Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Cicerone; Ciceronische Chrie; Cicester; Cichoriaceen; Cichorie

312

Cicerone - Cichorie

(hg. von Heine, 6. Aufl., Berl. 1885), und die kleinern: "Paradoxa", "Cato major, seu de senectute" (hg. von Sommerbrodt, 10. Aufl., Berl. 1885), "De fato" und "Laelius, seu de amicitia" (hg. von Seyffert; 2. Aufl. besorgt von Müller, Lpz. 1876; Nauck, 9. Aufl., Berl. 1884; Reid, Cambridge 1879).

Die Briefe gaben neuerdings heraus Wesenberg (Lpz. 1872 fg.), Tyrrell (2 Bde., 2. Aufl., Lond. 1885) und Mendelssohn (Lpz. 1893); eine Auswahl Süpfle (10. Aufl., von Boeckel, Karlsr. 1893), Hofmann (Bd.1, 6. Aufl., von Karl Lehmann, Berl. 1892; Bd. 2, von Andresen, 2. Aufl., 1885), Frey (5. Aufl., Lpz. 1893) und Aly (Berl. 1892). Vgl. O. E. Schmidt, Der Briefwechsel des M. Tullius C. (Lpz. 1893). Die poetische Thätigkeit C.s ist belanglos; erhalten sind nur einige größere Fragmente, Stücke seiner Übersetzung des astron. Gedichts des Aratus ("Aratea").

Aus dem Altertum ist eine ausführliche Lebensbeschreibung des C. von Plutarch vorhanden. Auch von seiner persönlichen Erscheinung ist man durch zwei echte, erhaltene Büsten, die treffliche in Madrid (nach der Inschrift aus seinem 64., also letzten Lebensjahre) und eine identische in Apsley House (dem Palast des Herzogs von Wellington in London) wohl unterrichtet. Von neuern Historikern hat über C. am eingehendsten gehandelt Drumann in der "Geschichte Roms" (6 Bde., Königsb. 1834-44); kürzer, aber noch schroffer und ungerechter Mommsen im 3. Bande seiner "Röm. Geschichte". Außerdem vgl. Forsyth, Life of C. (2 Bde., Lond. 1864); Boissier, Cicéron et ses amis (Par. 1865 u. ö.; deutsch Lpz. 1870); Messina, Apologia di C. contra Mommsen (Neapel 1878), und Aly, C. Sein Leben und seine Schriften (Berl. 1891).

Cicerone (spr. tschitsche-), in Italien, besonders in Rom, die allgemeine Bezeichnung der Fremdenführer, die wohl wegen ihrer Redseligkeit nach dem berühmten Redner Cicero so genannt werden.

Ciceronische Chrie, s. Chrie.

Cicester, Ciceter, engl. Stadt, s. Cirencester.

Cichoriaceen, s. Kompositen.

Cichorie (Pflanze), s. Cichorium.

Cichorie oder Cichorien, ein aus der Wurzel von Cichorium (s. d.) hergestellter Zusatz oder Ersatz der Kaffeebohne, dessen Verbrauch eine große, stetig zunehmende Ausdehnung gewonnen hat, die seiner Wohlfeilheit, der Ähnlichkeit der Farbe eines Aufgusses daraus mit dem des Kaffees und seinem mild-bittern, weichen Geschmack zugeschrieben werden muß. Die Herstellung der C. aus der Cichorienpflanze geht so vor sich, daß den etwa 175 g schweren Wurzeln das Kraut, welches als gutes Viehfutter dient, abgeschnitten wird, die Wurzeln alsdann rein gewaschen sowie in Stücke zerschnitten und darauf in Darren gut ausgetrocknet werden. Dies ist der erste, meistens getrennt betriebene Teil der Herstellung. Von den Darren geht die Cichorienwurzel, unter dem Namen gedarrte C., in die Hände des Fabrikanten über. Dieser röstet die gedarrten C., bis sie dunkelbraun sind, versetzt sie dabei teilweise mit Pflanzenfetten, Sesam- und Erdnußölen, mahlt sie und bringt sie dann in pulverigem Zustande, in Büchsen oder Paketen verpackt, sofort in den Handel oder läßt das Pulver erst wieder Feuchtigkeit anziehen, um es erst dann dem Verkehr zu übergeben. Das Waschen der Cichorienwurzeln findet unter fortwährender Wassererneuerung in cylindrischen, geneigten, rotierenden Trommeln statt, worauf die Wurzeln auf einem endlosen Drahttuch einer Schneidemaschine, ähnlich der in der Zuckerfabrikation (s. d.) gebräuchlichen Schneidemaschine für Rüben, zugeführt und durch dieselbe in Stücke geschnitten werden. Diese Stücke kommen auf übereinander liegende Drahthorden in Trockenanstalten mit offener Feuerheizung, sog. Cichoriendarren, wo sie während 12-14 Stunden auf ein Viertel ihres Gewichts ausgetrocknet werden. Nach dieser Behandlung sind die gedarrten Stücke gut ein Jahr haltbar. Nach dem Darren erfolgt die zur weitern Zerkleinerung nötige Röstung, die in cylindrischen oder kugelförmigen, eisernen Trommeln geschieht, die geröstete Ware endlich wird auf Mahlgängen, Kollergängen oder Scheibenmühlen durch verschiedene Korngrößen hindurch zu Pulver zermahlen.

