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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ceuta; Ceutorhynchus; Ceva; Ceva (Tommaso); Cevadin; Cevallos

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Ceuta – Cevallos

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Ceulen (Ludolf von)'

cimalstellen. Die so gefundene Zahl 3,1415... ward nach ihm die Ludolfsche Zahl (s. d.) genannt. C. schrieb: «Van den Circkel» (Delft 1596), «De arithmetische en geometrische fondamenten» (Leid. 1616).

Ceuta (Situationsplan)
Karte: Ceuta (Situationsplan)

Céūta, lat. Septa, maurisch Sebta, befestigte span. Stadt an der Nordküste Afrikas, in Marokko, liegt am östl. Ausgange der Straße von Gibraltar auf einer gegen ONO. in der Punta de la Almina auslaufenden Landzunge, am Fuße des mit einem Kastell gekrönten, 194m hohen Berges Acho. (S. beistehenden Plan.) C. gehört offiziell zur span. Provinz Cadiz, ist Sitz eines Bischofs und der bedeutendste der vier span. Straforte oder Presidios (s. d.) an dieser Küste, hat einen ältern und einen neuen Stadtteil, reinliche Straßen zwischen weiß angestrichenen Häusern, eine geschmacklose Kathedrale, auf dem Hauptplatze eine Kirche (früher Moschee), einen kleinen und schlechten Hafen mit zwei Molen und Leuchtturm und (1887) 10744 (7036 männl., 3708 weibl.) E., ein Gemisch von Spaniern, Mauren, Negern, Mulatten und Israeliten. Obwohl C. Freihafen ist, ist der Verkehr unbedeutend; die Moslem meiden die christl. Stadt, deren Bewohner das Innere des Landes nicht betreten dürfen. Am Fuße des Berges von C. (Abyla), der mit dem gegenüberliegenden Gibraltarfelsen (Calpe) die Herculessäulen der Alten bildete, lagen die röm. Kolonien Ad Abylam und Ad Septem Fratres; von letzterer hat C. seinen Namen (Septa). 534 wurde Septa oder Septum von Justinian den Vandalen entrissen und neu befestigt. Es fiel 618 an die Westgoten, und mit einem westgot. Statthalter, Grafen Julian von C., schloß der arab. Feldherr Musa den Vertrag zur Eroberung Spaniens, die er 711 ausführte. Unter der arab. Herrschaft war C. eine industrielle Stadt, wo von einem Araber die erste Papierfabrik des Occidents und die erste Baumwollpflanzung angelegt wurde, und Mittelpunkt der Wissenschaften und Künste. C. wurde 1084 von den Almoraviden, 1273 von den Moriniden und 21. Aug. 1415 von den Portugiesen unter Johann I. und dem Infanten Heinrich dem Seefahrer erobert, damals die bedeutendste Stadt Mauretaniens, Hauptstapelplatz und Zollstätte. Mit Portugal gelangte C. 1580 an Spanien und verfiel seit 1640. Vergebens wurde C. von seiten Marokkos 1694–1727 und unter der Führung des Renegaten Ripperda 1732 belagert. Am 23. März 1810 wurde die Stadt auf eine kurze Zeit den Engländern eingeräumt. Durch den Frieden von Tetuan 26. April 1860 wurde das zur ↔ Jurisdiktion C.s gehörige Gebiet bedeutend erweitert. Die Errichtung eines starken Waffenplatzes in C. hat engl. Einfluß bisher verhindert.

Ceutorhynchus, s. Verborgenrüßler.

Ceva (spr. tschewa), Stadt im Kreis Mondovì der ital. Provinz Cuneo, in 308 m Höhe, am Tanaro und an den Linien Savona-Bra-Carmagnola und C.-Ormea des Mittelmeernetzes, hat (1881) 2172, als Gemeinde 5338 E., ein altes Kastell, in dem 1731 die Gemahlin Victor Amadeus' I. von dessen Nachfolger Karl Emanuel eingekerkert wurde; Seidenspinnerei, Töpferei, Eisenwarenfabrikation und Käsebereitung (Rubiola). – C., Hauptort eines Marquisats unter der Familie Vasto, wurde, an Piemont gekommen, im 16. und 17. Jahrh. von den Herzögen von Savoyen befestigt und von den Franzosen und Spaniern mehrmals erobert. Am 17. April 1796 nahm es Augereau ein; vom 24. bis 31. Mai 1799 wurde C. von Grouchy vergeblich belagert, 1800 aber von den Franzosen eingenommen.

Ceva (spr. tschewa), Tommaso, ital. Mathematiker und Dichter, geb. 20. Dez. 1648 zu Mailand, trat 1663 in den Jesuitenorden und lehrte in mehrern Kollegien desselben bis an seinen Tod, 3. Febr. 1736. Sein lat. Gedicht «Puer Jesus» in neun Büchern (hg. von Broxner, Dillingen 1842; verdeutscht u.a. von Müller, Magdeb. 1822), das er selbst eher für ein komisches Heldengedicht als für ein wahres episches Gedicht angesehen wissen wollte, beweist, daß er nicht bloß Verskünstler, sondern wahrer Dichter war. Durch die Abhandlung «De natura gravium» (Mail. 1669) verbreitete C. zuerst in Italien die Newtonsche Gravitationslehre. In seinen «Opuscula mathematica» (Mail. 1699) lieferte er mehrere Untersuchungen, z.B. über die Teilung des Winkels; auch erfand er ein Instrument zur Trisektion des Winkels. C. schrieb auch eine Biographie des ital. Dichters Lemene (Mail. 1706).

Cevadīn, s. Veratrin.

Cevallos (spr. -walljos), Pedro, span. Minister, geb. 1761 zu Santander, studierte zu Valladolid und begann seine diplomat. Laufbahn als Gesandtschaftssekretär zu Lissabon. Hier vermählte er sich mit einer Nichte des Friedensfürsten Godoy und wurde dann Minister der auswärtigen Angelegenheiten, in welcher Stellung er, im Sinne Godoys, Versöhnung und Ausgleichung mit dem Papste und mit der span. Geistlichkeit herbeizuführen suchte. Als Napoleon sich in die span. Angelegenheiten zu mischen begann, trat er auf die Seite des Kronprinzen Ferdinand, war aber kurzsichtig genug, demselben zu der Reise nach Bayonne zu raten. Nachdem er kurze Zeit das Ministerium des Auswärtigen in dem Kabinett Urquijo übernommen hatte, vereinigte er sich mit der span. Junta, in deren Angelegenheiten er nach London ging. Hier schrieb er 1808 seine berühmte Schrift über die Verhältnisse Spaniens, besonders über die Verhandlungen zu Bayonne, «Exposition des faits et des trames, qui ont préparé l'occupation de la couronne d'Espagne, et des moyens dont l'empereur des Français s'est servi pour la réaliser» (Madr. 1808). Während der Dauer des span. Befreiungskrieges bekleidete C. die wichtigsten Stellen, und auch nach der Rückkehr

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