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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Chlorophyll - Chlorsäure

wickelter sind die Verhältnisse bei Volvox globator L. (Fig. 11), einer in kugeligen Kolonien lebenden Süßwasseralge. Näheres s. unter Volvox. Aus Tafel Algen I, Fig. 12 u. 13 sind noch zwei Habitusbilder von Ulva und Cladophora gegeben; s. hierüber die speciellen Artikel.

Die Characeen oder Armleuchtergewächse sind cylindrische, oft reichverzweigte Algen, an denen sich schon deutlich Blatt und Stamm unterscheiden lassen. Ihre Fortpflanzung erfolgt nur auf geschlechtlichem Wege, sie besitzen kompliziert gebaute Antheridien, in denen zahlreiche lange, die Spermatozoiden enthaltende Fäden (s. Tafel: Algen II, Fig. 16: a, b, c) vorhanden sind, und Carpogonien oder Sporenknospen (Fig. 16 S), die in ihrem Baue etwa den Archegonien der Gefäßkryptogamen ähnlich sind. Habitusbilder in natürlicher Größe mit Antheridien und Carpogonien von Nitella flexilis Ag. und Chara fragilis Desv. finden sich auf Tafel Algen I, Fig. 14 u. 15. Wegen dieser bedeutenden Abweichungen von den übrigen C. betrachtet man häufig die Characeen als eine besondere und zwar als die in der phylogenetischen Entwicklungsreihe am höchsten stehende Gruppe der Algen.

Chlorophyll oder Blattgrün, derjenige Farbstoff, der die grüne Farbe der Pflanzen bedingt. Das C. ist stets an das Protoplasma gebunden, und zwar findet es sich in den allermeisten Fällen, bei höhern Pflanzen ausschließlich, im Inhalte der Zellen auf einzelne Teilchen des Protoplasmas beschränkt, die in der Form von mehr oder weniger abgerundeten Körnern in dem Protoplasmaschlauche liegen; bei einigen Algen ist die Form der vom C. gefärbten Plasmakörper eine andere, es ist hier der Farbstoff an schraubenlinig gewundene Bänder, an sternförmige oder plattenförmige Plasmamassen gebunden, auch kommt es bei den Schwärmsporen einiger Algen vor, daß die ganze nackte Zelle vom C. gefärbt ist, mit Ausnahme einer kleinen Partie, an der die Wimpern ansitzen. Bei fast sämtlichen Pflanzen, die C. besitzen, findet das Ergrünen der Protoplasmakörperchen, wie viele Versuche gelehrt haben, nur bei Beleuchtung statt, und zwar sind alle Strahlen, besonders aber die stärker brechbaren des Spektrums, im stande, ein Ergrünen hervorzurufen. Ebenso ist auch das Vorhandensein von Eisen im Erdboden oder in den Nährstofflösungen, in denen Pflanzen kultiviert werden sollen, unbedingt erforderlich; bei mangelnder Beleuchtung bleiben die Pflanzen gelb, sie etiolieren; bei diesem Vorgänge werden zwar auch bestimmt differenzierte Plasmakörperchen gebildet, aber diese sind nicht grün, sondern durch einen dem C. jedenfalls nahestehenden Farbstoff, das Etiolin (s. d.), gelb gefärbt. Beim Mangel von Eisen unterbleibt die Chlorophyllbildung, die Pflanzen nehmen eine weiße Farbe an, es tritt der Zustand der Chlorose oder Bleichsucht (s. d.) ein. Über die chem. Natur des C. sind zwar zahlreiche Untersuchungen gemacht worden, doch haben diese bisher noch nicht zu endgültigen Ergebnissen geführt. Es ist schwer rein darzustellen, namentlich von den begleitenden Blattfarbstoffen Kyanophyll und Xanthophyll, und überdies äußerst veränderlich. Man kann den grünen Farbstoff extrahieren, am besten in der Weise, daß man grüne Blätter mit Alkohol oder Äther behandelt; man erhält dadurch eine schöne, bei durchfallendem Lichte tiefgrün, bei auffallendem Lichte dunkelrot aussehende Lösung.

