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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Carteret (John, Lord) - Carthamus

genossenschaft. Infolge dieser antiklerikalen Gesinnung sah sich C., oft gegen seinen Willen, genötigt, sich auf die radikale Partei Genfs und der übrigen Schweiz zu stützen. Seine Hauptstärke lag in seiner großen Beredsamkeit; aber verleitet durch seine großartigen Erfolge, nahm der «Löwe von St. Gervais», wie man ihn nannte, allmählich eine so selbstherrische Stellung ein, daß die jungdemokratische Partei, deren Ziele er nicht billigte, sich seiner durch ein Bündnis mit andern Parteien entledigte, sodaß ihm 1887 die Leitung des Genfer Erziehungsdepartements entzogen wurde. Er starb 28. Jan. 1889 in Genf. C. zeichnete sich auch als Dichter aus; seine «Fables» (Genf 1862 u. 1873) behandeln vielfach polit. Stoffe, sein Roman «Deux amis» (ebd. 1872) bietet Sittenbilder aus seiner Vaterstadt.

Cartĕret, John, Lord C., später Graf Granville, engl. Staatsmann, geb. 22. April 1690, saß schon seit 1711 im Oberhaus und wurde bald ein Führer der Whigs. Bei dem Zerwürfnis im Whigministerium 1717 hielt er zu Walpoles Gegnern; dennoch trat er 1721 unter ihm mit Townshend als Staatssekretär für die Kolonien ein, legte aber wegen Zwistigkeiten mit letzterm das Amt 1724 nieder, wurde Lordlieutenant von Irland, schied 1730 ganz aus und wurde im Oberhaus Führer der Opposition. Sein Wissen war ein umfassendes, aber er besaß nicht die nötige charaktervolle Festigkeit. Nach Walpoles Sturz 1742 wurde er wieder Staatssekretär und leitete völlig selbständig die auswärtige Politik Englands während dessen Teilnahme am Österreichischen Erbfolgekrieg, verdarb aber sein öffentliches Ansehen durch die zu große Förderung der hannov. Wünsche Georgs Ⅱ. Sein Ehrgeiz brachte ihn in Zwist mit den Genossen, Nov. 1744 mußte er aus dem Ministerium weichen, dessen alleinige Führung Pelham übernahm. Nach dem Tode seiner Mutter wurde er 1744 Graf Granville. Er blieb in des Königs Gunst, wurde 1751 Ratspräsident und starb 2. Jan. 1763. Mit dem Tode seines ältesten Sohnes erlosch schon 1766 die Grafenwürde in seiner Familie.

Cartĕret, Philipp, engl. Seefahrer, machte 1764–66 unter Byron seine erste Weltumsegelung und führte 1766–69 unter Wallis seine zweite Weltfahrt aus. Wallis fuhr auf dem Delphin aus, dem zur Begleitung die Swallow unter C.s Befehl beigegeben war. Die Abfahrt geschah 22. Aug. 1766; am 17. Dez. kam man an die Magalhãesstraße, wo die beiden Schiffe bis zum 11. April 1767 zurückgehalten wurden. Beim Austritt aus der Straße wurden beide Schiffe auf immer getrennt; der Delphin steuerte nach Nordwesten, während C. 1767 die Insel Pitcairn (benannt nach einem seiner Begleiter) entdeckte; am nächsten Tage fand er zwei andere Inseln der Paumotugruppe. Nun nach Nordwesten weiter fahrend, kam er nach langer entbehrungsreicher Fahrt nach den Sta. Cruzinseln, welche C. Königin-Charlotteninseln nannte. Von hier steuerte er nach Nordwesten und entdeckte 29. Aug. 1767 den Georgskanal, welcher im Bismarck-Archipel die Inseln Neupommern und Neumecklenburg scheidet. Er ankerte in einer Bai an der Küste der nördl. Insel und nahm hier, an der Carteretbai, von dem Lande Besitz im Namen des Königs von England. Auf der weitern Fahrt entdeckte er Neuhannover und die Admiralitätsinseln. Nun steuerte er zwischen den Molukken hindurch, zeichnete die Karte von der ganzen Westküste von Celebes und langte 15. Dez. 1767 vor Mangkassar an. Am 3. Juni 1768 kam er ^[Spaltenwechsel] nach Batavia und traf 20. März 1769 in Spithead in England wieder ein. Er zog sich 1794 mit dem Rang eines Rear-Admirals aus dem aktiven Dienst zurück und starb 21. Juli 1796 zu Southampton.

