Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

959

Carrageen-Schlichte - Carrel

morieren, ferner zum Klären von Bier, zu Weberschlichte (s. Carrageen-Schlichte), zur Appretur u. s. w. – Ostindisches C. ist soviel wie Agar-Agar (s. d.).

Carrageen-Schlichte oder Caragaheen-Schlichte, eine aus dem Schleimgehalt des Carrageen-Mooses gewonnene Weberschlichte, die in der Art hergestellt wird, daß man 1 Teil Carrageen-Moos mit etwa 64 Teilen Wasser übergießt und 12 Stunden lang quellen läßt, hierauf die doppelte Menge Wasser hinzufügt, die Lösung 1½ Stunden lang kochen läßt und dann durch ein Tuch seiht. Von diesem Absud wird 1 Teil auf 3 Teile der gewöhnlichen Mehlschlichte genommen.

Carranza, Bartholomäus von, span. Theolog, geb. 1503 zu Miranda in Navarra, war Professor der Theologie in Valladolid und kam als Gesandter Karls Ⅴ. auf das Konzil von Trient. Mit Philipp Ⅱ. ging er nach England, als dieser Gemahl der Königin Maria wurde, ward Beichtvater der Königin, nahm voll Eifer an der Rekatholisierung Englands teil und ward, heimgekehrt, Erzbischof von Toledo. Hier aber geriet er in den Verdacht der Ketzerei. Man wollte in einem Katechismus von seiner Hand prot. Dogmen entdecken, und es ging das Gerücht, er habe Karl Ⅴ. in dessen Sterbestunden ketzerische Gedanken eingeflößt. So verfiel er der Inquisition, die ihn 1559–67 einkerkerte. Pius Ⅴ. zog den Prozeß nach Rom und hielt C. bis 1576 in der Engelsburg gefangen, bis er die luth. Ketzerei abschwor. Er starb 2. Mai 1576. Schriften von ihm sind die «Summa conciliorum» (Vened. 1546), «Commentarios sobre el catechismo christiano» (Antw.1558). – Vgl. Laugwitz, Bartholomäus C. (Kempten 1870); Wilkens, Geschichte des span. Protestantismus im 16. Jahrh. (Gütersloh 1888).

Carrāra, eine im Aussehen dem Carrarischen Marmor ähnliche Porzellanmasse (s. Thonwaren).

Carrāra, Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Massa-e-Carrara, 14 km vom Meere, in einem kesselförmigen Thale des apuanischen Apennins (Alpi Apuane), am Carrione, an der Linie Livorno-Pisa-Genua des Mittelmeernetzes, ist Mittelpunkt der Marmorindustrie und großenteils aus Marmor erbaut, hat Zweigbahn nach Avenza (5 km), (1881) 14603, als Gemeinde 30094 E., ein Gymnasium, ein Museum mit Werken einheimischer Künstler und Altertümern, eine von Napoleon gestiftete Bildhauerakademie, zahlreiche Bildhauerateliers auch auswärtiger Künstler, einen Dom (13. Jahrh.), die Kirchen San Andrea und Madonna delle Grazie mit prächtiger Marmorausstattung und Denkmäler der Großherzogin Maria Beatrice Pellegrini, Rossis und Garibaldis. Die Bevölkerung ist fast ausschließlich in den 400 Marmorgruben und Brüchen, in den Sägereien und Schleifereien sowie beim Transport beschäftigt. Die jährliche Ausfuhr von Carrarischem Marmor wird auf 180000 Ctr. für 6 Mill. Frs. veranschlagt; sie erfolgt meist über den Hafenort Avenza. Bereits im Altertum brach man in den drei Thälern (canali) von Colonnata, Fanti-Scritti und Torano die zwei hauptsächlichsten, heute noch verwendeten Marmorarten. Die Spuren antiker Bearbeitung sind noch allenthalben sichtbar, selbst mit röm. Bruchmarken versehene Blöcke finden sich nicht selten. Bei den Römern führte der aus diesen Brüchen stammende Marmor den Namen Marmor lunense, von der Stadt Luni, deren Ruinen nördlich von Avenza noch erhalten sind. Man bricht gegenwärtig den ^[Spaltenwechsel] feinen, weißen statuarischen Marmor fast ausschließlich in dem Thal von Torano an etwa sechs Stellen; die am meisten geschätzten Qualitäten sind Polvaccio, Bettogli, Crestola. Die minder feinen Sorten erster und zweiter Qualität, welche hauptsächlich für öffentliche Monumente und für architektonische Zwecke Verwendung finden, bricht man überall in den drei genannten Thälern, besonders in dem Thal von Fanti-Scritti. Außerdem ist in neuerer Zeit besonders der Bardiglio (s. d.) in Aufschwung gekommen. – Die ältesten Herren von C. im Mittelalter waren die Este, später ging es in den Besitz der Cybô über und hat gemeinsame Geschichte mit Massa. – Vgl. Magenta, L'industria dei marmi apuani (Flor. 1871).

