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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Chasan - Chasidim
des Hafendamms von Messina. Bei ruhigem Meere
bietet dieser Wirbel jetzt keine Gefahr. Der sprich-
wörtlich gewordene Vers "Inoiäit in 8oMain yui
vult vitg.i-6 (Har^däim" ("Es stürzt in die Skylla,
wer die C. vermeiden will") findet sich bei keinem
klassischen Schriftsteller, sondern ist einem Verse aus
der "Alerandre'is" des Philippe Gaulthicr (um 1180
n. Chr.) nachgebildet. Dort lautet der Vers: "Iu-
oiäis iu 3eMg,iu, cupioQL vitare Okki^däiin" ("Du
stürzest in die Skylla, während du die C. zu ver-
meiden wünschest").
Chafan (hebr.), ursprünglich Aufseher; seit dem
Mittelalter bei den Juden Vorbeter.
Ghasären, ein westtürk. Stamm, der bei den
griech. und lat. Schriftstellern des Mittelalters als
Katziri,Akahiri,Akatiri erscheint. Zur Zeit der
Völkerwanderung wohnten sie am Ural; seit dem
7. Jahrh, wurden sie weiter südlich in die Gebiete
des Kaukasus vorgeschoben, wo sie mit den herauf-
drängenden Mohammedanern um den Besitz von
Derbent, Georgien, Armenien und dernordwestpers.
Grenzländer kämpften. Seit dem 8. Jahrh, befestig-
ten sie gegen die Goten ihre Macht in der Krim; ihr
Fürst (Chaaan) Bulan trat im 8. Jahrh, mit einem
Teile des Volks zum Judentum über. Ihr jüd.
Glaube hat im 10. Jahrh, den mit Unrecht verdäch-
tigten Briefwechsel des span. Juden Chasdai den
Isaak und des Chasarenkönigs Joseph ibn Ahron
veranlaßt (von Joh. Buxtorf mit dem Buch "Co-
sari", und neuerdings von Harkavy herausgegeben).
Das Reich der C. erstreckte sich von der Emba
zum Dnjepr und Bug; es reichte vom Kaspischen
Meer, welches nach ihnen bei den Arabern das Meer
von Chasar (Bahr Khazar) hieß, dann vom Pontus
und den nördl. Abhängen des Kaukasus um Der-
bent, wo es an die mohammed. Besitzungen grenzte,
bis zur mittlern Wolga, zum Quellgebiet des Donez
und über Kiew hinaus zur Oka. Die slaw. Stämme
der Poljanen, Sewerjanen, Nadimitschen und Wja-
titschen waren ihnen tributpflichtig. Ihre alte Haupt-
stadt Balandshar (Belendsher) lag bei dem
jetzigen Astrachan, unweit der Mündung der Wolga
oder des Itil. Um 835 wurde eine neue Festung er-
baut, Sarkel, d.i. Weihes Haus (russ. LMo^68ii3.,
d. i. Weißturm), genannt, welche den C. als Grenz-
festung gegen die Petschenegen diente, aber schon um
1300 in Trümmern lag. Nach dem 1.850 kamen die
Brüder Cyrillus (s. d.) und Methodius zu den C. und
bekehrten einen Teil derselben zum Christentum.
Swjatoslaw besiegte 965 die Wjatitschen, die in den
heutigen Kreisen Kaluga, Tula und Orel sahen und
noch immer den C. Zins entrichteten, schlug dann
diese selbst und eroberte ihre Festung Sarkel. Die
normann. Dynastie der Russen eroberte damals alle
chasar. Gebiete an dem östl. Gestade vom Asow-
schen Meere und von der Bucht von Taman; der
letzte Rest in der Krim unterlag 1016. Ungenau
kommt bei kirchlichen Schriftstellern der Name C. noch
bis in das fpäte Mittelalter vor zur Bezeichnung
der Bewohner der Krim und der Anwohner des
Kaspischen und des Schwarzen Meers; sicherer sind
die Spuren, die sich von der Chasarenherrschaft in
einzelnen russ. Ortsnamen, die mit dem Namen
Chasar zusammengesetzt sind, erhalten haben. -
Vgl. Frähn, 1)6 tHaZariZ. Nxo6lZ)tH äs seripto-
ridus ai-adici8 (Petersb. 1821), und desselben Idu
5d82lHii(ebd. 1823); Neumann, Die Völker des südl.
