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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Clemens Romanus
C. iVHI.), vorher Agidius Nunoz, Kanonikus
zu Barcelona, wurde 1424 von drei Kardinälen zum
Papst erwählt, mußte 1429 auf dem Konzil zu Tor-
tosa entsagen, wodurch das große Schisma (s. d.)
beendigt wurde.
C. VIII. (1592-1605), vorher Ippolito Aldo -
brandini, geb. 1536, seit 1585 Kardinal, stellte
sich in Frankreich auf die Seite der Ligue; nachdem
jedoch Heinrich IV. 1593 zum Katholicismus über-
getreten war, absolvierte er ihn 1595 und blieb mit
ihm in gutem Einvernehmen. Das Herzogtum Fer-
rara zog er nach dem Erlöschen des Hauptstammes
der Este 1598 als erledigtes Lehen ein. In dem Streit
zwischen Dominikanern und Jesuiten über das Ver-
hältnis von Gnade und Freiheit des Willens vermied
er eine Entscheidung, um keinen Orden zu verletzen.
Er starb 5. März 1605. Von der Vulgata ordnete
er 1592 eine zweite verbesserte Ausgabe an, nach
ihm 0i6in6ntiua genannt.
C. IX. (1667 - 69), vorher Giulio Rospi-
gliosi, Nuntius in Spanien, dann Kardinalsekre-
tär Alexanders VII., stellte zwar die Verfolgung
der Iansenisten ein (der sog. Clementinische
Friede), verbot aber die von ihnen besorgte Über-
setzung des Neuen Testaments.
C. X. (1670-76), vorher Emilio Altieri, war
80 I. alt, als er Papst wurde, und hinterließ seinem
Nachfolger den Streit um die Regalien (s. d.) mit
der franz. Krone.
C. XI. (1700-21), vorher Giovanni Fran-
ce s c o A l b ani, geb. 1649, seit 1690 Kardinal, erhob
Einspruch gegen Preußens Erhebung zum Königtum,
stand im Spanischen Erbfolgekrieg auf der Seite
Frankreichs, ward aber 1709 zur Anerkennung des
österr. Prätendenten Karl III. gezwungen. Von den
Jesuiten beherrscht, erließ er gegen die Iansenisten
die Bulle "Vinkam Domini" (1705) und die Konstitu-
tion "UuiFsuiwL" (1713). Seine Werke (2 Bde.,
Franks. 1729) enthalten Bullen, Reden und Briefe.
C. XII. (1730-40), vorher LorenzoCorsini,
seit 1706 Kardinal, versuchte vergeblich, den Kirchen-
staat durch Pavia und Piacenza oder San Marino
zu erweitern und die deutschen Protestanten durch
das Versprechen des ungeschmälerten Besitzes der
säkularisierten Kirchengüter für Rom zu gewinnen.
C. XIII. (1758-69), vorher Carlo Rezzonico,
seit 1737 Kardinal, stand ganz unter dem Einflüsse
des Staatssekretärs Torreggiani und erlebte die Ver-
bannung der Jesuiten aus Portugal, Frankreich und
Spanien und den Angriff des Nikolaus von Hont-
heim auf die pä'pstl. Hierarchie.
C. XIV. (1769-74), vorher LorenzoGanga-
nelli, geb. 31. Okt. 1705 zu Sant Arcangelo bei
Rimini, trat 1723 in den Minoritenorden, ward
Konsultor der Inquisition, 1759 Kardinal und
1769 im Mai nach dreimonatlichem Konklave ge-
wählt. Er neigte freisinnigern Ansichten zu, verbot
z. B. die Verlesung der Bulle "In 006113. äoinwi".
Seine Abneigung gegen die Jesuiten war bekannt-,
dennoch zögerte er mit Auflösung des Ordens, um
durch Unterhandlungen mit denHöfen möglichst große
Zugeständnisse dafür einzutauschen. Erst 16. Aug.
1773 veröffentlichte er das auflösende Breve "vomi-
QU8 ac Nkäemptor nost^r". Er starb 22. Sept.
1774. Die Vermutung, daß er vergiftet worden sei,
ist grundlos. Sein Denkmal in der Kirche der Apostel
zu Rom führte Canova nach Volpatos Angabe aus.
C. beförderte Künste und Wissenschaften, u. a. auch
durch die Stiftung des Clementinischen Mu-
seums, das, durch Pius VI. und Pius VII. berei-
chert, zur schönsten Zierde des Vatikans wurde.
