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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cigarettenpapier - Cigarren
zwischen den Fingern geformtes Wülstchen fein ge-
schnittenen Tabaks durch Rollen zwischen Daumen
und Zeigefinger beider Hände einhüllten und das
Anhaften des Papierblä'ttchens durch Benetzen des
Randes mit der Zunge bewirkten, fing man später
an, fertige Hülsen in den Handel zu bringen, welche
mittels einfacher Vorrichtungen (Stopfer) mit Tabak
gefüllt werden konnten. Allmählich folgte die Er-
findung der verschiedenen einfachen und leicht zu
handhabenden Vorrichtungen zum Rollen von C.,
mit deren Vervollkommnung sich die Hausarbeit nach
und nach zu großen Fabrikbetrieben umgestaltet hat.
Zur Fabrikation wird türk. und amerik. Tabak
benutzt, und es ist hier wie bei der Cigarrenfabri-
kation die Mischung verschiedener Tabake, unter
denen Dubec, Samfon, Vochtja, Ajassoluk, Kir,
Basma zu nennen sind, ein Haupterfordernis für
den Geruch und Gefchmack des Fabrikats. C. mit
Mundstück erfordern auch heute noch Handarbeit,
indem die Dreherin die für die C. nötige Menge
feingeschnittenen Tabak in eine Messingröhre legt und
mittels eines Stäbchens in die Papierhülse schiebt,
während die keilförmig geschnittenen Mundstücke zu-
sammengerollt in das an der einenSeite überstehende
Papier geschoben werden; die andere Seite wird be-
schnitten. Neuerdings nimmt man auch an Stelle
der Messingröhre Pergamentpapier, zwischen dem
man den Tabak zum Wülstchen rollt (sog. Gürtel-
oder Rollarbeit). Die Fabrikation der Hülsen
wird auch mittels Maschinen betrieben, unter denen
die von Schaeffer & Hauck bemerkenswert ist, da bei
ihr kein Klebstoff verwandt, sondern der Halt dadurch
erzielt wird, daß die Längsränder eines endlosen
Papierstreifens (Bobine) ineinander gefalzt werden
und der fo gebildete Falz zwifchen zwei gekordelten
Preßscheiben luftdicht zusammengepreßt wird.
C. ohne Mundstück werden zum großen Teil
mittels sinnreich konstruierter Maschinen hergestellt,
unter denen das amerik. System Bonsaks als das
vollkommenste gilt. Der Tabak wird dabei auf
automatisch von der Maschine in Bewegung gesetzte
Gurtbä'noer glatt aufgelegt, hierauf auf Walzen zu
einem breiten Band ohne Ende gleichmätzig verteilt
und dann selbstthätig durch einen Tubus geführt,
um den sich das Papier einer Bobine, das vorher
einen Fnmendruckapparat passiert hat, legt. Die
nun gefüllte Papierhülse wird durch einen Schnitt-
apparat in gleichmäßige Stücke von verkaufsfähiger
Länge geteilt. Derartige Maschinen fertigen bei
voller Ausnutzung in 10 Stunden 100000 Stück:
sie sind für mittlere und geringere Sorten in Ge-
brauch. Hauptfabrikationsorte sind Dresden (25
Fabriken), darunter die bedeutendste die Compagnie
Laferme (Produktion 1891 in der Dresdener und
Petersdurger Fabrik 376 Mill. Stück), Hamburg,
Berlin, Warfchau, Petersburg, Roftow, Kairo,
Durham (Nordcarolina) u. a. Der Verbrauch der
C. ist in steter Zunahme begriffen. Hauptsächlich
haben sich ihm die slaw. Völker zugewandt, auch
Italiener, Dänen und Holländer befreunden sich
immer mehr damit, während von Deutschland die
Provinz Posen (slaw. Bevölkerung) den verhältnis-
mäßig bedeutendsten Verbrauch aufweist. Deutsch-
lands jährliche Produktion an C. schätzt man auf
600 Mill. Stück. In den letzten Jahren'hat auch in
den Vereinigten Staaten von Amerika die Produktion
bedeutend zugenommen. Sie betrug 238 Mill. Stück
im Fiskaljahre 1878/79, 1311 Mill. 1885/86 und
2878 Mill. 1890/91. (S. auch Cigai-rillos.)
Artikel, die man unter E ver
Cigarettenpapier, hauptsächlich in Frankreich
aus sehr feinen Leinwandlumpen, die sehr sorgfältig
aufgeschlossen und gereinigt werden müssen, her-
gestelltes, zur Herstellung der Cigaretten dienendes
feines Papier. Mit Katechubrühe giebt man ihm
öfters einen braunen Ton. Fabrikationsorte sind
Paris, Perpignan, Mazöres, Angouleme.
