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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Chronostĭchon; Chroolĕpus; Chroŏpsie; Chrowāten; Chrŭpsie; Chrysălis; Chrysamīn; Chrysamīnsäure; Chrysander

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Chronostichon - Chrysander

dargestellten Auslösvorrichtung, bei der im unberührten Zustande durch die Nase i des Hebels h die Feder k mit dem Messer l festgehalten wird. Wird nun ein Schuß abgegeben, so beginnt beim Durchschlagen des ersten Rahmens der Stab c zu fallen. Beim Durchschlagen des zweiten Rahmens fällt das Gewicht f und schlägt auf die Platte g auf, wodurch die Nase i die Feder k losläßt, sodaß das Messer l auf dem fallenden, mit einer Zinkhülse überzogenen ^[Abb: Fig. 3.] Stabe c eine Marke einschlägt, deren Lage auf dem Stabe die Zeit, in welcher die 50 m vom Geschoß durchflogen wurden, berechnen läßt. Dabei muß berücksichtigt werden, daß eine gewisse Zeit verfließt, bis erstens das Gewicht f bis zu der Platte g herabgefallen ist und zweitens, bis von da an die Auslösungsvorrichtung das Einschlagen der Marke bewirkt hat. Diese beiden Zeitabschnitte zusammen werden durch besondere Versuche bestimmt, indem man mittels eines Stromunterbrechers beide Stromzweige zugleich unterbricht, wodurch c und f zugleich zu fallen beginnen und auf c eine entsprechend tiefer liegende Marke entsteht. Vorher hat man noch eine Nullmarke durch Abschnellen des Messers l gegen den noch am Magneten hängenden Stab erzeugt. Der Abstand beider Marken bestimmt die bei der Berechnung der Geschoßgeschwindigkeit aus der ganzen Fallstrecke in Abrechnung zu bringende Zeit.

In neuester Zeit haben die elektroballistischen Apparate zum Zweck der innern Ballistik oder der Ermittelung der Geschoßbewegung im Rohr und der Bewegung des Rohrs selber eine bedeutende Fortbildung erfahren. Besonders ist hier das auf den Schwingungen der elektrischen Stimmgabel beruhende Velocimeter des franz. Oberstlieutenants Sébert zu erwähnen, der die Resultate graphisch giebt. (S. Phonautograph.) Der Velocimeter dient zum Studium der Bewegungsverhältnisse der Geschosse inner- und außerhalb des Rohrs, der Rücklaufsverhältnisse, der Gasspannungen, der Explosionserscheinungen von Explosiv- und Sprengstoffen und der Explosionsgeschwindigkeiten. Ferner gehören hierher das Fallchronometer von Bianchi, die Verbesserung des Leboulengéschen Chronographen vom Kapitän Bréger, der Pendelchronograph des dän. Hauptmanns Caspersen, der mit Benutzung des Phonischen Rades (s. d.) konstruiert ist, endlich auch der elektroballistische Chronograph von H. Mathieu. Es ist zu erwähnen, daß alle die zuletzt angeführten Chronographen nicht nur zur Bestimmung von Geschoßgeschwindigkeiten, sondern auch zu andern Zwecken, z. B. zum Messen von Fallzeiten, benutzt werden können. ‒ Vgl. Mitteilungen über Gegenstände des Artillerie- und Geniewesens (Wien 1885 u. 1886); Revue d'artillerie (Par. 1880); Kuhn, Handbuch der angewandten Elektricitätslehre (Artikel Chronoskope und Chronographen), als Bd. 20 von Karstens «Allgemeiner Encyklopädie der Physik» (Lpz. 1866). Über nicht elektrische Chronographen: Saunier, ^[Spaltenwechsel] Lehrbuch der Uhrmacherei, deutsch von Großmann, Bd. 3 (Glashütte 1879), S. 272.

Chronostĭchon (grch.), s. Chronogramm.

