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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Centralisation
sich von ihm teils als nicht sehr hohes Tafelland,
teils als wellenförmiges, hin und wieder von Hü-
gelketten unterbrochenes Land gegen N. nach dem
Ganges zu erstreckt. Dasselbe wird von den Flüs-
sen Tschambal, Sind, Betowa, Ken und Schon be-
wässert, welche, sämtlich in nördl. Richtung strö-
mend, sich entweder in die Dschamna oder den Gan-
ges ergießen. Mit Bezug auf die Erzeugnisse aus
dem Pflanzenreiche stimmt C. im allgemeinen mit
den Centralprovinzcn (s. d.) übercin. Die Fauna
ist die specifisch indische. Der Boden ist im all-
gemeinen fruchtbar, seine Kultur läßt aber in den
meisten Gegenden noch viel zu wünschen und sein
Ertrag ist noch lange nicht der, der er sein könnte.
Besonders zu erwähnen ist die Anpflanzung des
Mohns zum Zwecke der Gewinnung von Opium in
mehrern Distrikten, wie namentlich in West-Malwa
(s. Malwa). Auch der Handelsverkehr ist verhältnis-
mäßig noch unbedeutend. Von Eisenbahnen er-
strecken sich die zwischen Agra und Bombay ver-
laufenden durch den westl. Teil und die zwischen
Allahabad und Bombay durch den östlichsten Teil.
Bevölkerung. Die Gesamtbevölkerung beläuft
sich 1891 auf 10 318 812 E., d. i. 52 auf 1 <ikin;
darunter 7 735216 Hindu, 568610 Mohammedaner,
1916 209 AngehörigeunkultivierterStämme, 89981
Dsckain, 5999 Christen, 1825 Sikh, 837 Parßi, 72IZ-
raeliten. Die Zunahme gegen 1881 beträgt 931693.
C. zerfällt in 9 Unteragentschaften, nämlich die
Residentschaft (I^68iä6ucx) Indaur, die Agent-
schaften Gwaliar, Bhopal, Vundelkhand, Vagal-
khand, West-Malwa, Vhil oder Vhopawar, De-
puty-Vhil und Guna, enthält aber, einen kleinen,
direkt unter der engl. Regierung stehenden Distrikt
ausgenommen, ausschließlich den nach Umfang und
Einwohnerzahl äußerst verschiedenen Landbesitz einer
beträchtlichen Anzahl eingeborener Fürsten, die sich
zu der engl. Regierung in sehr voneinander abwei-
chenden Verhältnissen von Machtstellung, Vasallen-
schaft, Lehns- und Tributpflichtigst befinden. Die
größern oder kleinern Reiche, Staaten oder Län-
dereien derfelben sind aber meistens, wenn auch der
Name derselbe ist, nicht ganz übereinstimmend mit
den Unteragentschaften von C., sondern, in Stücke
zerteilt, in mehrern derselben gelegen.
Die mächtigsten und wichtigsten unter diesen ein-
geborenen Fürsten sind folgende: 1) der Maha-
radscka Sindhia von Gwaliar (s. d.); 2) der Ma-
haradscha Holkar von Indaur (s. d.); 3) der Fürst
von Dhar, das 4506 cilcm Areal, eine Bevölkerung
von (1891) 151877 Seelen und 1518154 M. Iah-
reseinkünfte besitzt; 4) die 2 Fürsten von Dewas
(749 ykm mit 138662 E. und 868252 M. Jahres-
cinkünften). Diese 4 Herrscherfamilien sind Mah-
ratten; 5) der Schah von Vhopal <s.d.), dem wich-
tigsten Mohammed. Staat in C.; 6) der Nawwab
von Dschaora (1506 hwn, 1881: 124163 E. und
1 632926 M. Revenuen), nach dem von Vhopal der
mächtigste Mohammed. Herrscher in C.; 7) eine
beträchtliche Anzahl kleiner Radschputenchefs, die
von den Mahratten, als diese im 18. Jahrh, ihre
große welthistor. Rolle in C. zu spielen begannen,
unterworfen und zinsbar gemacht waren, deren Ver-
bältnisse aber, nach Unterdrückung der Macht der
Mahratten durch die engl. Regierung 1818, von
dieser neu geordnet und festgestellt wurden. Von
ihnen befinden sich in West-Malwa 21 sog. Thakur,
welche an den Sindhia oder an den Sindhia und
den Holkar zugleich, und 5, die auch an die Fürsten
von Dewas Tribut zahlen. Der wicktigste von
ihnen ist der Thakur von Ratlam, dessen Areal
1888 hkm mit einer Bevölkerung von 87 314 See-
len und einer Jahreseinnahme von 2 655 829 M.
