juan Isidoro José Francisco)

nicht nur das Interesse Ludwig Philipps von Frankreich und die Politik Englands, sondern auch die Abneigung der span. Nation stand einer solchen Vereinigung entgegen. Im April 1849 unternahm der Graf Montemolin den Versuch, insgeheim durch Frankreich nach Spanien zu gehen, ward aber angehalten und nach kurzer Gefangenschaft auf der Citadelle zu Perpignan nach England zurückgebracht. Er vermählte sich 1850 mit der neapolit. Prinzessin Maria Carolina Fernanda, Schwester König Ferdinands Ⅱ.Während des Krieges zwischen Spanien und Marokko trat der Prinz mit Ortega, dem Generalkapitän der Balearischen Inseln, zu einer Schilderhebung in Verbindung. Am 3. April 1860 landete Ortega mit 3000 Mann Truppen, die mit den Absichten ihres Führers gänzlich unbekannt waren, bei Tortosa und rief den Grafen Montemolin als Karl Ⅵ. von Spanien aus. Das Unternehmen mißlang völlig, und Graf Montemolin selbst, sein jüngster Bruder sowie verschiedene Parteigenossen wurden gefangen genommen. Während Ortega den Tod erlitt, erhielten die Prinzen, nachdem sie 23. April ihren Thronansprüchen entsagt, die Freiheit zurück. Graf Montemolin nahm zwar diese Erklärung als erzwungen zurück, aber sein Ansehen blieb vernichtet. Er zog sich mit seinem Bruder nach Triest zurück, wo beide in wenig glänzenden Verhältnissen lebten. Dieser Bruder, Don Fernando Maria José, der dritte Sohn Don C.', geb. 19. Okt. 1824, starb am Nervenfieber 2. Jan. 1861 zu Brunsee, einem Schlosse der Herzogin von Berry in Steiermark. Nach einem Besuche, den Graf Montemolin und dessen Gemahlin dem Bruder abgestattet, verfielen auch diese zu Triest derselben Krankheit. Der Prinz starb in der Nacht vom 13. zum 14. Jan., einige Stunden später seine Gemahlin. Die Prätendentschaft auf den span. Thron wurde nun von dem zweiten Sohne des Don C., dem Infanten Don Juan Carlos Maria Isidoro, geb. 15. Mai 1822, aufgenommen, der von London aus seine Rechte in verschiedenen Manifesten geltend zu machen suchte. Derselbe verzichtete infolge des Ausbruchs der span. Revolution 3. Okt. 1868 zu Gunsten seines Sohnes Carlos auf seine Thronrechte und starb 21. Nov. 1887. Er war seit 6. Febr. 1847 mit der Infantin Maria Beatrix, Erzherzogin von Österreich-Este, Prinzessin von Modena, vermählt, aus welcher Ehe zwei Söhne entsprossen, die Infanten Carlos (s. den folgenden Artikel) und Alfons (s. Alfons von Bourbon, Infant von Spanien).

