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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cholerabacillen - Cholesterin

sind, durch Feuer vernichtet, die übrigen durch heiße Dämpfe oder trockne Hitze gehörig desinfiziert werden. Eine anderweitige, nicht minder wichtige Aufgabe der Sanitätspolizei ist die Beruhigung des Publikums und die Bekämpfung der so schädlichen Cholerafurcht durch geeignete Veröffentlichungen.

Was die individuellen Vorsichtsmaßregeln anlangt, so kann sich der Einzelne sehr wohl vor der Krankheit schützen, wenn er beim ersten im Orte eintretenden und wirklich konstatierten Cholerafall sofort in eine entfernte gesunde Gegend reist und nicht eher wieder heimkehrt, als bis die Krankheit völlig erloschen; reist er jedoch zu spät ab, so kann er schon den Cholerakeim in sich aufgenommen haben; kehrt er zu früh zurück, so scheint er, vielleicht durch die umgeänderte Lebensweise, sogar empfänglicher für das Choleragift geworden zu sein. Für diejenigen, welche den infizierten Ort nicht verlassen können oder mögen, verdient die strengste Beobachtung von Mäßigkeit und Vorsicht jeder Art, insbesondere durch Vermeiden von Erkältungen, Diätfehlern und allen Excessen, das meiste Vertrauen. In keiner Weise ändere man seine gewohnte Lebensweise, wenn sie sonst normal und vernünftig ist. Abgesehen davon, daß man jede unnütze Berührung mit Kranken meiden und sich nicht mutwillig durch Benutzung fremder Aborte der Gefahr einer Ansteckung aussetzen soll, vermeide man sorgfältig alles, was erfahrungsgemäß leicht dünnen Stuhlgang bewirkt, zumal schwer verdauliche Speisen sowie saftreiche, durch ihren Wasserreichtum leicht Durchfall erregende Früchte (Pflaumen, Gurken, Melonen). Alle Speisen sowie das Trinkwasser dürfen nur nach gründlichem Kochen genossen werden. Als Getränk wähle man nur abgekochtes Wasser, ein Glas guten Rotwein, Rum oder kräftiges, nicht junges Bier; schlechtes Bier dagegen ist sehr schädlich. Weiterhin ist Warmhalten der Füße und des Leibes durch Flanell und wollene Leibbinden dringend anzuraten. Man wasche sich täglich öfters die Hände und reinige sie insbesondere vor jeder Mahlzeit auf das sorgfältigste mit Wasser und Seife. Wer mit Cholerakranken in Berührung gekommen, wechsele vor der Mahlzeit seine Kleidung und bediene sich zur Reinigung seiner Hände einer Sublimat- oder Carbolsäurelösung. Auch beim leichtesten und anscheinend unverdächtigsten Durchfall schicke man sofort zum Arzte, weil sich eine leichte Diarrhöe leicht in eine Choleradiarrhöe mit nachfolgendem Anfall umwandelt, lege sich zu Bett, trinke einige Tassen heißen schwarzen Kaffee oder Pfefferminzthee und nehme von den "Choleratropfen", die man sich im voraus von seinem Arzte verschreiben lassen muß. Die Behandlung der wirklich ausgebrochenen Krankheit selbst darf indes unbedingt nur Sache des Arztes sein. Gegen den Choleradurchfall erweisen sich Opiumpräparate am wirksamsten, in neuester Zeit wird auch das Kalomel warm empfohlen; ital. Ärzte rühmen Darmeingießungen von lauwarmer Tanninlösung oder auch von desinfizierenden Flüssigkeiten. Die Kranken werden außerdem in warme Tücher eingewickelt, frottiert oder mit warmem Öl eingerieben; auch heiße Bäder sind mitunter nützlich. Gegen den quälenden Durst dienen Eispillen, gegen das Erbrechen und die schmerzhaften Wadenkrämpfe subkutane Morphiumeinspritzungen. Je mehr die Herzthätigkeit sinkt, um so mehr müssen kräftige Reizmittel (Wein, starker Kaffee, eiskalter Champagner, Kampfer- oder Äthereinspritzungen) in Anwendung kommen. Um der drohenden Eindickung des Blutes vorzubeugen, hat man die Einspritzung großer Mengen einer schwachen Kochsalzlösung unter die Haut oder direkt in die Blutadern empfohlen und in vielen Fällen mit Erfolg ausgeführt.

