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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cessionar - Cesti
sionar) verweisen zu lassen braucht. Und der Ces-
sionar kann die abgetretene Kaufpreisforderung
u. s. w. nur einziehen, wenn der Verkäufer die Ware
geliefert hat oder der Cessionar bereit ist, sie statt
des Verkäufers zu liefern. Forderungen, welche
eine nickt übertragbare Eigenschaft des Gläubi-
gers voraussetzen, wie z. B. laufende Alimente,
können nicht cediert werden.
Die C. erfolgt ohne Zustimmung des Schuld-
ners und ist auch gegen dessen Willen wirksam,
wenn nicht bei Begründung der Forderung Un-
übertragbarkeit bedungen ist. Doch soll solche Ab-
rede nach dem Deutschen Entwurf §. 295 gegen
Dritte nicht wirksam sein.
Die C. erfolgt freiwillig durch Erklärung des
Cedenten, oder durch Überweisung des Richters an
eine kraft des Gesetzes hierzu berechtigte Behörde
im Wege der Zwangsvollstreckung. Kraft Gesetzes
geht nach Preuß. Allg. Landr. I, 16, §. 46 die For-
derung des Gläubigers auf den Dritten über, wenn
dieser "statt des Schuldners Geld zahlt: nach Sächs.
Bürgerl. Gesetzb. §. 955 geht jede Forderung auf
den Dritten, welcher den Gläubiger an Stelle des
Schuldners befriedigt, über, wenn sich der Dritte
vor oder bei Befriedigung die Abtretung der For-
derung ausbedungen hat. über da^ franz. Recht
s. Subrogation. Nack Ostcrr. Bürgerl. Gesetzb.
ß. 1422 ist der Gläubiger nur zur C. verpflichtet,
wenn der Dritte mit Bewilligung des Schuldners
zahlt, über die Überweisung von Forderungen
durch Zwangsvollstreckung s. d.
Die freiwillige (5. durch Rechtsgeschäft erfolgt
durch Erklärung des Cedenten und Annahme des
Cessionars; zur Wirkung gegen den Schuldner und
gegen Dritte ist nach franz. Recht noch Signisikation
an den Sckuldner erforderlich. Die Annahme des
Cessionars braucht nicht in demselben Akt zu er-
folgen, mit welchem die C. erklärt wird, und sie kann
, formlos geschehen. Auch die C. kann formlos er-
klärt werden, nach Preuh. Allg. Landr. 1, 5, §. 131;
nach II, ß. 394 aber, wenn die Forderung ver-
brieft ist oder bei Beträgen über 150 M. nur schrift-
lich; das ist durch Art. 317 des Deutschen Handels-
gesetzbuchs beseitigt, wenn die C. ein Handels-
geschäft ist, also im Zweifel bei jeder C. eines Kauf-
manns (Art. 274). Die ccdierte Hypothek geht nach
Sacks. Vürgerl. Gesetzb. §. 438 "in Beziehung auf
Dritte und den Schuldner nur über, wenn die Um-
schreibung im Grund- und Hypothekenbuck erfolgt
ist, anders in Preußen; die preuß. Grundschuld
geht auf den Cefsionar nicht über, wenn der Grund-
schuldbrief nicht ausgehändigt ist.
Die Erklärung der C. kann sich in einem Akt auf
eine ganze Anzahl von Forderungen beziehen, z. B.
die sämtlichen Aktiva (s. d.) eines Handelsgeschäfts.
Teilbare Forderungen, namentlich Geldforderun-
gen, tonnen auch zu einem Teile, zu verschiedenen
Teilen an verschiedene Personen abgetreten werden.
Werden so Hypothetfovderungen cediert, so kann
der Teilcessionar die Bildung eines Zweigdokuments
fordern. 1u dianeo, d. h. ohne Benennung der
Perfon des Cessionars, kann die preuh. Grund-
schuld und die Mecklenburger Hypothek abgetreten
werden; der Inbaber kann seinen Namen einschrei-
ben. Im übrigen ist die C. ein Formalakt, d. h.
sie gilt, auch wenn die (^ii8a (s. d.), also ob die For-
derung verkauft und die Valuta bezahlt ist, ob die
Forderung geschenkt, als Mitgift gegeben, ob an
Zahlungsstatt, zur Sicherheit u. s. w. abgetreten ist,
nicht erklärt wurde. Nur begründet der Mangel
einer gültigen (^1133. ein Rückforderungsrecht des
Ccdenten gegen den Cefsionar, aber nicht, wenn
dieser weiter cediert hat, gegen dessen Rechtsnach-
folger. Der Ccssionar wird Eigentümer der For-
derung, sodaß er dieselbe weiter cedieren darf.
