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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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China (Verkehrswesen)

Tschin-kiang (in Kiang-su) nach Peking, von Hankou nach Peking, von Peking nach der Mandschurei und nach der Provinz Kan-su zu übernehmen und die Herstellung anschließender Nebenbahnen Privatgesellschaften zu übertragen, obschon diese Bahnen für die Verteidigung des Landes und zur Abwehr von Hungersnöten unentbehrlich sind. Nur eine Kohlenbahn (11 km) für die Ausbeutung der Kohlenlager bei Tang-schan (Provinz Pe-tschi-li) wurde einem engl. Unternehmer genehmigt und 1880 eröffnet. 1886 wurde diese Linie von der Chinesischen Eisenbahngesellschaft übernommen, dem öffentlichen Verkehr zugänglich gemacht und weiter geführt. Die Strecke Tang-schan-Jen-kwang (37,6 km) heißt Kai-ping-Bahn, die westl. Verlängerung über Ta-ku nach Tien-tsin (77,5 km), deren Teilstrecken bis Lu-tai im Mai 1887, bis Ta-ku bez. Tang-ku im Okt. 1888 und bis Tien-tsin im Nov. 1888 eröffnet wurden, heißt Tien-tsin-Ta-ku-Bahn. Die Verbindung mit der Kai-ping-Bahn wurde im Dez. 1888 fertiggestellt, und die östl. Verlängerung von Tang-schan nach Kai-ping (8,86 km) unter dem Namen "Neue Kai-ping-Bahn" im Dez. 1889 eröffnet. Hiermit war die erste größere Eisenbahn mit 11 Stationen vollendet und ein wichtiger Schritt zur weitern Entwicklung des Eisenbahnbaues gethan. Die der Gesellschaft Ende 1888 erteilte Genehmigung zum Weiterbau der Bahn in der Richtung auf Peking wurde zwar später wieder zurückgezogen, indes ist die östl. Verlängerung von Kai-ping aus vorläufig bis zur Hafenstadt Schan-hai-kwan am Endpunkte der großen chines. Mauer genehmigt und von Ku-je bis Lwan-tschou (32 km) eröffnet. Auch wird mit Rücksicht auf den Bau der großen Sibirischen Eisenbahn (s. d.) aus strategischen Gründen eine Verlängerung der Linie Kai-ping-Schan-hai-kwan über Niu-tschwang und Mukden vorläufig bis Kirin in der Mandschurei geplant. Neuerdings sind seitens der Regierung jährlich etwa 2 Mill. Taels für Eisenbahnzwecke zur Verfügung gestellt worden, wozu die einzelnen Provinzen beisteuern sollen. Eine chines. Gesellschaft hat inzwischen die Genehmigung zum Bau einer Bahn von Kau-lung (gegenüber Hongkong) nach Kanton (204 km) nachgesucht. Außerdem ist in der Provinz Schan-tung die Herstellung einer schmalspurigen (1 m) Bahn von den Kohlengruben bei Liu-kou nach dem Hafen Hu-tou-je (85 km) an der Südseite des Golfs von Pe-tschi-li geplant. Der Verkehr auf der Bahn Kai-ping-Tien-tsin hat sich lebhaft entwickelt; die chines. Gesellschaft erzielte auf der Kai-ping-Bahn in den ersten Jahren sogar eine Verzinsung des Anlagekapitals (250000 Taels) von 7,2 Proz. Dieses günstige Ergebnis ist nur dadurch erreicht worden, daß alle Reparaturen u. s. w. von den Arbeitern der im Bau befindlichen Tien-tsin-Ta-ku-Bahn besorgt wurden; nach Fertigstellung der letztern, deren Bau infolge des sumpfigen Bodens und der vielen Brückenbauten im Rohbau allein 1,3 Mill. Taels gekostet hat, ergab sich im Betriebsjahre 1888-89 ein Fehlbetrag, obschon der Güterverkehr nicht nachgelassen hatte. Eine Eisenbahnschule, die der Oberstatthalter Li-hung-tschang 1890 in Tien-tsin in Verbindung mit der dereits bestehenden Kriegsschule begründete, ist dazu bestimmt, die nötigen technischen Hilfskräfte für den Eisenbahnbau und -Verkehr heranzubilden.

