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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Carnallīt; Carnarvon

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Carnallit - Carnarvon

schritte ihm zu verdanken hat. Auch hielt er Vorträge an der Bergschule zu Tarnowitz und gab das «Bergmännische Taschenbuch für Oberschlesien» (1843–47) heraus. Er wurde 1845 Oberbergrat in Bonn, 1854 Geh. Oberbergrat und vortragender Rat bei der Bergwerksabteilung im Handelsministerium zu Berlin. Sein Aufenthalt in Berlin (1847–55) war wesentlich den Reformen in der höhern Verwaltung und fachwissenschaftlichen Forschungen gewidmet. In Verbindung mit L. von Buch, H. und G. Rose, Beyrich u. a. gründete er 1848 die Deutsche Geologische Gesellschaft, und seiner Thätigkeit entstammt die Grundlage der heutigen bergrechtlichen Stellung der deutschen Bergwerksindustrie und der mit ihr zusammenhängenden Knappschaftsordnungen. Außerdem trug C. 1849–55 an der Berliner Universität über Bergbaukunde vor und begründete 1853 die «Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im preuß. Staate». 1855 zum Berghauptmann und Direktor des Oberbergamtes zu Breslau ernannt, veröffentlichte er 1857 eine vortreffliche geognost. Karte von Oberschlesien C. trat 1861 aus dem Staatsdienst und starb 17. Nov. 1874 zu Breslau. Nach ihm hat H. Rose den Carnallit (s. d.) benannt.

Carnallīt, ein nach Rud. von Carnall benanntes Mineral, das in der obersten Region des Staßfurter Steinsalzlagers, der Carnallitregion, ferner zu Kalusz in Galizien, zu Maman in Persien sich als grobkörnig-krystallinisches Aggregat von rhombischen Individuen findet, im reinen Zustande ungefärbt und wasserklar ist, muscheligen Bruch zeigt und spec. Gewicht von 1,615 hat. Meist ist es jedoch durch mikroskopische Schuppen von Eisenglimmer rot gefärbt; andere fremde Einwachsungen sind äußerst kleine Kryställchen von Quarz, Anhydrit, Eisenkies, Boracit, auch kommen flockige Gebilde von organischer Substanz darin vor. Es besteht aus 27 Proz. Chlorkalium, 34 Proz. Chlormagnesium und 39 Proz. Wasser (KCl+MgCl2 + 6aq) ^[(KCl+MgCl<sub>2</sub> + 6aq)]; häufig ist etwas Kalium durch Natrium ersetzt. Der C. ist für die Gewinnung der Kalisalze ein überaus wichtiger Körper geworden. An der Luft zerfließt er; in Wasser ist er leicht löslich, beim Betropfen damit zerlegt er sich in Chlorkalium, das sich krystallinisch ausscheidet, und in aufgelöst bleibendes Chlormagnesium. Aus dem Chlorkalium stellt man schwefelsaures Kalium, kohlensaures Kalium (Pottasche) und andere für die Industrie und Agrikultur bedeutungsvolle Kaliumverbindungen dar.