Carterĕtinseln, Gruppe von neun, zu den deutschen Salomonsinseln gehörigen Koralleninseln im NO. von Buka.

Cartesiānischer Taucher oder Cartesisches Teufelchen heißen nach Cartesius (s. Descartes) kleine hohle Glasfigürchen (s. beistehende Figur, a), die am Schwanze mit einer Öffnung (o) versehen und in einem mit Wasser gefüllten, mit einer Blase oder mit Kautschuk (B) überbundenen Glasgefäß (Cylinder, Flasche oder dergl.) eingeschlossen sind. Die Glasfigürchen sind so gearbeitet, daß sie etwas leichter als ein gleichgroßes Volumen Wasser sind, also in dem Wasser schwimmend kaum über den Spiegel desselben hervorragen. Drückt man auf die Blase, so wird durch den Druck etwas Flüssigkeit in die Figur gepreßt; dadurch nimmt das specifische Gewicht der Figur im ganzen zu, und sie sinkt unter. Läßt dann der Druck nach, so dehnt sich die in der Hohlfigur zusammengedrückte Luft wieder aus, wodurch das Wasser aus derselben ausgetrieben wird. Hierdurch wird die Figur leichter und steigt empor. Durch Regulierung des Druckes läßt sich die Figur auch schwebend in dem Wasser erhalten, d. h. so, daß sie weder steigt noch sinkt. Ist der Schwanz seitlich gekrümmt, so macht die Figur außerdem noch drehende Bewegungen, nach dem Princip des Segnerschen Reaktionsrades. ^[Abb: Cartesianischer Taucher]

Cartēsisches Teufelchen, s. Cartesianischer Taucher.

Cartesĭus, s. Descartes.

Carthage (spr. kahrthidsch), Hauptstadt des County Jasper im südwestlichsten Teile des nordamerik. Staates Missouri, Knotenpunkt mehrerer Bahnen, hat (1890) 7981 E., Holzhandel, Marmor- und Kalkgewinnung sowie Wollfabrikation. Am 5. Juli 1861 fand hier ein siegreiches Gefecht der Bundestruppen unter dem Obersten Franz Sigl gegen die Konföderierten statt.

Carthāgo, s. Karthago.

Carthāgo nova (Carthago Spartarĭa), s. Cartagena (in Spanien).

Carthamīn, Saflorrot, einer der wenigen natürlichen Farbstoffe, die ungebeizte Baumwolle anfärben. Es besitzt die Zusammensetzung C14H16O7 ^[C<sub>14</sub>H<sub>16</sub>O<sub>7</sub>], ist in den Saflorblättern (von Carthamus tinctorius L.) enthalten und wird aus der Lösung in Soda als dunkelrotes, nach dem Trocknen metallglänzendes Pulver gefällt. Es löst sich in Alkohol und Alkalien mit schön roter Farbe. Mit Kalihydrat geschmolzen bildet es Paraoxybenzoesäure.

Carthămus L., Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.), mit gegen 20 vorzugsweise in den Mittelmeerländern heimischen Arten. Es sind distelartige Gewächse mit meist großen und schön blühenden Köpfchen und gestachelten Hüllblättern. Von dieser Gattung wird der echte Saflor oder die Färberdistel (C. tinctorius L., s. Tafel: Aggregaten Ⅰ, Fig. 2: a. Blütenköpfchen

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]