Cigarren (vom fpan. ci^ri-0). Die C. sind in
ihrer Urform identisch mit den 'ladacog, die die
Opanier 1492 bei ihrer Landung auf Cuba bei den
Eingeborenen vorfanden, cylinderförmig zusammen-
gerollten Taoakblättern, die an einem Ende ange-
zündet wurden. Die Fabrikation und der Ver-
brauch von C. nahmen deshalb auch von Spanien
aus ihren Ausgang, und der Fabrikant Schlottman,
der 1788 die erste Cigarrenfabrik in Hamburg er-
richtete, hatte anfangs große Mühe, seine Fabrikate
abzusetzen, mußte sogar einen erheblichen Teil ver-
schenken, ehe das Cigarrenrauchen Bedürfnis wurde.
Seitdem hat sich der Genuß der Cigarre und mit
ihm die Fabrikation immer mehr ausgebreitet und
ist noch lange nicht auf dem Höhepunkte angelangt.
Bei der Herstellung unterscheidet man Einlage, Um-
blatt und Deckblatt. Die Einlage ist das den In-
halt der Cigarre bildende Material, in der Regel
die kleinern Blätter. Sie wird zur Fabrikation her-
gerichtet, indem man die Blätter von den ibnen
beigemengten fremden Stoffen, wie Stroh, Federn,
Haare u. s. w. fäubert, dann sorgfältig nach ihrer
Längsrichtung legt und dabei, wenn es sich, wie
es meist der Fall ist, um Mischungen von Tabak-
blättern verschiedener Herkunft handelt, mit den
einzelnen Blättern abweckfelt, da sonst die C. un-
regelmäßig brennen, hohl brennen oder kohlen.
Hierauf feuchtet man die Blätter gelinde an, ent-
rippt sie (d. h. entfernt die stärksten Rippen) und
trocknet sie durch Ausbreiten an der Luft. Zur Ent-
fernung der Rippe hält man das Blatt mit den
Fingern der linken Hand an der Spitze, erfaßt mit
denen der rechten Hand die Mittelrippe des Blattes
und bricht sie los, indem man sie um die Hand
wickelt, während die linke die Blattseiten entfernt.
Blätter mit schwachen Rippen werden nicht ent-
rippt, sie finden meist zu Umblättern Verwendung.
Das Umblatt, das die Einlage umschließende
Blatt, wird teils ohne, teils mit Rippen verwendet,
je nach der Größe des Blattes, während zum Deck-
blatt die schönsten und gesündesten Blätter von
Farbe und Geruch gewählt werden, da von seinem
Aussehen die Verkäuflichkeit der C. wesentlich be-
dingt ist. Für den Gebrauch wird das Deckblatt ge-
glättet, geschnitten und entrippt. Das Schneiden
der Deckblätter erfordert einen hohen Grad von Ge-
schicklichkeit, da es darauf ankommt, aus einem
Tabakblatte möglichst viele Decken zu gewinnen, weil
die Abfälle nur als Einlage Verwendung finden
können. Mit Hilfe eines scharfen Messers mit
abgerundeter Spitze schneidet man auf einer ebenen
Holz- oder Zinkunterlage nach der Länge des Blattes,
sodah die Seitenrippen in schräger Richtung quer
über die Decke laufen. Die zugeschnittenen Decken
legt man glatt übereinander und beschwert sie, um
das Schrumpfen und Faltigwerden zu verhindern.
In der Regel sindet man die Tabake schon im Han-
del als Tabak zur Einlage und als Tabak zum Deck-
blatt sortiert, doch enthalten auch letztere Sorten
noch ziemlich viel Ausschuß. Früher nahm man
zeitweise mit Vorliebe zu Deckblättern solche mit
gelblichen Flecken, wie sie namentlich deim Mary-
mißt, sind unter K aufzusuchen.