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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Carmagnola

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Carmagnola (Stadt)

Die Huldigung der 19 engl. Goethophilen (darunter W. Scott und der nachherige Graf Ellesmere), 1831 in einer Adresse und einem sinnigen Gedicht an Goethe dargebracht, war von C. veranlaßt, der mit Goethe in persönliche Beziehung trat. Bis 1834 lebte er teils in Edinburgh, teils auf dem Landgute Craigenputtock in Dumfries, als Mitarbeiter an «Frasers Magazine», der «Edinburgh Review» und der «Foreign Review» thätig, die er besonders durch geistvolle Arbeiten über die deutsche Litteratur bereicherte; dann siedelte er nach London über, wo er seitdem wohnte. Mit Ausnahme der Amtsführung als Rektor der Universität Edinburgh, zu welchem Ehrenposten ihn die Studenten für 1866–67 wählten, bekleidete C. nie eine öffentliche Stellung. Während des Krieges von 1870 und 1871 nahm er eifrig für Deutschland Partei, während des Russisch-Türkischen für die Befreiung der Balkanstaaten. Er starb 5. Febr. 1881 in London; die Leiche wurde in C.s Geburtsort beigesetzt.

Von Originalarbeiten begründete seinen Ruf «The French Revolution» (3 Bde., Lond. 1837 u. ö.; deutsch von Feddersen, 3 Bde., Lpz. 1844; 2. umgearbeitete Aufl. von Erman, ebd. 1889), ein durch Großartigkeit der Behandlung und poet. Schwung der Sprache ausgezeichnetes Werk. Die Kämpfe seiner innern Entwicklung und seine philos. Weltanschauung legte C. in dem 1831 geschriebenen, aber erst 1834 als Buch veröffentlichten «Sartor resartus» (deutsch von Fischer, Lpz. 1882) nieder, das durch eigentümliche, ans Barocke streifende Schreibart wie durch Humor und die Kühnheit der Gedanken Aufsehen erregte. 1839 erschien eine Schrift über den «Chartism», hierauf die Vorlesungen «On Heroes, hero-worship and the heroic in history» (Lond. 1841; deutsch von J. Neuberg, Berl. 1853 u. 1889); und die histor.-philos. Betrachtungen: «Past and present» (Lond. 1843). In diesen Werken trat eine neue Richtung C.s hervor, die Tendenz, die individuelle geniale Einsicht und Thatkraft als das bewegende Princip der Geschichte darzustellen und über das Interesse am allgemeinen Fortschritt zu erheben, den C. im ganzen geneigter war in seinen Mängeln abzuurteilen, als in seinen Vorzügen anzuerkennen. In den «Latter day pamplets» (Lond. 1850) ist diese Anschauung auf die Spitze getrieben. C.s histor. Auffassung bildet den schärfsten Gegensatz zu den geschichtsphilos. Grundideen des Realisten Buckle. Den größten histor. Wert von allen Schriften C.s haben «Oliver Cromwell's letters and speeches» (2 Bde., Lond. 1845, mit einem «Supplement» von 1846; neueste Ausg. 1888). Wenn den Kommentar auch mehr Scharfsinn und Beredsamkeit als Unparteilichkeit auszeichnet, verdient er doch das Lob, die Ehrenrettung einer Hauptgestalt der engl. Geschichte mit Erfolg versucht zu haben. Einen zweiten, seines Heroenkultus würdigen Helden fand C. in Friedrich d. Gr., den er zum Gegenstand umfassender Studien machte, die ihn auch nach Deutschland führten. Deren Ergebnisse bietet die «History of Friedrich Ⅱ., called Frederick the Great» (6 Bde., Lond. 1858–1865; neue Ausg., 10 Bde., 1874; deutsch von Neuberg und Althaus, 6 Bde., Berl. 1859–69), die trotz vieler glänzenden Vorzüge an zu großer Länge und in manchen Abschnitten an Formlosigkeit leidet. Seitdem veröffentlichte C. kein größeres Werk mehr. Noch ist die Biographie seines Jugendfreundes J. Sterling zu erwähnen. Seine kleinern, ^[Spaltenwechsel] in verschiedenen Zeitschriften verstreuten, meist auf deutsche und franz. Litteratur bezüglichen Aufsätze erschienen als «Critical and miscellaneous essays» gesammelt (4 Bde., Lond. 1840 u. ö.). 