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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cochinchina
gang in der Regel durch Sand- und Morastbänke
versperrt, auf denen nicht mehr als 3-4 m Wasser
steht. Unter den Mekong-Armen ist der nach Mitho
führende Kwa-dai der günstigste, da seine Mündung
Schiffen bis zu 5 ni Tiefgang die Einfahrt gestattet.
Ihm ist aber der Loirap mit dem in ihn mündenden
Flusse von Saigon bedeutend überlegen, da seine
Tiefe selbst bei Ebbe überall bis nach Saigon hin-
auf, wo er noch eine Breite von 400 in hat, für
Dreideckcr genügt. Eine Menge kleinerer Flüsse
und zahllose natürliche Kanäle, welche die Ströme
untereinander und mit dem Golf von Siam im
Westen verbinden, vervollständigen das hydrogr.
Netz (226832 Km) und bedingen durch die Be-
wässerung sowie durch den Absatz von Schlamm
während des.Hochwassers bedeutende Fruchtbarkeit.
Klima. Das Klima ist für nock nicht acclimati-
Mle Europäer wenig gefund. Besonders häufig
uud gefährlich ist Diarrhöe. Im Gebiete der Mon-
sune gelegen, hat das Land während des regen-
bringenden Südwestmonsuns (Mai bis Oktober)
eine wenig schwankende Temperatur von 20 bis 30^.,
zur Zeit des trocknen Nordostmonsuns aber (Oktober
bis April) steigt sie am Tage bis 36° und fällt des
Nachts uicht unter 16". Am stärksten ist die Hitze
im Februar und Anfang März; die Niederschlage
sind am größten im Juni. Die Taifune des Süd-
chinesischen Meers verursachen oft großen Schaden.
Tier-, Pflanzen- nud Mineralreich. Die Fauna
schließt sich genau an die.Hinterindiens an. Von
Raubtieren finden sich Tiger, Panther und klei-
nere Schleichkatzen; nicht selten sind Rhinocerosse,
Elefanten, Wildschweine Krokodile und viele gif-
tige und harmlose Schlangen. Hirsche und Büffel
sind sehr zahlreich; das Federwild ist sehr mannig-
faltig, ebenso die Insekten. Die Flora ist verwandt
mit der Vorindieus und Birmas einerseits und der
malaiischen andererseits; sie bildet mit der von An-
nam, Siam und Kambodscha ein eigenes Gebiet, das
sich durch zahlreiche Clusiaceen, besonders Gummi-
guttbä'ume auszeichuet, aber wenige Palmen enthält.
Wertvolle Mineralien wurden nicht gefunden.
Bevölkerung. Die Bevölkerung des frauzösischen
C. belief sich 31. Dez. 1889 auf 1876 689 (1583 Mann
Truppen), der Mehrzahl nach Annamiten (1660691),
außerdem Kambodschaner 136910, Chinesen 56 988,
Moi 3168, Chams 2504, Malaien 3152, andere
Asiaten 9914, Tagals 101, Indier 843, Europäer
2418 (darunter 2235 Franzosen). Für 1891 wurden
2 034400 E. berechnet.
Kultur und Unterricht, .herrschende Religion ist
der Buddhismus (etwa 1700000). Die Zahl der
eingeborenen kath. Christen beträgt 50000. Die
Mission von C. hat ihren Sitz zu Saigon. Hier
befindet sich ein großes Seminar, und zwei kleine zu
Cholon und Saigon. In den größern Städten sind
Schulen nach europ. Muster, teilweise mit europ.
Lehrern errichtet worden, so (1891) außer 3 Pro-
gymnasien 21 franz. Knaben- und 7 Mädchenschulen
mit 82 franz. und 112 einheimischen Lehrern.
Außerdem gab es noch 301 annamit. Elementar-
schulen und 160 Missionsschulen.
Bodenerzeugnisse. Der Boden wird hauptsächlich
zur Kultur von Neis verwendet, von dem zwei
Drittel ausgeführt werden. Die andern Erzeugnisse
sind mit Ausnahme der Maulbeerbaumpflanzungen
(2000 ba) geringfügig, so Baumwolle, Tabak,Zucker-
rohr u. s. w. Die Wälder enthalten wertvolle Nutz-
hölzer, darunter das Adlerholz (s. Agallocheholz).