Ebensowenig wie über die chem. Natur des C. ist auch über die physiol. Eigenschaften desselben etwas Genaueres bekannt. Es ist zwar schon im 18. Jahrh. unzweifelhaft festgestellt worden, daß nur solche Pflanzen, welche C. führen, im stande sind, aus Kohlensäure und Wasser organische Substanzen zu bilden, aber es ist bis auf den heutigen Tag noch eine vielbesprochene Streitfrage, welche Rolle das C. bei dieser Kohlenassimilation, wie man jenen Prozeß nennt, spielt.

Chlorophyllit, s. Cordierit.

Chlorophyllophyceen, soviel wie Chlorophyceen (s. d.)

Chlorops, s. Halmfliege.

Chlorose (Chlorōsis), s. Bleichsucht.

Chlorospermeen, Chlorosporeen, s. Chlorophyceen.

Chlorospinell, s. Spinell.

Chlorphosphor, s. Phosphorchlorid.

Chlorplatin, Chlorplatinwasserstoffsäure, s. Platinchlorid.

Chlorquecksilber ist die Verbindung des Chlors mit Quecksilber; es bestehen zwei Stufen, Quecksilberchlorid (s. d.) und Quecksilberchlorür.

Chlorräucherung (Fumigatio Chlori), die Verbreitung von Chlorgas zur Zerstörung von schädlichen oder übelriechenden Stoffen, die in der Atmosphäre verbreitet sind. Chlor ist eins der wirksamsten Desinfektionsmittel und wird daher vorteilhaft zur Entgiftung der Atmosphäre solcher Räume verwandt, in welchen Ansteckungsstoffe sich angehäuft haben. Sollen C. sich in dieser Beziehung wirksam erweisen, so genügt es aber nicht, wie es vielfach geschieht, ein weniges, eine nur eben riechbare Menge von Chlor in der Luft zu verbreiten, es muß vielmehr so viel Chlor der Luft beigemischt werden, daß der Aufenthalt in dem Raume für Menschen unmöglich ist, und es muß die Durchräucherung 24 Stunden lang fortgesetzt werden. Geschieht dies nicht, so ist auf einen Erfolg nicht zu rechnen. Metalle entferne man zuvor aus dem Zimmer, da sie vom Chlor stark angegriffen werden. Man führt die C. am besten so aus, daß man auf flache Teller oder Schalen ein paar Pfund Braunstein verteilt, diese mit der fünffachen Menge starker Salzsäure übergießt und sie 24 Stunden lang in dem Raume stehen läßt. Daß während dieser Zeit Thüren und Fenster sorgfältig verschlossen gehalten werden müssen, ist selbstverständlich. Statt der Mischung von Braunstein und Salzsäure kann man Chlorkalk und Salz- oder Schwefelsäure anwenden, doch ist dies weniger empfehlenswert, weil diese zwar rasch eine große Menge von Chlor entwickeln, aber nicht nachhaltig sind. Essig zur Zersetzung des Chlorkalks anzuwenden, wie von manchen Seiten empfohlen, ist durchaus unzweckmäßig, da eine Mischung von Essig und Chlorkalk ganz andere Produkte, aber kein Chlor giebt. (S. Desinfektion.)

Chlorsäure, HClO3, eine nur in wässerigen Lösungen und in Salzen (Chloraten) bekannte Säure; die Chlorate entstehen neben Chloriden beim Einleiten von Chlorgas in heiße Alkalihydratlösung:

6 KOH + 6 Cl = KO.ClO2 + 5 KCl.

Von den Salzen findet das chlorsaure Kalium (s. d.) vielfach Verwendung. Die Salze sind bei den Metallen aufgeführt, z. B. chlorsaures Baryum unter Baryumchlorat. Eine Lösung der C. erhält man durch Zersetzung des Baryumsalzes mit verdünnter Schwefelsäure und Abfiltrieren vom unlöslichen Baryumsulfat; die Lösung wirkt energisch oxydierend; in konzentriertestem Zustande entzündet sie leicht

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]