Der Merkwürdigkeit halber sei noch erwähnt, daß sich im Garten des kaiserl. Palastes zu Peking eine kleine Eisenbahn befindet, auf der drei von dem franz. Syndikat geschenkte Wagen durch Menschenkräfte bewegt werden; auch wird auf einem Exerzierplatz in der Nähe des bei Peking gelegenen Lustschlosses Wan-schou-schan eine Eisenbahn von etwa 5 km Länge gebaut, auf der eine Lokomotive und drei Wagen Verwendung finden sollen. Augenscheinlich sollen diese Anlagen die Vorurteile besiegen helfen, die in C. gegen Eisenbahnen herrschen und die Entwicklung des Eisenbahnnetzes bisher verhindert haben. (S. auch Formosa.)

Post und Telegraph. Unsere Post wird durch die verschiedenen Versandgeschäfte ersetzt, deren Schilder die Richtung angeben, in der sie Sendungen befördern. Unter dem Kriegsministerium stehen die Ti-tang oder Oberpostverwalter für die verschiedenen Provinzen in Peking und den Hauptstädten der letztern. Tausende von Botenämtern sind von Tagereise zu Tagereise über das Land zerstreut, wo die zu benutzenden Pferde bereit stehen. Andere als amtliche Sendungen werden nur ausnahmsweise befördert. In Shang-hai ist neben der engl., der franz., der amerik. und der deutschen Post eine solche für die fremde Gemeinde, welche durch die verschiedenen Gelegenheiten (Küsten- und Stromdampfer u. s. w.) auch Sendungen ins Innere befördert. Auf Formosa hat der Statthalter eine Art Botenpost für den allgemeinen Gebrauch errichtet. - Außer den Kabeln der Eastern-Extension Telegraph Company und der Great-Northern Telegraph Company, welche die Küstenplätze mit Japan, Sibirien und Europa verbinden und den seit 1874 und 1877 bestehenden Telegraphenlinien zwischen Fu-tschou, dem Pagoda-Ankerplatz und dem Arsenal, zwischen Tien-tsin und dem Arsenal und zwischen Tam-sui und Thai-wan giebt es nunmehr lange Telegraphen-Verbindungen im Norden von Port-Arthur auf der Liau-tung-Halbinsel bis nahe an den Amur, oder wahrscheinlich schon bis zum Anschluß an der russ. Grenze mit Abzweigungen nach Korea und Tien-tsin, von Tien-tsin nach Peking und Pao-ting, von Tschi-fu nach Tsi-nan, von Shang-hai nach Han-kou, I-tschang und Tschung-king, von Kanton nach Lung-tschou und Möng-tze, welches wieder über Jün-nan-fu mit Tschung-king in Verbindung steht. Von Wu-tschou geht ein Zweig nach Kwei-lin ab. Formosa und Hai-nan sind mit dem Festland verbunden.

Seit 1881, wo der erste Landtelegraph Shang-hai mit Tien-tsin verband, ist jetzt eine einheimische Telegraphenverwaltung hinzugetreten, welche unter dem Tao-tai von Tschi-fu Schöng steht, dem Lieutenant H. Bohr und H. C. Böjessen, beide Dänen, als Oberverwalter und Oberingenieur beigegeben sind. Bis 1890 waren Strecken von 34900 Li (2,78 = 1 engl. Meile) mit Leitungen und Drähten von 49464 Li Länge versehen, wozu noch die Strecke bis zum Amur (5000 Li) und die im Bau befindliche von Pao-ting-fu bis Kia-jü-kwan (bei Su-tschou) im Nordwesten (4029 Li) kommen. Bis auf etwa 10 Dänen sind die Angestellten Chinesen. Gegen die in den Köpfen der Anwohner spukenden Geister des "Windes und Wassers" (föng-schwei) mußten die Anlagen anfangs gelegentlich durch Truppen geschützt werden.

Im Frühjahr 1890 hatte sich in Kanton eine einheimische Gesellschaft für elektrische Beleuchtung gebildet, und selbst in Peking, wo vor etwa zwei Jahrzehnten die Gasanlage eines reichen Mannes der Südstadt von den Nachbarn mit Erfolg beanstandet worden war, ist das elektrische Licht bis in die Wohnungen kaiserl. Prinzen gedrungen.

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