Artikel, die man unter E verm
Industrie und Handel. Die Industrie ist unbe-
deutend , erwähnenswert sind Salinen und Fabri-
kation grober Seidenzeuge. Der Handel liegt größ-
tenteils in den Händen der Chinesen. Der Ezport
einschließlich Kambodscha (zu zwei Dritteln Reis,
dann getrocknete und gesalzene Fische, Fischleim,
Baumwolle, Büffelfelle) wertete (1891) 49836070
Frs., der Import (Opium, Seidenwaren, Lein- uud
Baumwollzeuge, Thee) 37 613879 Frs. Trotz der
Einführung franz. Geldes herrscht der merik. Silber-
piaster (3Frs. 90Cent.); Hauptscheidemünze ist die
Sapeke (ein Sechstel Cent.). Es cirkuliert sehr viel
falfches Geld. 1893 wurde der franz. Zolltarif von
1892 mit Abänderungen eingeführt.
Verkehr. Der Wasserreichtum des Landes macht
die Flüsse und Kanäle zum Hauptverkehrsmittel.
Die Frauzosen haben auch der Entwicklung eines
guten Straßennetzes große Aufmerksamkeit zuge-
wandt. Die einzige Eisenbahn ist die 77 Km langc
Strecke von Saigon nach Mitho. Außerdem ver-
bindet eine Straßenbahn Saigon mit Cholon. Das
Land hat ein Telcgraphennetz von (189 l) 2463 km.
Verwaltung. C. ist in 4 Provinzen, Saigon,
Mitho, Vinh-long und Vassac, und war bis zum
12. Jan. 1888 in 21 Arrondissements eingeteilt.
Die selbständige Gemeindeverwaltung, welche die
Franzosen vorfanden, ließen sie größtenteils bestehen,
nur wird die höchste Ortsobrigkeit (annamitisch H'a)
jetzt vom Gouverneur eruannt; die Provinzialver-
waltung und die Iustizpflege wurden dagegen we-
sentlich umgestaltet. Sie unterstehen jetzt dem
"Hohen Rat von Indochina", an dessen Spitze der
Generalgouverneur von Indochina steht; dessen
Untergebener ist der Lieutenant-Gouverneur für C.,
der in Saigon residiert. Die Verwaltuug der Pro-
vinzen und ihrer Unterabteilungen liegt in den
Händen von sog. Iu8p6ct6ur8ä68 IMjr68 inäi^nk",
deren Chef der Direktor des Innern ist. C. ist die
einzige franz. Kolonie, die an das Mutterland all-
jährlich noch Überschüsse abgiebt. Die Hauptein-
nahmen sind Zölle, Personalsteuer und das Opium-
monopol. 1891 kamen auf 6606922 Piaster Ein-
nahmen 4368859 Piaster Ausgaben. Wie unter
ihrer frühern Herrschaft sind auch jetzt die Einge-
borenen militärpflichtig, aber es wird nur eine kleme
Anzahl (2900) nach franz. Muster eingekleidet und
bewaffnet, die meisten stellt man in die Milizen ein,
denen man ihre frühere Organisation und Bewaff-
nung gelassen hat, und die von den Gemeinden unter-
halten werden. Der Sitz des Gouverneurs und der
Oberbehörden ist Saigon (s.d.) mit (1891) 17235,
einschließlich der Vororte 75-80000 E., das seit der
Occupküon durch die Franzosen zu einer wichtigen
Flottenstation geworden ist. Infolge feiner Annexion
von Nieder-Cochinchina wußte Frankreich 1863 auch
das Protektorat über Kambodscha (s. d.) und hier-
durch freien Zugang in das Innere von Hinter-
indien mittels des Mekong-Flusses zu erwerben.
Geschichte. C. war in frühester Zeit ein chiues.
Vasallenstaat, bildete dann einen Teil des König-
reichs Kambodscha und wurde 1658 zum Teil, 1720
völlig von Annam unterworfen. Seine älteste Ge-
schichte ist daher eng mit der jener Reicke verknüpft.
Der Krieg, den Frankreich 1858 gegen Annam (s. d.)
begann, wurde Febr. 1861 nach kurzer Unterbrechung
mit neuen Verstärkungen unter Viceadmiral Charner
wieder aufgenommen. Am 25. Febr. fiel nach hartem
Widerstände die starke Festung Üuin-Hoa bei Saigon,
was die Vertreibung der Annamiten aus der gan-
ißt, sind unter 5t aufzusuchen.