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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Conti (Ort) - Conti (Niccolo dei)
Conti, Ort, s. Conty.
Conti (spr. kongtih), der Titel jüngerer Neben-
zweige des bourbonischen Hauses Conde (s. d.), den
sie von der kleinen, bei Amiens gelegenen Stadt
dieses Namens <s. Conty) führten.
Franz von Vourbon, Prinz von C. (1558
-1614), zweiter Sohn Ludwigs 1., Prinzen von
Conde', kämpfte unter Heinrich IV. gegen die Liga;
seine Gemahlin Louise Margue'rite von Guise (1577
-1631) stand als Witwe mit Bassompierre (s. d.)
in naher Verbindung. Die "Histoii-o ä68 Hinoui-8
clu Zi-anä ^icHiiäi-6" (d. i. Heinrichs IV.; Par. 1652)
ist auf sie zurückgeführt worden.
Armand vonBourbon, Prinz vonC. (1629
-66), der Bruder des großen Conde', gab die geist-
liche Laufbahn, in der er begonnen hatte, auf, nahm
an den Wirren der Fronde (s. d.) teil, erst gegen Conde"
und den Hof, dann mit Conde gegen den Hof; er
wurde 1650 mit seinem Bruder verhaftet und erst
1651 in Freiheit gesetzt. Der Neuausbruch des
Bürgerkrieges rih auch C. zuerst mit, doch söhnte er
sich bald mit dem Hofe aus und heiratete die Nichte
Mazarins, Anne Marie Martinozzi. Er kämpfte
glücklich gegen Spanien, unglücklich 1657 in Italien,
und zog sich seitdem auf das Gouvernement der
Provinz Languedoc zurück, den frommen Übungen
seiner Jugend von neuem hingegeben. Er starb
zu Pszenas. Aus seinem Nachlaß kamen mehrere
Schriften heraus, darunter ein gegen das Theater
gerichteter "Ir^its ä6 1^ comkäie 6t äss ZpsctHcieg"
(Par. 1667).
Sein ältester Sohn und Nachfolger war Louis
Armand, Prinz von C., Graf von Pe'zenas
(1661-85). Ludwig XIV. gab ihm seine Tochter
(von der Lavalliere) Marie Anne von Vourbon,
genannt Mademoiselle de Vlois, zur Gemahlin, eine
der schönsten Frauen ihrer Zeit. Nach Kriegsruhm
dürstend, ging C. mit seinem Bruder und andern
Großen des Hofs nach Ungarn, um gegen die Tür-
ken zu kämpfen. Am Hofe stand er in Ungnade.
Ihm folgte sein Bruder Franc ois Louis,
Prinz von Noche-sur-^)on und'C., geb. 1664.
Unter den Augen des großen Conde' erzogen, zeigte
er viel Neigung für die militär. Laufbahn, erhielt
aber keine Anstellung und ging deshalb mit nach
Ungarn. Infolge des von den Prinzen mit ihren
Freunden am Hofe geführten Briefwechsels, der spöt-
tische Äußerungen über den König und die Frau von
Maintenon enthielt, wurde er nach Chantilly ver-
bannt. Nachdem sich Conds noch auf dem Sterbebette
für seine Begnadigung verwandt hatte, diente C.
unter dem Befehl des Marschalls von Lurembourg
und zeichnete sich durch Tapferkeit bei vielen Gelegen-
heiten aus. Ein Teil der poln. Magnaten wählte
ihn 1697 zum König von Polen. Er reiste bis nach
Danzig, kehrte aber zurück und entsagte der Krone,
als er sah, daß er gegen seinen Rivalen, Kurfürst
August von wachsen, nicht aufkommen konnte. Er
erhielt nun das Gouvernement von Languedoc und
1703 den Oberbefehl über das bedrängte franz.
Heer in Italien; doch vermochte auch C. wenig aus-
zurichten. Er starb 1709, als er eben das Kommando
der flandr. Armee übernommen hatte.
Louis Francois, Prinz von C., der Enkel
des letztern (1717-76), führte 1744 das Oberkom-
mando in Piemont, 1745 machte er den Feldzug in
Deutschland mit und im folgenden Jahre den in
Flandern, wo er Mons und Charleroi einnahm.
Nach dem Frieden setzte er sich in Opposition gegen
Artikel, die man unter C vermi
den Hof, sodaß ihn Ludwig XV. nicht mehr anstellte.
