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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Chlorkalkbäder - Chlornatrium

5-600 kg Salzsäure zugefügt. Die Entwicklung des Chlors beginnt bereits in der Kälte, das Gas entweicht durch das Rohr F und wird in den Absorptionsapparat geleitet. Wenn die freiwillige Entwicklung nachläßt, so erwärmt man die Flüssigkeit, indem man Dampf durch die Röhren E D einbläst.

^[Abb.]

Das zur Absorption des Chlors bestimmte staubtrocken anzuwendende Kalkhydrat wird in aus Mauerwerk ausgeführten, innen mit Teer gestrichenen ventilierbaren Kammern auf dem cementierten Boden etwa 15 cm hoch gleichmäßig ausgebreitet und das Chlorgas hineingeleitet. Man hält den Betrieb am besten so, daß die Kammern zeitig morgens mit Kalkhydrat beschickt werden. Sobald dies geschehen ist, wird die Chlorentwicklung in Gang gesetzt und bis abends beendet. Die Kammer bleibt dann verschlossen nachts stehen bis etwa zwei Stunden vor Beginn der Tagesarbeit, um welche Zeit die Thür geöffnet und gut ventiliert wird. Morgens wird der fertige C. rasch aus der Kammer in einen Vorraum geschafft, wo er mindestens 24 Stunden bis zur völligen Abkühlung liegen bleibt, ehe er verpackt wird. Die geleerte Kammer wird sofort mit frischem Kalkhydrat beschickt. In manchen Fabriken werden die Kammern aus Bleiplatten hergestellt. Bei der Absorption des Chlors durch das Kalkhydrat findet Selbsterwärmung statt, die nicht zu hoch steigen darf, weil sonst das unterchlorigsaure Calcium sich in Chlorcalcium und chlorsaures Salz, zwei technisch wertlose Verbindungen, umwandelt. Die Monate der kältern Jahreszeit sind aus diesem Grunde den Fabrikanten weit günstiger als die Sommerzeit. Wegen der Anwesenheit des Chlorcalcium und des chlorsauren Kalks ist der Wert des C. nicht proportional der Gesamtmenge des darin enthaltenen Chlors, sondern wird bedingt durch die Menge des in der bleichenden Verbindung enthaltenen sog. wirksamen Chlors, dessen Menge bei guter Ware etwa 35 Proz. beträgt und durch analytische Untersuchung (s. Chlorometrie) festzustellen ist. Der C. kommt in Fässern von 300 kg Inhalt in den Handel und kostet 1893 im Großhandel 21 M. für 100 kg. Deutschland, England, Rußland und Amerika verkaufen nach Prozenten wirksamen Chlors, während Frankreich nach sog. Gay-Lussac-Prozenten verkauft; diese geben an, wieviel Liter Chlor bezogen auf 0° und 760 mm Druck von 1 kg C. entwickelt werden (35 Proz. Chlor entsprechen 110-111 Gay-Lussac-Graden).

Chlorkalkbäder, s. Bad (Bd. 2, S. 254a).

Chlorknallgas nennt man das Gemisch gleicher Volumina von Chlorgas und Wasserstoffgas, weil sich dasselbe beim Anzünden oder in hellem Lichte (Sonnenlicht, Magnesiumlicht oder elektrischem Bogenlicht) unter heftiger Explosion in Chlorwasserstoff verwandelt.

Chlorkobalt, s. Kobaltchlorür.

Chlorkohlenoxyd, s. Phosgen.

Chlorkohlensäure, richtiger Chlorameisensäure, eine Säure von der Formel Cl.COOH, die in freiem Zustande nicht beständig ist, von der man aber die Ester kennt. Letztere entstehen neben Salzsäure bei der Einwirkung von Alkoholen auf Phosgen.

^[Liste]

COCl2 + C2H5OH = Cl.O.O.C2H5 + HCl

Phosgen Äthylalkohol Chlorkohlensäureäthylester.