Carlos, Don C. Maria de los Dolores Juan Isidoro José Francisco, Herzog von Madrid, span. Kronprätendent, Sohn des Infanten Juan C. Maria Isidoro (s. oben) und der Prinzessin Maria Beatrix von Modena, geb. 30. März 1848, vermählt 4. Febr. 1867 mit Margareta von Parma (gest. 29. Jan. 1893), kam durch den Verzicht seines Vaters 3. Okt. 1868 in den Besitz der Thronansprüche seines Oheims, des Grafen Montemolin, und trat als Kronprätendent (Karl Ⅶ. von Spanien) auf. Der karlistische Aufstand, den er 1869 in den baskischen Provinzen erregte, wurde bald von den Regierungstruppen niedergeschlagen; ebenso scheiterte ein Aufstandsversuch 1870. Gegen die Erwählung des Herzogs Amadeus von Aosta zum König von Spanien erließ er ein Protestschreiben vom 8. Dez. 1870. Da aber dessen Thron sich nicht befestigte, so erließ C. 15.April 1872 ein Manifest an die span. Karlisten, überschritt 2. Mai selbst die Grenze und schloß sich der Bande ^[Spaltenwechsel] des Generals Rada an. Aber Serrano, zum Oberbefehlshaber der baskischen Provinz ernannt, nötigte ihn durch seinen Sieg bei Oroquieta 4. Mai zur Flucht nach Frankreich. Am 16. Juli erließ C. eine neue Proklamation, worin er den Provinzen Catalonien, Aragonien und Valencia ihre alten Privilegien zusicherte und sie dadurch an seine Fahnen zu fesseln suchte. Nach der Abdankung des Königs Amadeus erschien C., von Bayonne herkommend, 15. Juli 1873 aufs neue auf span. Boden, erließ eine Proklamation an die karlistische Armee und an die span. Nation und beschwor 2. Aug. unter dem histor. Eichbaum in Guernica die Fueros (Privilegien) der baskischen Provinzen. Er besetzte 26. Aug. die feste Stadt Estella und machte sie zu seiner Residenz und zum Ausgangspunkt seiner Operationen. Sein nächstes Ziel war die Einnahme der Seefestung Bilbao. Diese Stadt wurde eng cerniert, 22. Jan. 1874 die dazugehörige Hafenstadt Portugalete und das Fort Erichane genommen. Der Regierungsgeneral Moriones, der zur Entsetzung Bilbaos in Biscaya eindrang, wurde 24. Febr. beim Flusse Sommorostro zurückgeschlagen, worauf auch die Stadt Tolosa in die Hände des Don C. fiel. Nach Niederschlagung der kommunistischen Aufstände in Murcia u. s. w. konnte die Regierung mit stärkern Streitkräften gegen C. auftreten und zwang ihn zum Rückzug nach den Bergen von Navarra. Die Einschließung Bilbaos mußte aufgegeben, Portugalete geräumt werden. Aber General Concha, der nun den Oberbefehl über die Regierungsarmee übernahm, wurde bei seinen Angriffen auf die verschanzten Höhen von Estella (25. bis 27. Juni) geschlagen und fiel. Von den Gefangenen wurden 25 Offiziere, darunter der frühere preuß. Hauptmann A. Schmidt, und viele Soldaten auf C.' Befehl erschossen. Fast der ganze Norden war in seiner Gewalt, während sein Bruder Don Alfons in Catalonien eindrang. Während Serrano sich zu einem umfassenden Angriff auf die Verschanzungen bei Estella anschickte, wurde Isabellas Sohn, Prinz Alfons, zum König ausgerufen. Serrano legte den Oberbefehl nieder, und General Laserna wurde 3. Febr. 1875 von den Karlisten geschlagen. Aber General Quesada schlug dieselben 8. Juli bei Treviño und errang mehrere andere Vorteile. Die Sache des Don C. war im Sinken begriffen. Derselbe war von den franz. Legitimisten, von den österr. Feudalen, von einigen depossedierten ital. Fürsten und von den Jesuiten in Rom reichlich mit Geld unterstützt worden. Die meisten dieser Quellen versiegten. Er war nicht mehr im stande, eine große Armee zu unterhalten. General Cabrera unterwarf sich dem König Alfons; seinem Beispiele folgten viele Offiziere, über 200 zogen sich nach Frankreich zurück. Im Jan. 1876 unternahm die Regierungsarmee mit überlegenen Streitkräften einen konzentrischen Angriff auf die karlistischen Stellungen, drang in das Innere der baskischen Provinzen ein, nahm 19. Febr. Estella, und König Alfons hielt 28. Febr. seinen Einzug in Pamplona, an welchem Tage C. mit dem Rest seiner Truppen die franz. Grenze überschritt und sich zunächst nach Pau begab. Von dort erließ er 1. März eine Proklamation an die Spanier, denen er seine Rückkehr in Aussicht stellte. Am 4. März reiste er nach London ab, besuchte im Sommer Mexilo und die Vereinigten Staaten und kehrte wieder nach England zurück, machte dann Reisen nach Indien und andern Ländern und lebt jetzt zumeist in Venedig und Graz. Da

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]