Wird die gedarrte Ware unter Zusatz von 1 bis 5 Proz. Pflanzenfette geröstet, was geschieht, um die im Kaffee enthaltenen, wirksamen Öle zu ersetzen, so bleibt das Erzeugnis daraus längere Zeit trocken, bekommt eine tiefbraune Farbe, riecht mandelartig und schmeckt wesentlich angenehmer, als das ohne solchen Zusatz. Die billigern Sorten werden aus ungefetteten Wurzeln, bez. deren Mehl, durch direkte Zuführung von Wasser oder Zuführung von Feuchtigkeit in Form von Dampf, meistens in großen Dampfkellern, wieder feucht gemacht, also beschwert und zwar bis zu 25 Proz. und dann in den Handel gebracht. Diesen geringern Sorten wird auch vielfach, auf Kosten der Güte der C., Mehl aus gedarrten Rüben beigemischt, da dasselbe billiger ist.

Die frische Cichorienwurzel enthält gegen 75 Proz. Wasser und 25 Proz. Nährstoffe, hauptsächlich Levulin und Pflanzenschleim in Verbindung mit einem rein schmeckenden aromatischen Bitterstoff, einem Glykosid. Durch das Darren und Rösten wird das Wasser herausgetrieben und die stickstofffreien Stoffe werden mehr oder weniger in Zucker verwandelt, während das Glykosid unverändert bleibt, sodaß ein reines Cichorienmehl 60-80 Proz. löslicher stickstofffreier Stoffe enthalten muß. Das Getränk aus reinen C. ist nicht unangenehm von Geschmack und Geruch und wirkt anregend auf die Verdauungsorgane.

Die Hauptorte der Cichorienfabrikation sind außer Magdeburg: Ludwigsburg, Berlin und Breslau; großer Anbau nebst Fabrikation findet auch in Belgien, Frankreich, Holland und Österreich-Ungarn statt. Die C. ist von großer Bedeutung für Deutschland, weil durch ihren Anbau die Tiefkultur des Bodens bedingt wird, die Cichorienpflanze in der Fruchtfolge die Nematode des Zuckerrübenbodens vernichtet, überhaupt eine treffliche Vorpflanze für die Rübe und Getreide ist. Seit einiger Zeit wendet man der C., infolge der eingehenden Untersuchungen der Firma Dommerich & Co. in Magdeburg-Buckau, eine wachsende Aufmerksamkeit zu, weil ihr hoher Gehalt an Stärke und Zuckerstoffen eine Verwertung zur Spiritusbrennerei erlaubt; außerdem ist die chem. Zusammensetzung der gerösteten C. jener des Gerstenmalzes so ähnlich, daß mittels des gleichzeitig vorhandenen Bitterstoffs die Möglichkeit gegeben ist, durch Gärung ein Getränk zu erzeugen, das allen Anforderungen eines guten Bieres genügen und dabei volkswirtschaftlich eine außerordentliche Ersparnis bedingen dürfte. Im Deutschen Reich werden etwa 11000 ha mit Cichorienwurzeln bebaut, von denen 20-30000 kg von 1 ha geerntet und verdarrt werden. Die Zahl der Fabriken in Deutschland beträgt über 100, in

Artikel, die man unter C. vermißt, sind unter K aufzusuchen.