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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Catanzāro; Cataphrácti; Cataplásma arteficiāle; Catarácta; Catargiu

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Catanzaro - Catargiu

72 Register, 2916 Pfeifen), die Chorstühle von dem Palermitaner Niccolano Bagnasco geschnitzt. Das Kloster wurde 1518 von Nicolosi hierher verlegt, 1693 durch Erdbeben zerstört, 1735 wieder erbaut und von adligen Mönchen bewohnt, 1866 aufgehoben. Die Räume dienen teils als Kaserne, teils sind sie zu Schul- und Unterrichtszwecken eingerichtet. Einige Säle enthalten Sammlungen von Naturalien, Gemälden, Waffen, Altertümern und Inschriften, die Bibliothek hat 20000 Bände und 300 Handschriften. Erwähnenswert sind ferner die Piazza San Filippo, von einer Halle mit 32 antiken Marmorsäulen umgeben; das Kastell Ursino, von Friedrich Ⅱ. angelegt und 1669 von der Lava umflossen; die Überreste des auf griech. Fundamenten erbauten röm. Theaters, größtenteils unter der Erde und daneben das röm. Odeum (40 m im Durchmesser); unter der Karmeliterkirche all' Indirizzo bedeutende Überreste eines röm. Bades; Überreste eines röm. Amphitheaters, ein 1882 aufgestelltes Denkmal des Komponisten Bellini, die Villa Bellini, früher al Labirinto, mit schönen Anlagen und vielen Büsten. Ferner hat C. eine 1444 gestiftete Universität mit etwa 600 (ehemals über 2000) Studierenden, einer pharmaceutischen Schule, 1755 gegründeten Bibliothek (70000 Bände) und schöner Konchyliensammlung, eine Akademie der Wissenschaften und andere Anstalten. Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation von Leinen-, Baum- und Seidenzeugen, Waren aus Bernstein, Lava, Holz und Marmor, gebleichtem Wachs, Olivenöl und span. Saft aus Süßholz,der Handel auf Getreide, Südfrüchte, Wein, Öl, Seide, Holz, Soda, Schnee vom Ätna und die einheimischen Fabrikate; die Fischerei beschäftigt 2000 Personen. Sehenswert die naturhistor. Sammlungen der von Gioeni 1823 gestifteten Accademia Gioënia.

C. ward unter dem Namen Katana 729 v. Chr. von Naxos, einer ionisch-chalkidischen Kolonie auf Sicilien, aus gegründet und gehörte schon im Anfange des 5. Jahrh. v. Chr. zu den blühendsten Städten der Insel. Hieron Ⅰ. von Syrakus verpflanzte 476 v. Chr. die Bewohner von C. nach Leontini, kolonisierte die Stadt durch 5000 Syrakusaner und ebensoviele Peloponnesier und nannte sie Ätna; doch schon 461 kehrten die frühern Einwohner zurück und gaben der Stadt den alten Namen wieder. Von den Athenern genommen (415), von Dionys Ⅰ. verwüstet (401), fiel sie bald einheimischen Tyrannen in die Hände; eine Zeit lang war sie auch in der Gewalt des Agathokles von Syrakus. Erst unter der röm. Herrschaft erhob sie sich wieder zu großem Wohlstande, litt aber 123 v. Chr. so sehr durch einen Lavastrom, daß der Senat von Rom die Abgabenfreiheit ihres Gebietes auf 10 Jahre verordnete. Augustus sandte eine röm. Kolonie hierher. Im Mittelalter sank sie sehr herab, teils durch die wiederholten Einfälle erst der Goten, dann der Vandalen, endlich der Saracenen, die sie bis 1071 besaßen, mehr noch durch das furchtbare Erdbeben vom 4. Febr. 1170, bei dem 15000 Personen umkamen, die große Eruption des Ätna von 1669 und das Erdbeben vom 11. Jan. 1693, das nur fünf Häuser der Stadt sieben ließ. – Vgl. Holm, Das alte C. (Lübeck 1873); Guida letteraria, scientifica, artistica, amministrativa e commerciale di C. (Catania 1881); Salomone, Le provincie siciliane Ⅱ (Acireale 1886).