1892 erschienen «Lectures of the history of literature by T. C., April to July 1838», zum erstenmal hg. von J. Reay Greene (London) und «Lectures on the history of literature; or the successive periods of European culture, delivered in 1838», zum erstenmal hg. mit Anmerkungen von R. P. Karkaria (Bombay). 1868-70 war er mit einer neuen Ausgabe seiner «Collected works» (in der «Library edition», 34 Bde.) beschäftigt. Dieser folgte 1871 die billige «People's edition» in 37 Bdn., die in zahlreichen Auflagen eine weite Verbreitung fand. Ferner veröffentlichte er eine Reihe von Abhandlungen als «The early Kings of Norway. Also an essay on the portraits of John Knox» (Lond. 1875). C.s Schilderung seiner Reise nach Paris 1851 erschien in der «New Review» (Okt. und Nov. 1891). Großes Aufsehen erregten seine, von dem litterar. Testamentsvollstrecker Froude veröffentlichten «Reminiscences» (2 Bde., Lond. 1881; neue Ausg. von Norton, 1887) sowie die ganz auf Briefwechsel und Tagebücher gegründete ebenfalls von Froude herausgegebene Biographie: «T. C. History of the first forty years of his life» (2 Bde., ebd. 1882), woran sich dessen «T. C. History of his life in London 1834–81» (ebd. 1884) anschloß (zusammen deutsch von Fischer, 3 Bde., Gotha 1887). Kretzschmar verdeutschte «Ausgewählte Schriften» C.s (6 Bde., Lpz. 1855–56), enthaltend Essays, Sartor resartus, Past and present. Von C.s Briefwechsel gab Norton heraus: «Early letters» (2 Bde., Lond. 1886) und «Letters 1826–36» (2 Bde., ebd. 1889) sowie «Correspondence between Goethe and C.» (ebd. 1887; deutsch, Berl. 1887); außerdem erschien «Correspondence of T. C. and R. W. Emerson 1834–72» (neue Ausg., 2 Bde., 1886) und Briefe T. C.s an Varnhagen von Ense in der «Deutschen Rundschau» (1892). – Vgl. Hood, T. C., philosophic thinker (1875); Oswald, T. C. (Lpz. 1882); Althaus, Erinnerungen an T. C. (in «Unsere Zeit», 1881, Bd. 1); Shepherd und Williamson, Memoirs of the life and writings of T. C., with personal reminiscences and selections from his private letters (2 Bde., Lond. 1881); Flügel, C.s religiöse und sittliche Entwicklung und Weltanschauung (Lpz. 1887); Mead, The philosophy of C. (Boston 1888); Jenks, T. C. and J. S. Mill (Oryngton 1888); Troye, T. C., hans liv og hans vœrk (Bergen 1889); von Schulze-Gävernitz, C.s Stellung zu Christentum und Revolution (Lpz. 1891). Von engl. Biographen seien genannt Conway (1881), Nicoll (1881), Wylie (1881), Garnett (1887), A. S. Arnold (1888), Masson, C. personally and in his writings (1885), Larkin, C. and the open secret of his life (1886) und Nichol, T. C. (1892). Eine Biographie von C.s Gattin schrieb A. Ireland, Life of Jane Welsh C. (Lond. 1891).

Carmagnola (spr. -manjohla), Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Turin, an der Linie Savona-Bra-C. und (Turin-) C.-Cuneo des Mittelmeernetzes,mit Trambahnverbindung nach Turin (26 km), hat (1881) 3007, als Gemeinde 12818 E., aus ihrer Blütezeit im 15. und 16. Jahrh. got. Kirchen, Schloßruinen, einen Glockenturm (ehemals Turm der Festungswerke), Lycealgymnasium, technische Schule sowie Fabrikation von Hanf-, Leinen- und Seidenstoffen. C. ist Geburtsort des Condottiere