Carrāra, Francesco, ital. Strafrechtslehrer, geb. 18. Sept. 1805 in Lucca, wirkte als Lehrer des Strafrechts an der Universität Pisa, gehörte zu den entschiedenen Gegnern der Todesstrafe, war 1865–70 Abgeordneter, seit 1876 Senator und starb 15. Jan. 1888 in Lucca. Von seinen auch im Auslande geschätzten Werken sind hervorzuheben: «Programma del corso di diritto criminale» (9 Bde., mehrere Auflagen), «Opuscoli di diritto penale» (7 Bde., auch mehrfach aufgelegt), «Pensieri sul progetto di codice penale italiano del 1874», «Lezioni sul grado nella forza fisica del delitto» (6. Aufl., Lucca 1870), «Lineamenti di pratica legislativa» (Rom 1874), «Studij sul delitto perfetto» (Lucca 1879).

Carrārischer Marmor, s. Carrara (ital. Stadt).

Carrate, s. Carratte.

Carratrāca, Flecken in der span. Provinz Malaga (Granada), in gebirgiger Gegend, westlich von Alora, hat (1887) 1722 E., Post, Schwefelquelle (18° C.) und Kuranstalt (4–5000 Badegäste).

Carratte (Carrate), kleine Geldrechnungsstufe in Arabien; 640 C. bilden einen pers. Kran (s. d.), welcher = 51⅞ Pf. ist. Daher entspricht eine C. etwa 2/25 oder 0,08 Pf.

Carré («Viereck»), Feldmaß in Pondichéry und Karikal (Französisch-Vorderindien) = 7,9833 ha.

Carré (militär.), s. Karree.

Carré, Michel, franz. Dichter, geb. 1819 zu Paris, gest. 27. Juni 1872 zu Argenteuil, schrieb Gedichte: «Les folles rimes» (1841), und Dramen: «La jeunesse de Luther» (1843), «L'Eunuque» (nach Terenz, 1843), «Scaramouche et Pascariel» (1847), «Faust et Marguerite» (1850) u. s. w. Seit 1849 lieferte er mit Jules Barbier (s. d.) Lustspiele, Vaudevilles und Operntexte.

Carreau (frz., spr. -roh, «Viereck»), Karo, in der franz. Spielkarte die erste Farbe, deren Zeichen ein rotes Viereck ist, entspricht den Schellen der deutschen Karte.

Carrefour (frz., spr. karr'fuhr; vom lat. quadrifurcum, viergabelig), Kreuzweg, Straßenecke; auch kleiner Platz.

Carrel (spr. -réll), Nicolas Armand, franz. Politiker und Publizist, geb. 8. Mai 1800 zu Rouen, besuchte die Militärschule von St. Cyr und trat 1819 in die Infanterie. Wegen seiner republikanischen Gesinnung verließ er den Dienst und trat 1823 beim Ausbruch der Kämpfe in Spanien einem Freikorps bei. Er wurde jedoch von den franz. Truppen in Spanien gefangen genommen und entging nur mit Mühe dem Tode durch kriegsgerichtlichen Spruch. Hierauf widmete er sich in Paris histor. und polit. Studien, schloß sich eng an Aug. Thierry an und verband sich 1830

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]