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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Centgericht - Centner
Zuverlässigkeit wurde diese Truppe ergänzt; sie rit-
ten edle Pferde großen Schlags, waren mit Gewehren
und langen Degen, welche als Bajonett aufgepflanzt
werden konnten, bewaffnet. Die l^. gingen mit dem
Sturze der kaiserl. Regierung 1870 ein.
Centgericht, Centgraf, Centherr, s. Cent.
Centi- (aus dem lat. emiwin, "hundert") bezeich-
net bei Maßgröhen ^?o in der Benennung des
franz. metrischen Systems. Daher ist Centimeter
^ ^lon ni, Centiliter ^ ^oo 1, Centigramm
^ ^100 3, Centiar -^ ^oy a u. s. w.
Centiar, s. Centi-.
Centifolle, eine Rosenart, deren Name eine
Rose nnt hundert, d. h. zahlreichen Blumenblättern
tgefüllte Blume) bedeutet. In demselben Sinne
sprechen die Griechen von einer 60blätterigen Rose.
Die C. ist wahrscheinlich nicht die ^outifolia der
Alten, sondern eine erst später in der europ. Türkei
oder in Frankreich aus der Essigrose (1<08H ^Hiea
^.) entstandene Kulturform. (S. Rofe.)
Centigrad, in 100 Grade eingeteilt; auch sub-
stantivisch : Grad des Centesimalthermometers.
Centigramm, Centiliter, s. Centi.
Centimanen, s. Hekatoncheiren.
Centime (spr. hangtihm), der 100. Teil der franz.,
belg. und schweiz. Geldeinheit, des Franken, und als
solcher ^- 0,8i oder ziemlich genau ^5 Pf. deutscher
Reichswährung ^ ^5 (also annähernd ^2) Kreuzer
österr. Silberwährung. Der C. ist in Frankreich und
der ^chweiz ein Münzstück aus Bronze, in Belgien
aus Kupfer. Die Abkürzung für C. ist e (c^, ets).
(S. Centesimo und Centimo.)
<3ontiins8 HÄHitionnsi" (spr. hangtihmsad-
dihionn^ll, "Zusatzcentimes"), die in Frankreich ein-
geführte direkte Gemeindesteuer, bestehend in einem
Zuschlag auf jeden Frank der Staatssteuer (s. Budget,
Bd. 3, S. 6Wa).
Centimeter (abgekürzt cm) heißt der 100. Teil
eines Meters (s. d.) ^ 4,433 alten Pariser Linien.
Centimeter-Gramm-Sekunde, s. Maß und
Gewicht im absoluten Sinne.
Centimo, kleine span. Geldgröße und Vronze-
münze, ^/il)o der Geldeinheit Peseta (daher auch
csutimo ä6 p686tH genannt), entspricht seit 1871
dem franz. Centime (s. d.). Von Ende 1864 bis
Ende 1870 war der C. eine Kupfermünze von ^00
Escudo (cLQtiiQo äe eseudo) und daher an Geltung
etwas mehr als 2^ jetzige C. (ä6 p686ta). Von
1856 bis gegen Ende 1864 war er als einzelnes Stück
nicht ausgeprägt (während man Kupferstücke zu mehr-
fachen C. hatte); er befaß den Wert von ^o^ des
Real, also^ reichlich^ deutschenPfennigs oder^o
Kreuzer österr. Silberwährung. C. oder Centavo
heißt auch der ebenfalls als Vronzemünzevorhandene
100. Teil des Volivar (s. d.). Dieser C. stimmt mit
dem spanischen C. völlig überein. (S. auch Centavo.)
Centinaio, Ccntinäjo (spr. tschen-), älteres
obcr- und mittclital., etwa dem deutschen "Centner"
entsprechendes Handelsgewicht von verschiedener
Schwere. Der C. hatte 100 Pfd. (I.idw'6); 10Centi-
naia bießcn in Veneticn, Toscana und Rom ein M i -
gliaio (Meiler, Taufender). In Rom wurde der
C. auch lüautaio ^iceolo (kleiner Centner) und der
Migliaio Oauwio grosso (großer Centner) genannt.
Der venetianische C. war, wie das dortige Handels-
gewicht überhaupt, dreierlei: Schwergewicht (?630
AI-0530 äi V6U62IH, in Griechenland noch jetzt bei
Korinthen üblich) ^ 47,7 K3; Leichtgewicht (?6?0
Lottile) ^ 30,1231<^; und Seidengewickt (?6?o äli,
Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl.. IV.