Litteratur. Lebert, Vorträge über die C. (Erlang. 1854); Griesinger, Infektionskrankheiten (ebd. 1864); Pettenkofer, Choleraregulativ (mit Griesinger und Wunderlich, Münch. 1867); ders., Was man gegen die C. thun kann (ebd. 1873); ders., Verbreitungsart der C. in Indien (nebst Atlas, Braunschw. 1871); ders., Über den gegenwärtigen Stand der Cholerafrage (Münch. 1873 u. 1887); ders., Über C. (ebd. l893); Amtliche Denkschrift über die Choleraepidemie 1892 (ebd. 1893); Bellew, Nature, causes etc. of the C. in India 1862-81 (Lond. 1887); Cunningham, Die C. Was kann der Staat thun, sie zu verhüten? (mit Vorwort von Pettenkofer, Braunschw. 1885). Die Arbeiten Kochs über die C. finden sich in der Denkschrift der Cholerakommission für das Deutsche Reich (Berl. 1873), in dem Berichte der Konferenz zur Erörterung der Cholerafrage (ebd. 1884), in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" (Jahrg. 1885) und in den "Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte" (Bd. 3, Berl. 1888).

Cholerabacillen, Choleratyphoid, s. Cholera.

Cholera des Geflügels, s. Hühnercholera.

Choleradistel, s. Xanthium.

Choleraliqueur Abdallah, s. Geheimmittel.

Choleriker, Mensch mit cholerischem Temperament, s. Cholerisch.

Cholerine (grch.-franz.), die leichtern Anfälle von Cholera (s. d.) bei Choleraepidemien.

Cholerisch nannten die Alten dasjenige Temperament (s. d.), bei welchem ihrer Ansicht nach die Galle (grch. cholē) überwog. Im allgemeinen bezeichnet man jetzt als cholerisches (warmblütiges, feuriges) Temperament diejenige Geistes- und Körpereigentümlichkeit, bei welcher Energie (Thatkraft, Ausdauer, Entschlossenheit, Muskelstärke und straffe Körperhaltung), mit leichter Erregbarkeit, aber Stärke und Nachhaltigkeit der Erregungen (Reizbarkeit, Ruhm- und Ehrbegierde u. s. w.) gepaart, in hohem Grade vorhanden ist. Am ausgeprägtesten findet es sich beim männlichen Geschlecht, im mittlern Lebensalter sowie in südl. Gegenden, unter Europäern bei Italienern, Spaniern und Corsen.

Cholestearin, s. Cholesterin.

Cholesteatom (grch.) oder Perlgeschwulst, eine in ihrer Entstehung sehr verschiedenartige, meist erbsengroße, ziemlich harte und langsam wachsende Geschwulst dicht unter der Haut oder im Gehirn und im Knochen (Felsenbein), welche aus einer dünnen Kapsel und einem weihen, stearinähnlich, perlmutterartig glänzenden Inhalt (Fett und Cholestearinkrystallen) besteht und im allgemeinen zu den gutartigen Geschwülsten gehört.

Cholesterin (Cholestearin oder Gallenfett), eine organische Verbindung von der Zusammensetzung C26H42O ^[C<sub>26</sub>H<sub>42</sub>O], die, wie es scheint, ein normaler Bestandteil des Zellprotoplasmas, also aller pflanzlichen und tierischen Gewebe sowie der Milch ist. Reichlich findet es sich z. B. in der Galle und bildet dort oft sog. Gallensteine. Man kann es denselben durch siedenden Alkohol entziehen; es krystallisiert dann beim Erkalten mit 1 Molekül Krystallwasser in farblosen perlmutterglänzenden Blättchen. Es schmilzt bei 145° und destilliert bei etwa 360°. In Wasser ist es unlöslich. Die Lösung in Chloroform

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]