Unter dessen Negierung griff er Maupeou, unter
der folgenden Turgot heftig an. Er lebte ver-
schwenderisch und starb in Schulden.
Sein SohnLouis Francois Joseph, Prinz
von C., geb. 1734, zog sich', nach kurzer militär.
Laufbahn, ins Privatleben zurück und lebte unter
Ludwig XVI. vom Hofe entfernt. 1789 wanderte cr
in fchroffem Gegensatz mit der Revolution aus, kehrte
aber 1790 nach Frankreich zurück, wurde 1793
verhaftet, 1795 wieder entlassen und nach dem
18. Fructidor (4. Sept. 1797) verbannt. Er starb
13. März 1814 zu Barcelona: mit ihm erlosch dis
legitime Linie des Hauses C.
Aufsehen erregten Ende vorigen Jahrhunderts
die 1797 zu Paris in 2 Bänden erschienenen "^Ie-
inoii-68" einer "Prinzessin von C." Diese (Amslie
Gabrielle Stephanie Louise) natürlicheTock-
ter des Prinzen Louis Francois wurde danach kurz
vor der Zeit, wo der König sie als legitime Tochter
ihres Vaters anerkannte, von ihren nächsten Anver-
wandten in eine kleine Provinzialstadt entführt und,
noch unmündig, mit Gewalt an einen ihr wider-
wärtigen Menschen verheiratet, durch den sie meh-
rere Jahre die unwürdigste Behandlung erdulden
mußte, bis es ihr gelang, eine Nichtigkeitserklärung
ihrer Ehe beantragen zu können. Als ihr Lehrer
erscheint Rousseau. Ihre Leiden, die auch nach der
Auflösung ihrer Ehe nicht enden, sowie ihre ans
Wunderbare streifenden Abenteuer bilden den In-
halt jener durchaus unzuverlässigen Memoiren, die
Goethe den Stoff zu seiner "Natürlichen Tochter"
gegeben haben. - Vgl.Varthe'lemy, 1^3. princ6386 ä6
0. li'^preg 8^ oorr68p0iiäHQe6 ineäite (Par. 1875>.
Conti, Augusto, ital. Philosoph, geb. 4. Dez.
1822 in Villa di San Piero bei San Miniato in
Toscana, kämpfte als Freiwilliger 1848 gegen die
Österreicher und wurde dann Professor der Philo-
sophie in San Miniato, wo er nebenher Advokaten-
praxis ausübte. Nach verschiedenen Beförderungen
wurde er 1864 an das Istiwto äi supLi-iori 3w-
äii in Florenz als Professor der ^ilosotia. r^iou^
6 M0I-H16 berufen. Seine Hauptwerke sind: "II
V6I-0 U611'0i-äiu6" (2 Bde., Flor. 1876), "I^'^r-
mouiii ä0il6 0086" (2 Bde., ebd. 1878-, am Schluß
ein kurzer Abriß seines Systems), "II dkiio nei
V6I-0" (2 Bde., ebd. 1884), "II duouo nei vßro"
(2 Bde., ebd. 1884). Seine Philosophie ist ein kirch-
licher Eklekticismus, dessen Bestrebungen sich vor
allem gegen den Skepticismus richten. Als Wahr-
heitskriterien sieht er an: die natürliche Evidenz,
den 86U8U8 coinnnmis und die heilig gehaltene
Überlieferung. Aufgabe der Philosophie ist, die
intclligible Ordnung in den Dingen zu erfassen,
welche in Gott ihre letzte Nrsache hat; d'ieie Ord-
nung und die Vielheit der Dinge bringt er mit
Platonischen Ideen (Urbildern, die in Gott sind) in
Verbindung und betrachtet alles unter den idealen
Apprehensionen des Wahren, Schönen und Guten.
- Vgl. Werner, Die ital. Philosophie des 19. Jahrb.,
Bd. 3 (Wien 1885).
Conti, Niccolo dei, Reisender, ging zu Handels-
zwecken frühzeitig nach Damaskus, von dort 1424 mil
einer Karawane nach Arabien und Persien, besuchte
Bagdad und Vasra und segelte von da nach Vorder-
indien. Dann durchzog er die Halbinsel, gelangte
weiter nach Ceylon und drang bis Sumatra vor,
besuchte auf dem Rückwege die Küstenländer Hmter-
indiens am Bengalischen Meerbusen, ging noch ein-
sind unter K aufzusuchen.