36w) ^ 30,744 KZ. In Toscana war der C. oder
Cantaro ^ 33,954 K3, in Rom der l^nwi-o piocow
^ 33,907 K5. Auf den Ionischen Inseln nennt man
C. (oder lalHQto, d. i. Taleut) das Gewicht von
100 ion. schweren Pfunden (I^iddi-6 ^10886 iouie)
oder engl. Handelspfund ^ 45,359 k^ -^ ein amerik.
Cental. (S. Cantaro.)
Vent-^ours (frz., fpr. ßangschuhr), Hundert
Tage, nennt man die letzte Herrschaftsepoche Na-
poleons I., von der Rückkehr von Elba bis zu sei-
nem zweiten Sturze nach der Schlacht bei Waterloo.
Sie begreift die Zeit vom 20. März, wo Napoleon
wieder in Paris einzog, bis zum 28. Juni 1815,
wo Ludwig XVIII. von Cambrai aus die Regie-
rung Frankreichs wieder antrat.
Centlivre (spr.ßenntliwr), Susanne, engl.Schau-
spieldichterin, geb. um 1678 zu Holbeach in Lincoln,
kam früh nach London, war vor ihrem 20. Jahre
zweimal verheiratet (ihr Mädchenname war Free-
mann), ging später zur Bühne und heiratete 1706
C., Mundkoch der Konigin Anna. Sie starb 1. Dez.
1723 zu London. Sie schrieb das Trauerspiel "II16
1)6rjul6ä Iiusdkmä" und Lustspiele, von denen "1ii6
Zu^-doä)'" (deutsch bearbeitet von Jünger als "Er
mengt sich in alles" in seinem "Komischen Theater",
II, Lpz. 1795), "^ Iioiä 8trok6 lor H ^vilk" und "^6
^011(161'7 3, ^V0M9.N K66P8 a 86cr6t!" sich auf dem
Repertoire erhalten haben. Ihre Stücke zeichnen sich
durch Lebhaftigkeit und Komik der Handlung aus.
Sie sind gesammelt erschienen (3 Bde., Lond. 1761;
neue Ausg., 3 Bde., ebd. 1872).
Eentner (vom lat. e6nt6u^iiu8, d. i. 100 ent-
haltend), in Deutschland, Österreich-Ungarn, in der
Schweiz, Finland, Schweden, Norwegen und Däne-
mark ein großes (nur noch in Dänemark gesetz-
liches) Handelsgewicht von 100 Pfd. Der C. hatte
von jeher in Österreich, Polen, Bayern, Schweden,
Norwegen, Finland und Dänemark 100 Pfd., wäh-
rend er bis 1858 z. V. iu Sachfen und Preußen
110, in Hamburg 112, in Bremen 116 Pfd. um-
faßte. Zu diefer Verschiedenheit der Einteilung kam
früher in Deutschland auch eine große Verschieden-
heit in der Schwere der C.; nicht nur jeder Staat,
sondern auch fast jeder größere Handelsplatz besaß
seinen eigenen C. Nach Gründung des Zollvereins
war bei allen Vereinsstaaten seit 1. Jan. 1840, wenn
auch meistens zunächst nur für die Zwecke der Zoll-
erhebung, ein gleichartiges Gewicht, das sog. Zoll-
gewicht, eingeführt, bei welchem der Zoll centner
in 100 Pfd.'(das Pfund in 30 Lot - Zoll-, später
auch.P 0 stl 0 t genannt) zerfiel und 50 franz. liZ (das
Z 0 llpfund ^21(F) gleichgefetzt wurde. Rheinbayern,
Baden und Hefsen-Darmstadt hatten das Zollgewicht
sckon vorber als Landesgewicht (in Rheinbayern war
aber der C. ^ 200 Pfd.); Nassau führte es 1853 als sol-
ches ein. Ebenso wurde das Zollgewicht vom Deutsch-
Österreichischen Zollverein (1851) und von dcn Eisen-
bahnen des Zollvcreinsgcbietes (seit 1847) für die
Frachten angenommen, dann im Febr. 1852 auch von
Österreich als Zoll- und Frachtgewicht eingeführt.
Seit 1. Juli 1858 wurde es allmählich das allgemeine
Landesgewicht für die damaligen Staaten des Deut-
fchen Zollvereins sowie auch das Handelsgewicht für
die FreienStädte (zuletzt 1861 für Lübeck); nurBayern
bebielt fein bisheriges, mit dem österreichischen über-
einstimmendes Handelsgewicht (den C. ^ 561<^) bei.
In Bezug auf die Unterabteilung des Pfundes (s. d.)
gelangte man indes damals nicht zu vollständiger
Einheit. Nach Gründung des Norddeutschen Bun-
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