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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Christlieb - Christologie

und rednerisch begadte Geistliche sofort eine "christlich-sociale" Ardeiterpartei zu gründen, welche zwar in geistigem Zusammenhange mit dem "Verein für Socialreform" bleiben, aber sich doch darin von demselben unterscheiden sollte, daß sie sich auf ein abgeschlossenes Programm stellte: Gründung obligatorischer Fachgenossenschaften, Regelung des Lehrlingswesens, gewerbliche Schiedsgerichte, obligatorische Witwen- und Waisen-, Invaliditäts- und Altersversorgungskassen, ferner Normalarbeitstag, Fabrikgesetze, Wiederherstellung der Wuchergesetze, progressive Einkommen- und Erbschaftssteuern u. s. w. Als Kennzeichen der C. P. wurde "der christl. Glaube und die Liebe zu König und Vaterland" angegeben. Dieses Programm erregte nicht nur von liberaler Seite heftigen Widerspruch, sondern auch schwere Bedenken konservativer Socialpolitiker; ja selbst der preuß. Oberkirchenrat richtete einen Erlaß an die evang. Geistlichkeit, in welchem er sie dringend vor der Beteiligung an diesen Agitationen warnte. Stöckers unmittelbare Erfolge gegenüber der Socialdemokratie blieben sehr gering. Auch sein Kampf gegen die sog. liberale, vom Christentum abgefallene, Weltanschauung hatte keine wahrnehmbare Wirkung. Dagegen sammelte sein Eintreten in die antisemit. Bewegung (s. Antisemitismus) zahlreiche Elemente des Handwerker- und kleinen Beamtenstandes um die Fahne der C. P. Nachdem die Versuche derselben, bei den Reichstagswahlen in Berlin selbständig aufzutreten, gescheitert waren, verband sie sich in den achtziger Jahren mit den konservativen und antisemit. Elementen in Berlin und bildete mit ihnen die sog. "Berliner Bewegung", die gegen Ende der achtziger Jahre infolge der ablehnenden Haltung Bismarcks und der Mißbilligung der Stöckerschen Agitation durch Kaiser Wilhelm II. starten Rückgang erlitt. 1893 sagte sich auch der "reine" Antisemitismus entschieden von der C. P. los. (S. auch Socialismus.) - Vgl. Wach, Die christlich-sociale Arbeiterpartei (Lpz. 1878); Stöcker, Christlich-Social. Reden und Aufsätze (2. Aufl., Berl. 1890); Alex. von Öttingen, Was heißt christlich-social? (Lpz. 1886); M. Schön, Geschichte der Berliner Bewegung (ebd. 1889).

Christlieb, Theodor, evang. Theolog, geb. 7. März 1833 zu Birkenfeld in Württemberg, studierte seit 1851 in Tübingen, wurde 1858 Pastor der deutsch-evang. Gemeinde in London, 1865 Pfarrer zu Friedrichshafen am Bodensee und folgte 1868 einem Rufe als Professor der praktischen Theologie und Universitätsprediger nach Bonn, wo er 14. Aug. 1889 starb. C. war besonders auf dem Gebiete der innern und äußern Mission thätig; das "Johanneum" in Bonn, eine Evangelistenschule, welche unter Festhalten am landeskirchlichen Zusammenhang Laien für die deutschen Evangelisationsvereine, für den Dienst der Stadtmission und Innern Mission ausbilden will, ist sein Werk; seit 1874 gab er mit andern die "Allgemeine Missionszeitschrift" (Gütersloh) heraus. Auch war er ein rühriges Mitglied der Evangelischen Allianz, auf deren Versammlungen zu Neuyork 1873 er einen Aufsehen erregenden Vortrag über die ungläubigen Richtungen in der Theologie hielt. Außer Predigten veröffentlichte C. u. a. "Leben und Lehre des Johannes Scotus Erigena" (Gotha 1860), "Moderne Zweifel am christl. Glauben" (Basel 1868; 2. Aufl., Bonn 1868), "Dr. K. B. Hundeshagen. Eine Lebensskizze" (Gotha 1873), "Hundeshagens ausgewählte kleinere Schriften und Abhandlungen" (2 Bde., ebd. 1874-75), "Der indo-

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brit. Opiumhandel und seine Wirkungen" (2. Aufl., Gütersloh 1878), "Der gegenwärtige Stand der evang. Heidenmission" (ebd. 1879; 4. Aufl. 1880), "Die Bildung evangelisch begabter Männer zum Gehilfendienst am Wort" (Cass. 1888), "Homiletik. Vorlesungen" (hg. von Haarbeck, Bas. 1893). - Vgl. Zum Gedächtnis T. C.s (Bonn 1889).