Carnarvon oder Caernarvon (spr. -nahrw'n). 1) Die nordwestlichste Grafschaft des engl. Fürstentums Wales, durch den Menaikanal von der Insel Anglesey getrennt, hat 1495,17 qkm und (1891) 118225 E. C. grenzt im O. an Denbigh, im S. an Merioneth und sendet gegen SW. die Halbinsel Lleyn aus, welche im Kap Braich-y-Pwll endet. Eine hohe Gebirgskette, deren Gipfel durch tief eingeschnittene, von kleinen Seen (Llyns) erfüllte Klüfte getrennt werden, durchzieht die Grafschaft von NO. gegen SW. und giebt ihr den Charakter einer Alpenlandschaft. Den Mittelpunkt bildet der Snowdon (1094 m), der höchste Berg in Wales und England. Nächst ihm ist der höchste der Carnedd- oder Carn-David (980 m). Hauptfluß ist der Conway an der Ostgrenze, der 16 km weit schiffbar ist. Die vorwiegenden Erwerbszweige sind Viehzucht und Milchwirtschaft. Den Hauptreichtum bilden indes die Schieferbrüche, namentlich die von Penrhyn, die viele Tausende von Arbeitern beschäftigen ^[Spaltenwechsel] und deren jährlicher Ertrag auf 119000 Pfd. St. veranschlagt wird. (S. Bangor.) Auch werden Blei, Silber, Schwefelerze, Kupfer und Zink gewonnen, und an den Küsten wird Fisch- und Austernfang getrieben. Die Grafschaft schickt ein Mitglied zum Parlament, die Hauptstadt nebst Conway (s. d.), Pwllheli, Nevin, Criccieth und Bangor ein zweites. – 2) Hauptstadt der Grafschaft C., Municipal- und Hafenstadt sowie Parlamentsborough, an der Mündung des Seiont in den Menaikanal, 11 km südwestlich von der großen Britanniabrücke, ist von einer festen Mauer mit runden Türmen umgeben, hat enge Straßen, (1891) 9804 E. Die besonders gut erhaltene Burg Eduards Ⅰ., das 1283 begonnene, neuerdings restaurierte Carnarvon-Castle, ist eins der imposantesten Bauwerke in England. C. hat ein Schullehrerseminar, ein Museum mit Altertums- und naturhistor. Sammlungen, Eisen- und Messinggießerei, Schiffbau, Fischfang und Segeltuchfabrikation. Der Handel geht besonders nach Bristol, Liverpool und Dublin und bringt hauptsächlich Schiefer zur Ausfuhr. Schiffe bis zu 400 t können in den Hafen einlaufen. C. ist zugleich Seebad und wird seiner reizenden Umgebung wegen von Vergnügungsreisenden stark besucht. – Die Römer hatten dicht bei C. in Segontium eine wichtige Station. Die jetzige Anlage stammt von Eduard Ⅰ. und Ⅱ. Die Waliser plünderten 1294 die Stadt, die auch durch die Eroberung 1644 viel litt.

Carnarvon (spr. -nahrw'n), Division in der «Midland»-Provinz der Kapkolonie, zwischen dem Oranjefluß im N. und den Karreebergen im S., ein wasserloses, für Schafzucht geeignetes Weideland, hat 31258 qkm und (1891) 9130 E., darunter 3730 Weiße. Hauptort ist C. (Schietfontein).

Carnarvon (spr. -nahrw'n), Henry Howard Molyneux Herbert, vierter Graf von C., konservativer engl. Staatsmann, geb. 24. Juni 1831 in London, wurde in Eton und Oxford gebildet, gelangte durch den Tod seines Vaters schon 1849 ins Oberhaus und machte gleich mit seiner ersten Rede bedeutendes Aufsehen. Unter Derby war er 1858–59 Unterstaatssekretär, 1866 Staatssekretär für die Kolonien, schied aber 1867 aus, weil ihm die Bestrebungen Disraelis für eine Parlamentsreform zu demokratisch erschienen. Dennoch übernahm er in dessen zweitem Ministerium 1874 das Kolonialamt wieder, und unter seiner Amtsführung erfolgte die Einverleibung der Transvaal-Republik; ein neues Zerwürfnis mit dem Premierminister, dessen angriffslustige Orientpolitik C. mißbilligte, führte 24. Juni 1878 zu seinem Rücktritt, ohne daß er darum sich der Opposition zugesellte. Salisbury ernannte ihn Juni 1885 zum Vicekönig von Irland, und seine persönliche Zusammenkunft mit Parnell, die bei diesem Hoffnungen auf eine Unterstützung seiner Pläne durch die Konservativen erweckt haben muß, hatte zur Folge, daß diesen bei den nächsten Neuwahlen die Stimmen der Iren zufielen. Bei dem Beginn einer neuen Zwangspolitik gegen Irland legte C. sein Amt nieder und fand auch in dem zweiten, Aug. 1886, gebildeten Kabinett Salisbury keine Stelle. Er starb 28. Juni 1890 in London. C. hat sich auch als Schriftsteller bekannt gemacht. Von ihm erschien: «The Archæology of Berkshire» (1859) und «Recollections of the Druses of the Lebanon and notes on their religion» (1860). Außerdem gab er ein hinterlassenes Werk seines Vaters: «Reminiscences of Athens and the

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