Chroolĕpus Agdh., Algengattung aus der Gruppe der Chlorophyceen (s. d.), Abteilung der Zoosporeen. Es sind kleine fadenförmige Algen, die in der feuchten Luft auf Gesteinen, Baumrinden u. s. w. wachsen und deren Zellinhalt durch einen roten Farbstoff gefärbt ist. In vielen Gebirgen Deutschlands kommt C. iolithus Agdh., Veilchenmoos, vor, die stark nach Veilchen riecht; sie bildet rote Anflüge auf Steinen, die deshalb Veilchensteine (s. d.) heißen.

Chroŏpsie (grch.), s. Farbensehen.

Chrowāten, s. Kroaten.

Chrudīm 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 706,30 qkm und (1890) 87191 (41414 männl., 45777 weibl.) E., darunter 3919 Evangelische, 1270 Israeliten und 150 Militärpersonen, in 11310 bewohnten Gebäuden und 19243 Wohnparteien; 94 Gemeinden mit 253 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke C., Hlinsko und Nassaberg. ‒ 2) Stadt und Sitz der österr. Bezirkshauptmannschaft C., in 270 m Höhe, am Flusse Chrudimka und an der Linie Deutschbrod-Königgrätz der Österr. Nordwestbahn, ist Sitz einer Finanzbezirksdirektion, eines Kreis- und eines Bezirksgerichts (305 qkm, 73 Gemeinden, 48445 czech. E.), hat (1890) 12128 czech. E., in Garnison (92 Mann) eine Eskadron des 8. böhm. Dragonerregiments «Graf von Montecuccoli», Post, Telegraph, eine alte got. Kirche aus dem 13. Jahrh. auf dem Ringe, 1857‒79 vom Architekten Schmoranz restauriert, mit wertvollen Skulpturen und Glasmalereien, eine uralte Katharina- und 3 andere Kirchen, ein Kapuzinerkloster, ein böhm. Staats-Realgymnasium, eine Staatsfachschule für Holzindustrie, eine Handelsakademie, kaufmännische Fortbildungsschule, Bürgerschule, eine böhm. landwirtschaftliche Landesmittelschule, ein Theater; Fabrikation von Zucker, Spiritus, Kaffeesurrogaten, Sodawasser, landwirtschaftlichen Maschinen, eine Bierbrauerei, Dampfmühle, Dampfsäge, Aktienmälzerei und bedeutende Roßmärkte. C. ist die Geburtsstadt des Erfinders der Schiffsschraube, Josef Nessel (1793‒1857). ‒ C. wird schon 993 als Gauburg erwähnt; Ottokar Ⅱ. gründete die Neustadt und siedelte daselbst deutsche Kolonisten an. 1625 wanderten die meisten hussit. Einwohner aus. 1643 und 1648 wurde C. von den Schweden, später von Friedrich Ⅱ. besetzt.

Chrŭpsie (Chroopsie), s. Farbensehen.

Chrysălis (Plur. Chrysalīden), s. Puppe.

Chrysamīn, Handelsname für Azofarbstoffe, die aus Benzidin oder Tolidin und Salicylsäure dargestellt werden und Baumwolle ohne Beize gelb färben.

Chrysamīnsäure, ein organischer Farbstoff, der durch Behandeln von Aloeharz mit konzentrierter Salpetersäure entsteht und ein Tetranitrodioxyanthrachinon, C14H2(NO2)4(OH)2O2 ^[C<sub>14</sub>H<sub>2</sub>(NO<sub>2</sub>)<sub>4</sub>(OH)<sub>2</sub>O<sub>2</sub>], ist. Die C. bildet gelbe, in kaltem Wasser schwer lösliche Krystalle und färbt Seide rosenfarben, Wolle kastanienbraun, mit Thonerde gebeizte Baumwolle violett.

Chrysander, Friedrich, Musikgelehrter, geb. 8. Juli 1826 zu Lübtheen (Mecklenburg-Schwerin), studierte Philosophie zu Rostock und widmete sich dann ganz der Musikwissenschaft. Er hat namentlich das histor. Fach der Musik durch Arbeiten, die sämtlich auf eigenen Forschungen beruhen, bereichert.

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]