beträgt; 8) 14 Häuptlinge inBhopawar oder der
Agentschaft der Bhil, von denen 4 keinen Tribut
zahlen, die übrigen aber an Sindhia oder an den
Chef von Dhar, oder an beide; 8 Häuptlinge zahlen
an Gwaliar, 9 gehören unter Manpur, 14 an In-
daur und 24 unter Bhopal und entrichten Tribut
an den Holkar, an den Sindhia, an Dhar, Dewas
oder Bhopal. Einige wenige stehen unmittelbar
unter der engl. Regierung.
Alles in allem befinden sich 90 dieser kleinen, an
Gwaliar, Indaur, Vhopal u. s. w. tributären Fürsten
oder Häuptlinge in dem westl. Teile von C. In dem
östlichen, von den Agentschaften Bundelkhand und
Bagalthand gebildeten Teile von C. sind von einer
Anzahl von Vasallenstaaten der engl. Regierung die
größten und mächtigsten: in Vundelkhand der Staat
UrtschaodcrTihri mit einem Areal von 5218 H^in,
einer Bevölkerung von (1891) 325 827 Seelen und
einer Revenue von 1226 000 M. Noch bedeutender
als dieser Staat ist der des Maharadscha von Rewal
in Vagalkhand mit 26 275 (ikm, 1305124 E. und
2 273 040 M. Einkünfte. Außer diesen beiden
Vasallenstaaten sind noch zu erwähnen der des
Radscha von Datia (2167 ykm und 1891: 182598
E.) und der des Radscha von Samthar (450 hkm
und 38633 E.), sowie der des Maharadscha von
Puna. Außer diesen liegen in der Agentschaft
Vundelkhand noch 32 kleine, Tribut an England
zahlende Vasallenstaaten mit einem Gesamtareal
von 16 500<i1iin und einer Bevölkerung, die bei den
einzelnen von 2500-120000 Seelen abweicht. Acht
dieser Häuptlinge stammen von Tschatar-Sal, dem
Gründer der Bundela-Herrschaft ab, und nur einer,
der Nawwab von Vaoni (303 hkin und 17055 E.),
ist ein Mohammedaner.
C. ist vor andern Provinzen der Sitz altind. Kultur
gewesen. An dem Fürstenhofe zu Udfchain lebte
der Dichter der Sakuntala, Kalidasa; einige Jahr-
hunderte später errichtete der Astronom Dschai-
Singh sein Observatorium daselbst. Diese Kultur
ist aber längst untergegangen und C. während der
letzten Jahrhunderte der Schauplatz von Krieg und
Verwüstung nach allen Richtungen gewesen. Haupt-
sächlich geschah dieses im 18. Jahrh, durch das
Entstehen des Reichs der Mahratten und seine zu-
nehmende Macht. Hierzu kamen noch die Raub-
und Mordzüge der Pindari. Der Krieg der Englän-
der gegen die letztern 1817 war ein Krieg derOrdnung
gegen Unordnung und Anarchie. Durch Sir John
Malcolm wurde 1817-21 Ruhe und Sicherheit in
allen Teilen des Landes hergestellt.
Centralisation (lat.), in polit. Hinsicht das-
jenige System der Staatsverwaltung, bei welchem die
einzelnen staatlichen Funktionen von einem Central-
punkte abhängen, von dort aus geleitet und bestimmt
werden. Den Gegensatz zur C. bildet die Decen-
tralisation (s. d.), welche für die einzelnen Auf-
gaben im Staatsganzen eine möglichst große Selb-
ständigkeit in Anspruch nimmt. Die staatlichen
Funktionen können in weitem Umfange decentrali-
siert sein: die Rechtsbildung, wenn innerbalb des
Staates Verbände mit Autonomie zugelassen sind
(Gemeinden, Kirchen); die Verwaltung, wenn die
Staatsfunktionen Selbstverwaltungskörpern zur Er-
ledigung überwiesen sind (s. Selbstverwaltung); da-
Artikel, die mau unter C vermißt, siud uuter K aufzusuchen.