Mit der C. gehen die Nebenrechte der Forderung,
z. B. aus einer Bürgschaft, Pfandbestellung, auf
den Cefsionar über, auch wenn dies nicht besonders
ausgemacht ist. Die Hypothek kann nicht ohne die
persönliche Forderung abgetreten werden, für welche
sie bestellt ist; wird eine Grundschuld ohne die per-
sönliche Forderung abgetreten, so geht letztere unter.
Der Cedent ist verpflichtet, dem Ccssionar die
Auskünfte zu erteilen, welche die Einziehung der
Forderung sichert, die Beweismittel an die Hand
zu geben, die sich auf die Forderungen beziehenden
Urtunden auszuhändigen. Er haftet bei freiwilliger
C. für die Verität, d. h. daß die Forderung besteht,
wenn er nicht bei der Abtretung diese Haftung ohne
Arglist abgelehnt hat. Ob der Cedent auch für die
Bonität haftet, d. h. daß der Schuldner zahlungsfähig
sei, richtet sich nach der Oausa der C. Bei einer zah-
lungshalber erfolgten C. kann der Cefsionar, welcher
seine Befriedigung nicht erlangt hat, auf seine For-
derung gegen den Ccdenten zurückgreifen, wenn ihn
nicht der Vorwurf der Säumigkeit in Einziehung der
abgetretenen Forderung trifft. Hat der Cedent die-
selbe Forderung an verschiedene Personen hinter-
einander abgetreten, so ist, solange der Schuldner
nicht in gutem Glauben an einen derselben gezahlt
hat, streitig, ob der ältere Cessionar den jüugern
ausschließt, oder der, welcher zuerst dem Schuldner
Nachricht von der C. gegeben hat. Für das preuß.
Reckt wird das erstere behauptet; natürlich ver-
bleiben dem Benachteiligten seine Ansprüche an den
Cedenten, und der Schuldner darf, wenn er von
mehrern Cessionaren auf dieselbe Schuld belangt
wird, sich durch Hinterlegung von seiner Schuld
befreien (Deutsche Civilprozeßordn. §. 72).
Der Schuldner kann so lange seine Schuld an
den ursprünglichen Gläubiger zahlen und kompen-
sable Gegenforderungen erwerben, als ihm die C.
nicht denunziert, d. h. bekannt gemacht ist. Die Be-
kanntmachung kann durch den Cedenten oder den
Cefsionar oder das Gericht erfolgen, nach Preuß.
Allg. Landrecht muß aber der Cessionar die C. dem
Schuldner urkundlich binnen 3 Tagen nachweisen.
Hat der Schuldner den Cessionar als seinen Gläu-
biger anerkannt, so wird er mit Einreden aus der
Person des Cedenten, welche ihm sonst bei abge-
tretenen persönlichen Forderungen zustehen, nicht
mehr gehört. j> Cession.
Cessionar (lat.), der, dem etwas cediert wird,
vesslon üo blvQ" (frz., spr. ßessiöng de biäng),
s. (^68810 I)0Qui'uiu. ^bedeutet.
v'sst-a.-äirs (frz., spr. ßätadihr), das heißt, da,5
Cesti (spr. tsche-), Marc' Antonio, ital. Komponist,
geb. um 1620 zu Florenz, wurde von Carissimi in
Rom gebildet. Nachdem er verschiedene musikalisch-
kirchliche Amter in Italien bekleidet hatte, berief ihn
Kaiser Leopold 1. als Kapellmeister nach Wien. Er
starb wahrscheinlich 1669 in Venedig, wo feine
meisten Stücke zur Aufführung gelangten. C. war
neben Cavalli der bedeutendste Opernkomponist,
sein tt?0iu0 ä'Oro" (Wien 1656) und "I^ I)oi-i"
(1661) die berühmtesten Opern seiner Zeit. Die
Hofbibliothek in Wien besitzt die größte Anzahl von
Handschriften C.scher Opern.
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.