Catanzāro. 1) Provinz im Königreich Italien, bis 1871 Calabria ulteriore Ⅱ genannt, in der Landschaft Calabrien, grenzt im N. an die Provinz Cosenza, im S. an die Reggio di Calabria, im O. an das Ionische und im W. an das Tyrrhenische Meer, hat 5975 (nach Strelbitskij 5174) qkm mit (1881) 433975, nach einer Berechnung (31. Dez. 1892) 460029 E. und zerfällt in die 4 Kreise C., Cotrone, Monteleone di Calabria und Nicastro. Das Land ist gebirgig und wird von N. nach S. vom Calabrischen Gebirge (s. d.) durchzogen. Die meist unbedeutenden Flüsse der Provinz sind Maida, Angitola und Mesima, die ins Tyrrhenische, und Neto und Corace, die ins Ionische Meer fließen. Die Bewohner treiben Viehzucht, weniger Ackerbau und bauen Wein, Seide, Obst, Feigen und Ölfrüchte. Der Bergbau liefert Braunkohlen, Eisen, Graphit und Marmor. Die Provinz wird von einer an der Ostküste entlang führenden Eisenbahn durchzogen; eine Linie an der Westküste und eine beide Küsten verbindende zwischen Marina de C. und Nicastro ist geplant. – 2) Hauptstadt der Provinz C., in schöner Lage auf einem Berge festungsartig erbaut, ist durch eine Zweigbahn (9 km) nach C.-Marina mit der Linie Taranto-Reggio des Mittelmeernetzes verbunden, Sitz des Präfekten, eines Appellationshofes, eines Bischofs, der Kommandos der 22. Division sowie der Infanteriebrigade Cuneo, und hat (1881) 22206, als Gemeinde 28594, nach einer Berechnung (31. Dez. 1892) 33500 E., in Garnison zwei Bataillone des 7. Infanterieregiments, Ruinen eines von Robert Guiscard erbauten Schlosses, 10 Kirchen, darunter eine Kathedrale mit venet. Bild (16. Jahrh.), ein Lyceum, altadliges Kollegium Provinzialmuseum mit Bildern, einigen Münzen, Vasen und Altertümern, sowie Seiden- und Sammetwebereien. Die Leute der niedern Stände, namentlich das Landvolk am Sonntag, gehen noch zum Teil in der prächtigen Calabresertracht. – C. ist 963 von Nikephoros Photas zum Schutze gegen die Saracenen erbaut und litt 1783 sehr durch Erdbeben. ^[Spaltenwechsel]

Cataphrácti (grch. katáphraktoi, woneben Livius auch den lat. Ausdruck Loricati gebraucht), im Altertum die schwere Reiterei in Schuppenpanzern, welche Roß und Reiter am ganzen Körper bedeckten. Sie werden zuerst im Heere des Königs Antiochus Ⅲ. d. Gr. von Syrien erwähnt und waren namentlich bei den Parthern gebräuchlich. Auf der Trajanssäule zu Rom sind solche Reiter abgebildet.

Cataphrácti, Familie der Knochenfische, s. Panzerwangen.

Cataplásma arteficiāle, künstlicher Breiumschlag, findet als Ersatz des Leinmehlumschlags Verwendung. Der trockne Breiumschlag ist ein dicker Papierstoff, der den schleimigen Auszug des Leinsamens oder ähnliche aufquellende Stoffe eingetrocknet enthält. Wird das Papier in lauwarmes Wasser gelegt, so quillt es auf und ist dann als Umschlag verwendbar.

Catarácta, (grch.), Grauer Star (Augenkrankheit).

Catargiu (spr. -dschu), Lascar, rumän. Staatsmann, geb. Nov. 1823 in der Moldau, war unter dem Fürsten Michael Sturdza in verschiedenen Distrikten, auch in Jassy und Galatz, Präfekt. Bei Cusas Fürstenwahl 1859 war er mit unter den aufgestellten Thronkandidaten. An der Verschwörung gegen diesen beteiligt, wurde er nach dessen Sturze (23. Febr. 1866) Mitglied der provisorischen Triumviratsregierung bis zur Thronbesteigung des Fürsten Karl von Hohenzollern (22. Mai 1866). 1871 bildete C. das erste eigentlich konservative Ministerium, das

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]