Christmas (engl., spr. krißmäß, "Christmesse"), eigentlich der Christrag (Christmas-day, 25. Dez.), dann die ganze Weihnachtszeit, die ehemals in England bis zum 2. Febr. währte und jetzt mit dem twelth day, d. h. "zwölften Tag" (6. Jan.) endigt.

Christmas carols (spr. krißmäs kärrels), s. Carole.

Christmasinsel (spr. krißmäß-), s. Weihnachtsinsel.

Christmette, der nächtliche Frühgottesdienst am ersten Wcihnachtstage, s. Mette.

Christmonat, deutscher Monatsname für Dezember.

Christnacht, die in der kath. Kirche noch vereinzelt vorkommende Mitternachtsfeier vor dem Weihnachtsfeste, ein Überbleibsel der altkirchlichen Vigilien (s. d.).

Christodorus, griech. Dichter, aus Koptus in Ägypten, lebte unter dem Kaiser Anastasius I. (491-518 n. Chr.). Wichtig ist sein Gedicht über die Bildwerke des Zeuxippusgymnasiums, das die Statuen in dem mit dem Zeuxippusbade in Konstantinopel verbundenen Museum beschreibt; es ist aufgenommen in die griech. Anthologie. - Vgl. Baumgarten, De Christodor poeta Thebano (Bonn 1881).

Christodulos (grch.), Schriftstellername des byzant. Kaisers Johannes VI. Kantakuzenos (s. d.).

Christoffel, Elwin Bruno, Mathematiker, geb. 10. Nov. 1829 zu Montjoie, studierte zu Berlin, wurde 1859 Privatdocent daselbst, 1862 Professor am Polytechnikum in Zürich, hierauf an der Gewerbeakademie zu Berlin und ist seit 1872 Professor an der Universität zu Straßburg. C. hat eine Reihe von Abhandlungen zur höhern Analysis, Geometrie, mathem. Physik und Geodäsie im Crelle-Borchardtschen "Journal", in den von Clebsch herausgegebenen "Mathemat. Annalen", in den "Annali di Matematica" von Brioschi, in den "Abhandlungen" und in den "Sitzungsberichten der Berliner Akademie" veröffentlicht; in den "Abhandlungen" die "Allgemeine Theorie der geodätischen Dreiecke" (Berl. 1868).

Christofle & Co., Firma, unter welcher der franz. Industrielle Charles Christofle (spr. -öffl), geb. 1805 zu Paris, gest. 13. Dez. 1863 in Vrocnoy, Depart. Seine-et-Marne, zu Paris und Karlsruhe Etablissements errichtete, die seit etwa 1842 seinen Ruf begründeten und sich um die Anwendung der Galvanotechnik und namentlich der galvanischen Vergoldung und Versilberung im höchsten Grade verdient gemacht haben. Christofle lieferte nicht nur Gegenstände aller Art für den täglichen Gebrauch, sondern auch plastische Werke von hohem künstlerischen Werte. Geschätzt waren namentlich seine Kunstbronzen und emaillierten Metallarbeiten. Bekannt wurde der Name Christofles durch das sog. Christofle-Metall oder Alsénide (s. d. und Bronzewaren). Er schrieb: "Observations sur les lois qui régissent le commerce de la bijouterie" (Par. 1835), "Projet de loi sur les marques de fabrique et de commerce" (ebd. 1847), "Historie de la dorure et de l'argenture électrochimique" (ebd. 1851).

Christolatrie (grch.), Christsverehrung mit Hintansetzung der Verehrung Gottes.

Christologie (grch.), in der Dogmatik die Lehre von Christus (s. Christentum und Christus).

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]