Diese Chlorkohlensäureester sind flüchtige Flüssigkeiten von heftigem Geruch, die sich mit Wasser in Kohlensäure, Salzsäure und Alkohol zersetzen. Das Amid der C., Cl.CO.NH2, wird Harnstoffchlorid genannt und entsteht bei der Einwirkung von Phosgen auf Salmiak:

^[Liste]

COCl2 + NH4Cl = Cl.CO.NH2 + 2 HCl.

Es hat stechenden Geruch, schmilzt bei 50°, siedet bei 61°. Durch Feuchtigkeit wird es rasch zersetzt.

Chlorkohlenstoff, verschiedene Verbindungen, welche nur aus Kohlenstoff und Chlor bestehen. Z. B.: a. Kohlenstofftetrachlorid oder Tetrachlormethan, CCl4, entsteht aus Chloroform und Chlor im Sonnenlicht, oder beim Einleiten von Chlor in siedenden Schwefelkohlenstoff. Es ist eine farblose Flüssigkeit, die bei 77° siedet. Man stellt sie jetzt im Großen dar als Mittel zum Extrahieren von Ölen u. dgl., in welcher Eigenschaft sie die feuergefährlichen Stoffe Benzol, Äther u. a. ersetzt, b. Dicarbonhexachlorür oder Perchloräthan, C2Cl6, durch vollendete Chlorsubstitution aus Äthylenchlorid gewinnbar, bildet kampferartig riechende Krystalle, die bei 181° sieden, nachdem sie kurz vorher geschmolzen sind. Werden seine Dämpfe durch schwach glühende Röhren geleitet, so zerfällt es in Chlorgas und c. Dicarbontetrachlorür oder Perchloräthylen, C2Cl4, ein farbloses, bei 117° siedendes Öl. d. Hexachlorbenzol oder Julins Chlorkohlenstoff, C6Cl6, das letzte Chlorsubstitutionsprodukt des Benzols, bildet sich auch, wenn man Chloroform oder Perchloräthylen durch stark glühende Röhren leitet. Es krystallisiert in farblosen, bei 226° schmelzenden Prismen und siedet bei 326°.

Chlorkupfer, die Verbindung des Chlors mit Kupfer; es bestehen zwei Stufen, Kupferchlorid (s. d.) und Kupferchlorür (s. d.).

Chlormagnesium, s. Magnesiumchlorid.

Chlormangan, s. Manganchlorür.

Chlormetalle, die Verbindungen der Metalle mit Chlor. Chlor verbindet sich mit allen metallischen Elementen teils direkt, teils durch Wechselwirkung ihrer Oxydhydrate oder Oxyde mit Salzsäure. Solche Metalle, die mehrere Oxydationsstufen haben, bilden dem entsprechende Chlorverbindungen, so entspricht z. B. dem Eisenoxydul, FeO, die Chlorverbindung FeCl2, dem Eisenoxyd, Fe2O3, die Chlorverbindung Fe2Cl6 u. s. w. Die den Oxydulen analogen C. bezeichnet man nach Berzelius' Vorgang als Chlorüre, die den Oxyden entsprechenden als Chloride. Die bei weitem meisten C. sind in Wasser lösliche, gut krystallisierbare, manche zerfließliche Salze. Schwer löslich ist das Chlorblei, unlöslich das Chlorsilber und das Quecksilberchlorid. Mit Metalloxyden verbinden sich die meisten C. zu unlöslichen Oxychloriden. Die einzelnen C. sind bei den Metallen ausgeführt, z. B. Chlorbaryum unter Baryumchlorid u. s. w.

Chlormonoxyd, Cl2O, ist das Anhydrid der Unterchlorigen Säure (s. d.).

Chlornatrium, Kochsalz, NaCl, kommt in der Natur weit verbreitet als Steinsalz (s. d.), in wässe- ^[folgende Seite]

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