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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Carnot

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Carnot (Lazare Nicolas Marguerite, Graf) - Carnot (Marie François Sadi)

heit und den persönlichen Zwecken des Präsidenten entgegenzuarbeiten suchten, aber durch ihr unpolit. Benehmen dem Bonapartismus Vorschub leisteten. Nach dem Staatsstreiche vom 2. Dez. wurde C. 1852 für den Gesetzgebenden Körper in Lyon und 1857 in Paris gewählt; die Verweigerung des Huldigungseides machte aber beidemal seine Wahl ungültig. Erst als er diese Bedenklichkeit aufgab und wieder 1864 zu Paris gewählt wurde, nahm er seinen Platz im Gesetzgebenden Körper in der kleinen hier übrig gebliebenen Oppositionsgruppe; bei den Wahlen von 1869 unterlag er gegen Gambetta und Rochefort. Nach Beseitigung des Kaiserreichs 1870 wurde C. Maire im 8. Arrondissement von Paris und 1871 in die Nationalversammlung gewählt, wo er sich zur republikanischen Linken hielt; 1875 wurde er zum Senator auf Lebenszeit ernannt. In den J. 1885, 1887 und 1888 wirkte er im Senat als Alterspräsident. Kurz vor seinem Tode gründete er eine Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Französischen Revolution. Er starb 16. März 1888. C. veröffentlichte ein «Exposé de la doctrine Saint-Simonienne» (Par. 1830 u. ö.), eine Verteidigung seiner Amtsverwaltung (ebd. 1849) und «La Révolution française, résumé historique» (2 Bde., ebd. 1867). – Vgl. die Litteratur zu dem Artikel Marie François Sadi C.

Carnot (spr. -noh), Lazare Nicolas Marguerite, Graf, geb. 13. Mai 1753 zu Nolay in Burgund, von bürgerlicher Abkunft, Sohn eines Notars, war zu Anfang der Revolution Ingenieurhauptmann. 1784 hatte ihm die Akademie von Dijon für einen «Éloge de Vauban» den Preis zuerkannt. An die Nationalversammlung richtete er verschiedene Abhandlungen über militär. und finanzielle Fragen, bis er 1791 Abgeordneter bei der Gesetzgebenden Versammlung wurde. Er nahm anfangs nur an den Beratungen über militär. Angelegenheiten teil. So wurden auf seinen Vorschlag die zahlreichen ausgewanderten adligen Offiziere durch Unteroffiziere ersetzt. Als Mitglied des Konvents stimmte er für Ludwigs ⅩⅥ. Tod. Darauf ward er im März 1793 zum Nordheere gesandt, wo er die Grenzfestungen von Lille bis ans Meer in stand setzte. Am 14. Aug. trat er in den Wohlfahrtsausschuß und wurde Leiter des Kriegswesens. Als solcher arbeitete er für Houchard den Plan der Schlacht bei Hondschoote (s. d.) aus und siegte im Okt. 1793 selbst bei Wattignies. Nach Paris zurückgekehrt, arbeitete er ohne Unterlaß an der Neuschöpfung des Heers. Von seinem Kabinett aus organisierte er 14 Armeen, ernannte ihre Generale, befestigte die Grenzen und lieferte die Kriegspläne. Im Wohlfahrtsausschusse suchte er Robespierre zu schwächen. Als Legendre nach dessen Sturze beantragte, C. in Anklagezustand zu versetzen, vereitelte eine Stimme aus der Versammlung: «Ihr könnt den Mann nicht verdammen wollen, der den Sieg unserer Armeen organisiert hat!» dessen Antrag. Bei der Errichtung des Direktoriums 1795 wurde C. dessen Mitglied und erhielt einige Zeit bedeutenden Einfluß, zerfiel aber mit Barras, ward am 18. Fructidor (4. Sept. 1797) als Royalist verdächtigt und zur Deportation verurteilt. Er floh nach Deutschland und gab eine Rechtfertigungsschrift heraus, die durch Aufdeckung der Schändlichkeiten seiner ehemaligen Kollegen deren Sturz am 30. Prairial (18. Juni 1799) beförderte. Nach dem 18. Brumaire (9. Nov. 1799) wurde C. zurückberufen und im April 1800 Kriegsminister. ^[Spaltenwechsel] Zwar gab er diese Stellung bald auf, weil er den ehrgeizigen Plänen Bonapartes widerstrebte, und zog sich Ende 1800 in seine Familie zurück, ward jedoch 27. März 1802 zum Tribunat berufen. Die Unbeugsamkeit der Grundsätze, die ihn immer auszeichnete, verleugnete er auch hier nicht; er trat mehrmals der Regierung entgegen, stimmte gegen Einrichtung der Ehrenlegion, des lebenslänglichen Konsulats und die Kaiserwürde. Dennoch blieb er im Tribunat bis zu dessen Aufhebung; dann lebte er wissenschaftlichen Arbeiten, hauptsächlich im Gebiete der Mathematik und der militär. Befestigung. Im Jan. 1814 übertrug ihm Napoleon den Oberbefehl in Antwerpen, das er heldenmütig bis zur Kapitulation von Paris verteidigte. Zwar behielt er nach der ersten Restauration seine Würden, verschmähte aber als strenger Republikaner die Gunst des Hofs. Während der Hundert Tage ernannte ihn Napoleon (beider angeblicher «Briefwechsel» aus dieser Zeit erschien in zwei Fassungen, Par. 1819) zum Grafen und Pair und drängte ihm das Ministerium des Innern auf, das C. mit gewohnter Rechtlichkeit verwaltete. Sein Einspruch wider die Additionalakte zur Verfassung blieb ungehört. Nach Napoleons zweiter Abdankung trat C. in die Provisorische Regierung, wurde aber von den Bourbonen durch die Verordnung vom 24. Juli 1815 verbannt. Er wandte sich nach Warschau, dann nach Magdeburg, wo er 3. Aug. 1823 starb. Ein Denkmal (von Roulleau) wurde ihm 3. Sept. 1882 in Nolay errichtet. 1889 wurden seine Gebeine aus Magdeburg nach Paris gebracht und dort 4. Aug. im Pantheon beigesetzt.