An Schriften hat C. nur Briefe und Sendschreiben
hinterlassen. Die von Caraccioli herausgegebenen
Briefe (deutsch, 4 Bde., Lpz. 1777-80) vermengen
Echtes mit Unechtem, ebenso die "^ouv6ii68 Isttreg
int6i'688kut63 äu MP6 d XIV" (3 Bde., Par. 1776
u. ö.: deutsch, Lpz. 1790). - Vgl. Caraccioli, I^a
vi6 äu pHps (^. XIV (Par. 1775; deutsch, Franks.
1776); Reumont, Ganganelli, Papst C.XIV., seine
Briefe, seine Zeit (Berl. 1847)'. Theiner, Geschichte
des Pontificats C.' XIV. (2 Bde., Lpz. 1853). Die
Schrift von Latouche, "OismLQt XIV 6t O3.1I0 Ler-
tiuä22i, c0ri-68p0iiäÄiic6 in6äit6" (Par. 1827), ist
eine sinnreiche, anziehend geschriebene Erdichtung.
Clemens Romanus, einer der Apostolischen
Väter (s. 0.), war der Sage nach der erste oder dritte
Bischof von Rom nach dem Apostel Petrus, Schü-
ler des Petrus und Mittelsmann zwischen Iuden-
christentum und Heidenchristentum. Zuverlässiges
über seine Person ist nicht bekannt. Ob der im
Briefe an die Philipper 4,3 als Mitarbeiter des
Paulus erwähnte C. R. derselbe ist, wie schon ältere
Kirchenlehrer annahmen, ist ebenso zweifelhaft als
die Identität des röm. Gemeindehauptes mit dem
wegen Hinneigung zum Christentums hingerichte-
ten Vetter Domitians, dem Konsular Flavius Cle-
mens. Im letztern Falle würde sein Tod etwa ins
I. 96 n. Chr. fallen. Die spätere ^age weiß von
seiner Verbannung in den Thrazischen Chersones
und seinem Märtyrertode 102 n. Chr. zu erzählen.
Die zahlreiche, dem C. R. zugeschriebene Litteratur
zerfällt in einen heidenchristl. und eincn judenchriftl.
Zweig. Zu dem erstern gehört namentlich der ihm
zugeschriebene, jetzt vollständig wieder aufgefundene
Brief an die Korinther, ein nach den meisten ums
I. 94, nach andern erst um 120 anonym verfaßtes
röm. Gemeindeschreiben zum Zwecke der Herstellung
kirchlicher Ordnung in der von Parteien zerrissenen
korinth. Gemeinde. Der Grundcharakter der Theo-
logie in diesem Schreiben ist ein abgefärbter und
stark ins Gesetzliche hinüberspielender Paulinismus.
Der sog. zweite Brief des C. R. ist, wie sich seit der
Wiederauffindung des vollständigen Textes ergeben
hat, überhaupt kein Brief, sondern eine erst in der
zweiten Hälfte des 2. Jahrh, verfaßte Homilie.
Zu den judenchristl. Schriften, welche seinen Na-
men tragen, gehören außer den Apostolischen Kon-
stitutionen (s. d.) besonders die sog. Clementi-
nischen Rekognitionen und Homilien, eine
doppelte Überarbeitung einer ältern judenchristl.
Schrift und eins der wichtigsten Denkmäler des
essenischen Iudenchristentums im 2. Jahrh. Petrus
erscheint darin als der eigentliche Heidenapostel,
während Paulus unter der Maske des Magiers Si-
mon als falscher Apostel bestritten wird. Die Cle-
mentinische Überarbeitung kleidet diese Streitunter-
redungen des Petrus mit Simon in eine Art von
Familienroman, dessen Held der von Petrus bekehrte
C. R. ist. (Vgl. Lanqen, Die Klemensromane. Ihre
Entstehung und ihre Tendenzen, Gotha 1890.) Außer-
dem existieren unter dem Namen des C. R. in syr.
Sprache noch zwei Briefe an die Jungfrauen, ein
frühestens aus dem 3. Jahrh, stammendes Machwerk.
Am besten sind die beiden Briefe des C. R. von
Hilgenfeld ("^ovuin ^68t9.m6ntiiin extra, canonem
I-606MIN", Fascikel 1, Lpz. 1866; 2. Aufl. 1876),
Bryennios (Konstantinopel 1875), Harnack und Geb-
hardt("I'Hti-uiuHp08t0iic0rum0p6r3.,lH8l:. 1,pai-ä1>
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.
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