Ruhland (Lpz. 1847); Cassel, Magyar. Altertümer
(Berl. 1848).- Vivien de Samt-Martin, 3ui- 168
Xka8kl8 (in den Mouvkile" ^nukl68 ä6 Vo^kZOZ",
1851); Chwolson, Idn I)k8tg. (in russ. Sprache, Pe-
tersb. 1869); Röster, Roman. Studien (Lpz. 1871).'
Dorn, 0H8piH (Petersb. 1876); Harkawy, Mittei-
lungen über die C. (in der "Russischen Revue", ebd.
1875 u. 1877); Wsewolod Miller, Materialien zur
Erlernung der Sprache der Tat. Einleitung (russisch,
Petersb. 1892).
Chase (spr. tschehs'), Salmon Portland, nord-
amerik. Politiker, geb. 13. Jan. 1808 zu Cornish im
Staate Neuhampshire, wurde Advokat in Cincin-
nati, wo er sich ein Verdienst durch die Sammlung
und Kommentierung der Statuten des Staates Ohio
erwarb und einen Ruf als einer der beredtesten Vor-
kämpfer für die freiheitliche Auslegung der Ver-
fassung speciell in der Sklavereifrage erlangte. So
wurde er ein Vorläufer und Begründer der spätern
republikanischenPartei. 1851 wurde er zum Senator
der Vereinigten Staaten, dann 1855 und wieder
1857 zum Gouverneur des Staates Ohio gewählt.
Lincoln ernannte ihn 1861 zum Finanz minister; da
aber seine Operationen nicht glücklich waren und
er auch keine ausreichende Unterstützung im Kongreß
fand, fo trat er 30. Juli 1864 von seiner Stellung
zurück, worauf Lincoln ihn Anfang Dez. 1864 zum
obersten Richter des höchsten Gerichtshofs der Ver-
einigten Staaten ernannte. Sein Versuch, bei der
Präsidentenwahl von 1868 die Stimmen der Demo-
kraten zu erhalten, schlug fehl. Seitdem war C. poli-
tisch ohne Bedeutung, stand aber als Jurist in großem
Ansehen. Er starb 7. Mai 1873 ber einem Besuche
in Neuyork. - Vgl. I. W. Schucker, 1.il6 anä
pudlie 86rvio68 ok 8. ?. (H3.86 (Neuyork 1874).
Chase (spr. tschehs'), William, amerik. Maler,
geb. 1. Nov. 1849 zu Franklin Township in In-
diana, besuchte 1869 die Akademie zu Neuyork und
1872 die zu München, wo er Schüler Pilotys
wurde. Nachdem er noch ein Jahr zu Venedig ver-
lebt, kehrte er 1878 nach Neuyork zurück. C. ist
hauptsächlich Porträt- und Genremaler. Zu seinen
besten Bildern gehören: die Porträte der Kinder
seines Lehrers Piloty, Der venet. Fischmarkt, Die
vornehme Witwe, Der zerbrochene Krug, Der Narr
(s. Tafel: Amerikanische Kunst 11, Fig.5), Der
verwundete Wilddieb, das Porträt des Malers
Duveneck (1883).
Chasidim (d. i. die Frommen), eine neue israel.
Sekte, deren Ursprung auf Israel aus Podolien,
gewötmlich Baal-Schem (Wunderthäter), abge-
kürzt Vescht genannt (um 1750), zurückgeführt wird.
Verzückungen und angebliche Visionen verschafften
ibm den Ruf eines Wundermannes, eines Vertrauten
Gottes, und führten ihm eine große Anzahl Anhän-
ger zu. Gleich den ältern Kabbalisten trat er feindselig
und spöttelnd gegen den Talmud auf, unterschied sich
aber von ihnen dadurch, daß er nicht ein düsteres,
ascetisches Leben, sondern Fröhlichkeit und Lebens-
genuß als Kriterien eines gottgefälligen Daseins
bezeichnete. Das Gebet besonders müsse aus einer
gehobenen Stimmung hervorgehen. Eine solche
pflegte dann auch auf eine ziemlich rohe Weise er-
zeugt zu werden, durch Genuß geistiger Getränke,
Springen, Händeklatschen, Lärmen und Schreien.
Zu diesem Gebetskultus traten noch Waschungen
nach Weise der alten Essäer und eigentümliche Klei-
dung. Die Nachfolger Veschts gaben sich den An-
schein eines Verkehrs mit himmlischen Kräften, führ-
ten Wunderkuren aus, liehen durch ihre Anhänger
die abenteuerlichsten Berichte über ihre Wunderkraft
Artikel, die man unter E vermißt, sind unter H aufzusuchen.