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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Coburger; Coburgia Belladonna; Coca; Cocagna; Cocaïn

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Coburger - Cocain

ler), herzogl. Realschule Ernestinum, 1818 als städtische Realschule eröffnet (Direktor Dr. Riemann, 14 Lehrer, 8 Klassen, 230 Schüler), herzogl. Baugewerkschule (11 Lehrer, 36 Schüler), herzogl. Ernst-Albert-Lehrerseminar (1839 gegründet), herzogl. Taubstummenanstalt, höhere Mädchen- (Alexandrinen-)schule, Knabeninstitut (Taubald), Sonntagsschule, Landeskrankenhaus (92 Betten), freiherrl. von Rastsche Stiftung zur Unterstützung von Handwerkern und Künstlern, Theater (1100 Plätze) und eine Freimaurerloge "Ernst zur Wahrheit, Freundschaft und Recht". Es erscheinen 2 polit. Zeitungen. Die Industrie erstreckt sich auf mechan. Weberei (220 Stühle), sowie Fabrikation von Porzellan, Wagen und Korbwaren. Die Brauereien liefern ein gutes Bier, auch für den Export.

C. wird wegen seiner reizenden Umgebung vielfach von Vergnügungsreisenden besucht. In der Nähe liegt malerisch auf einem kegelförmigen Berge (458 m) die alte denkwürdige Feste C., 1057 zuerst urkundlich erwähnt und bis 1549 Residenzschloß der Grafen von Henneberg und der Herzöge von Sachsen. 1632 wurde sie von den Schweden besetzt und von Wallenstein vergeblich belagert. Vorübergehend wurde sie bis in die Mitte des 19. Jahrh. als Zuchthaus und Irrenanstalt verwendet, ist aber seit 1838 im ursprünglichen Stil prächtig ausgebaut und zu einem Museum für Kunst und Altertümer eingerichtet; im sog. Fürstenbau befinden sich reiche Waffensammlungen, ein sehr wertvolles Kupferstichkabinett sowie die 1530 von Luther bewohnten Zimmer; ferner in einem Gebäude des zweiten Festungshofs eine zoolog. Sammlung. Ferner nahe der Stadt die herzogl. Lustschlösser Callenberg (s. d., 6 km) und Rosenau (8 km, in 328 m Höhe), das im Besitz des Herrn von Imhoff befindliche Schloß Hohenstein (5 km) mit Park, sowie das Pfarrdorf Neuses, langjähriger Wohnsitz F. Rückerts, der dort auch begraben liegt. - Vgl. Wittmann, (C., Stadt und Feste nebst Umgegend (Cob. 1882); Lotz, Coburgische Landesgeschichte (ebd. 1892).

Coburger, Ant., Buchhändler, s. Koburger.

Coburgia Belladonna Herb., s. Amaryllis.

Coca, s. Koka.

Cocagna (spr. -kanja), s. Cuccagna.

Cocaïn, C17H21NO4 ^[C<sub>17</sub>H<sub>21</sub>NO<sub>4</sub>], das wirksame Alkaloid der Kokablätter (s. Koka). Das C. krystallisiert in großen farblosen Prismen, schmeckt bitterlich, die Zungennerven vorübergehend gefühllos machend, schmilzt bei 98°, löst sich schwer in Wasser, leicht in Alkohol, noch leichter in Äther. Der chem. Konstitution nach ist C. der Methylester einer Säure des Benzoylecgonins, C16H19NO4 ^[C<sub>16</sub>H<sub>19</sub>NO<sub>4</sub>], das neben dem C. in den Kokablättern vorkommt. Beim Kochen mit Alkalien oder Säuren zerfällt das Benzoylecgonin in Benzoesäure und Ecgonin, C9H15NO3 ^[C<sub>9</sub>H<sub>15</sub>NO<sub>3</sub>], das als eine β-Oxypropionsäure aufzufassen ist, in der ein Wasserstoffatom durch einen am Stickstoff methylierten Tetrahydropyridinrest erfetzt ist. Die ganze Formel des C. würde demnach die folgende sein:

C5H7N(CH3).C(OCO.C6H5).CH2.COOCH3.