Unter C.s zahlreichen Schriften sind zu nennen: «Essai sur les machines en général» (Dijon 1784; 2. Aufl., Par. 1801), «De la défense des places fortes» (ebd. 1789; 4. Aufl. 1814; deutsch, Stuttg. 1820), «Œuvres mathématiques» (Basel 1796), «Réflexions sur la métaphysique du calcul infnitésimal» (Par. 1797; 4. Aufl. 1860; deutsch von Hauff, Frankf. 1800), «Géométrie de position» (Par. 1803; deutsch, Altona 1808–10), «Principes fondamentaux de l'équilibre et du mouvement» (Par. 1803; deutsch, Lpz. 1805), «Exposé de la conduite politique de C. depuis le 1<sup>er</sup> juillet 1814» (Par. 1815), «Mémoire sur la fortification primitive» (ebd. 1823). Auch als Dichter versuchte sich C. nicht ohne Glück, wie sein komisches Heldengedicht «Don Quichotte» (Par. 1821) und sein «Télémaque dans l'île de Calypso» (Par. u. Berl. 1822) beweisen; seine «Opuscules poétiques» erschienen Paris 1820. - Vgl. Körte, Das Leben C.s (Lpz. 1820); Tissot, Mémoires historiques et militaires sur C. (ebd. 1824); Arago, Biographie de C. (Par. 1850); Depasse, Carnot (ebd. 1883); Hennet, L. Carnot (ebd. 1888); Bonnal, C. d'après les archives (ebd. 1888). Das Hauptwerk sind die Mémoires sur C. par son fils Hippolyte C. (2 Bde., ebd. 1861–64).

Carnot (spr. -noh), Marie François Sadi, Präsident der franz. Republik, Sohn von Lazare Hippolyte C., geb. 11. Aug. 1837 zu Limoges, besuchte die Polytechnische, dann die Brücken- und Wegebauschule und wurde Ingenieur in Annecy, wo er wichtige technische Arbeiten, insbesondere die große Rhônebrücke von Collonge, ausführte. Im Jan. 1871 wurde er Präfekt im Depart. Seine inférieure und erhielt den Auftrag, als außerordentlicher Kommissar die nationale Verteidigung in der Normandie zu organisieren. Nach Abschluß des Waffenstill-^[folgende Seite]

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