Es ist für die Fabrikation des C. wichtig, dah man dasselbe aus dem Benzoylecgonin und dem Ecgonin durch Einwirkung von Methylalkohol und von Benzoylchlorid synthetisch wieder darstellen kann. Das C. bildet mit Säuren meist krystallisierbare, in Wasser leicht lösliche, schwach bitter schmeckende Salze, von denen das salzsaure Cocaïnum muriaticum s. hydrochloricum, C17H21NO4.HCl ^[C<sub>17</sub>H<sub>21</sub>NO<sub>4</sub>.HCl], neuerdings eine sehr ausgedehnte therapeutische Verwendung findet und nach Vorschrift des Arzneibuchs für das Deutsche Reich in den Apotheken vorrätig gehalten wird. Dasselbe bildet ein weißes, krystallinisches, schwach sauer reagierendes Pulver, welches sich leicht in Wasser und Weingeist löst. Das C. gehört zu den narkotischen Mitteln. Innerlich genommen, steigert es in kleinen Gaben ähnlich wie das Opium und der ind. Hanf die Funktionen des Gehirns und bewirkt Aufheiterung, Abnahme des Schlaf- und Nahrungsbedürfnisses, das Gefühl von Leichtigkeit und erhöhter Arbeitsfähigkeit, sodaß anhaltende geistige oder Muskelarbeit ohne Ermüdung verrichtet wird, während es in größern Gaben die Hirnfunktionen herabsetzt und Müdigkeit, Schlaf und Betäubung erzeugt. Man verordnet es mit Vorteil als stimulierendes Mittel bei verschiedenen Schwächezuständen, auf anstrengenden Märschen und Bergbesteigungen, gegen nervöse Dyspepsie, Kolik, Erbrechen der Schwangern und Seekranken, sowie zur Behandlung von Morphiumsüchtigen und Alkoholisten. Größte Einzelgabe ist 0,05 g, größte Tagesgabe 0,15 g.

Ungleich wichtiger ist seine äußerliche Anwendung als örtlich anästhesierendes und schmerzstillendes Mittel, wodurch es sich sehr schnell als ein ganz unentbehrliches Heilmittel eingeführt hat. Wenn man die äußere Haut oder eine der verschiedenen zugänglichen Schleimhäute (Auge, Nase, Mund, Rachen, Kehlkopf, Scheide, Mastdarm) mit einer zweiprozentigen oder noch besser mit einer konzentriertern (10-20prozentigen) Cocaïnlösung bepinselt oder beträufelt oder in die Haut einspritzt, so tritt sehr rasch durch Lähmung der peripheren Enden der sensiblen Nerven eine vorübergehende Anästhesie der betreffenden Partien ein, während welcher operative Eingriffe ohne jedwede Schmerzempfindung des Kranken ausgeführt werden können. Zu Einspritzungen in die Haut benutzt man am besten schwache (1-2prozentige) Lösungen. Außer dieser örtlichen Anästhesie macht sich auf der bepinselten Schleimhaut infolge Verengerung der peripheren Gefäße eine deutliche Erblassung, bei Einträufelung in das Auge eine vorübergehende Erweiterung der Pupille bemerkbar. Man bedient sich dieser anästhesierenden Wirkung des C. in allen jenen Fällen mit dem größten Nutzen, in denen die Chloroformnarkose entweder gar nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten angewendet werden kann, so besonders bei kleinern Operationen an der Haut, in der Augenheilkunde, bei laryngoskop. und rhinoskop. Untersuchungen und Operationen, in der Ohren- und Zahnheilkunde sowie gegen schmerzhafte Wunden, Geschwüre, Verbrennungen der Haut, heftige Nervenschmerzen u. dgl.

Wie alle narkotischen Mittel, führt auch das C. bei fortgesetzter mißbräuchlicher Anwendung zu schwerer körperlicher und geistiger Zerrüttung. Man pflegt diesen Zustand, der manche Ähnlichkeit mit der Morphiumsucht hat, als Cocaïnsucht oder Cocaïnismus zu bezeichnen. Derartige Kranke magern bei unverminderter Nahrungsaufnahme außerordentlich schnell ab, nehmen eine bleiche, fast leichenähnliche Gesichtsfarbe an und werden bei dem Versuch, ihnen das gewohnte C. zu entziehen, von Herzklopfen, Herzschwäche, Dyspnoe und Ohnmacht befallen. Bei fortgesetztem Cocaïngebrauch stellen sich dann bald Schlaflosigkeit, Abnahme des Gedächtnisses und der Willenskraft, Gesichtshallucinationen und vorübergehende psychische Verwirrungen, schließlich voll- ^[folgende Seite]

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