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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Conularia - Convolvulus

Kammgarnspinnerei und eine Papierfabrik. Im 17. Jahrh. war C. ein Fürstentum, von welchem ein jüngerer Zweig der Familie Bourdon-Condé den Namen Conti führt.

Conularĭa Goldf., eine fast ausschließlich paläozoische Schneckenform mit vierkantigem, spitz konischem, meist quergestreiftem Gehäuse, welche wahrscheinlich den Pteropoden oder Seeschmetterlingen unter den lebenden Formen am nächsten kam und durch Spuren von Kammerung des Gehäuses bemerkenswert ist.

Conūrus, eine Papageiengattung aus der Familie der Keilschwanzsittiche (s. d.); zu ihr gehört unter andern der Karolinensittich (s. d.).

Coenūrus, s. Bandwürmer (Bd. 2, S. 364 a).

Conus (lat.), Kegel (s. d.), in der botan. Terminologie ein kegelförmiger Frucht- oder Blütenstand (s. d.), wie er z. B. bei den Nadelhölzern vorkommt. Häufiger wird diese Art des Blüten- oder Fruchtstandes als Zapfen (Strobilus) bezeichnet. Auch die Gattung der Kegelschnecken (s. d.) heißt C.

Conus arteriōsus, s. Knorpelfische.

Conus hebraeus L., s. Bauernmusik.

Convallamarīn, s. Convallaria.

Convallarĭa L., Pflanzengattung aus der Familie der Liliaceen (s. d.) mit nur einer einzigen, in der nördlichen gemäßigten Zone der Alten und Neuen Welt verbreiteten Art: der in Deutschland in schattigen Wäldern häufigen C. majālis L., Maiglöckchen, Maischellchen, Maiblümchen, Maililie, Zauke, Zäupchen. Die Blüten derselben haben einen sehr angenehmen Geruch, die Beeren sind scharlachrot. Wurzel, Blätter und Blüten enthalten ein starkes Glykosid (Convallamarīn) und werden gegen Herzkrankheiten gebraucht. Zur Gattung C. rechnete man früher auch mehrere andere in Deutschland einheimische und Maiblumen genannte Pflanzen; doch hat man diese in neuerer Zeit in der Gattung Polygonatum (s. d.) zusammengefaßt.

Conventĭo in manum (lat.), nach altröm. Recht der Akt der Verehelichung, mit dem die Tochter eines Bürgers aus der väterlichen Gewalt (patria potestas) in die Gewalt (manus) ihres Gatten übergeht. Er geschah in der Form der coëmtio in manum (s. d.) oder der confarreatio (s. d.).

Conversāno, Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Bari, 8 km vom Adriatischen Meere, auf einem Hügel gelegen, ist Sitz eines Bischofs, hat (1881) 11890 E., ein Schloß, eine schöne Kathedrale, Handel mit Wein, Öl, Mandeln, Flachs und Baumwolle. C. soll von Etruskern gegründet sein.

Convivĭum (lat.), Schmaus, Gelage.

Convocation (engl., spr. -wokehsch’n), s. Konvokation.

Convoi, Convoy (frz., spr. kongwŏá), Geleit, Schutzbedeckung (s. Bedeckung, militär.). Früher nannte man C. auch die Kriegsschiffe, die einer Kauffahrerflotte zum Schutz gegen feindliche Angriffe oder Seeräuber beigegeben waren. Die Erkenntnis, daß das Gemeinwesen so bedeutende Verluste, wie sie die Reederei durch das Aufbringen von Handelsschiffen erleidet, notwendig mit empfinden müsse, hat den Convoizwang erzeugt, vermöge dessen den Kauffahrern in Kriegszeiten das Absegeln auf eigene Gefahr bei Strafe und Verlust des Versicherungsanspruchs untersagt und der Anschluß an die von der Regierung geordneten C. sowie die Befolgung der vom Befehlshaber ausgehenden Signale zur Pflicht gemacht wurde. Einrichtungen dieser Art finden sich schon in den hanseat. Recessen und in genues. Verordnungen aus dem 15.Jahrh.; weiterhin haben Frankreich und besonders England das Convoiwesen entwickelt. In Deutschland unterhielt Hamburg im 17. und 18. Jahrh. mehrere Convoi-Fregatten. Die Erfahrungen am Ende des 18. Jahrh. waren dem System nicht günstig. Der Handel erträgt nur ungern den Befehl, mit der Befriedigung seiner Bedürfnisse auf das Zustandekommen eines C. zu warten. Außerdem machen die langsamen öffentlichen Vorbereitungen einer solchen gemeinschaftlichen Fahrt den Feind aufmerksam und ermöglichen ihm den Überfall mit stärkern Streitkräften. In der Neuzeit hat die Einführung des Dampfes das Convoiwesen gänzlich beseitigt. – In Rußland ist C. (russ. konvoj) die Leibwache des Kaisers, s. Leibgarde-Kosaken.

Convoiwache, in Rußland eine Truppe zur Bewachung und Geleitung von Strafgefangenen. Sie besteht aus etwa 600 Convoikommandos von sehr verschiedener Stärke und untersteht dem Ministerium des Innern, in rein militär. Angelegenheiten aber den Lokalbrigaden (s. d.). Ihre Gesamtstärke beläuft sich rund auf 100 Offiziere und 11000 Mann.

Convolvulacēen (Convolvulacĕae), Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Tubifloren (s. d.) mit gegen 800 über die ganze Erde verbreiteten Arten. Die Mehrzahl findet sich in den wärmern Ländern; in der kalten Zone und alpinen Gegenden sind sehr wenige heimisch. Es sind meist krautartige Pflanzen oder Sträucher, seltener Bäume; ein großer Teil ist windend oder kletternd, nur wenige besitzen aufrechte Stämme. Sie haben Blüten mit Kelch, meist trichterförmiger Blumenkrone, fünf Staubgefäßen und einem oft an seiner Spitze zweispaltigen Griffel. Die Blüten stehen meist in geringer Anzahl beisammen und sind lebhaft, aber sehr verschiedenartig gefärbt, weshalb sehr viele Arten Zierpflanzen sind, so Convolvulus (s. d.), Ipomoea (s. d.) u. a.

Convolvulīn oder Rhodeoretin, C31H50O16 ^[C<sub>31</sub>H<sub>50</sub>O<sub>16</sub>], der in Äther unlösliche Teil des Jalapenharzes, besteht aus einem Glykosid und spaltet sich bei der Einwirkung von Säuren oder von Emulsin in Convolvulinöl, C13H24O3 ^[C<sub>13</sub>H<sub>24</sub>O<sub>3</sub>], und Traubenzucker.

Convolvŭlus L., Winde, Pflanzengattung aus der nach ihr benannten Familie der Convolvulaceen (s. d.) mit gegen 150 über die ganze Erde verbreiteten Arten; es sind größtenteils krautartige Gewächse, seltener Halbsträucher; die meisten haben windende Stengel, nur einige wenige zeigen einen nicht schlingenden, aufrechten Stamm. Die Blumenkrone ist, wie bei den meisten andern Convolvulaceen, trichterförmig. Die Blüten stehen einzeln oder zu drei auf langen, blattwinkelständigen Stielen. Die Blätter sind abwechselnd gestellt, einfach, gestielt, ohne Nebenblätter. Von einheimischen Pflanzen gehören zu dieser Gattung die Ackerwinde (C. arvensis L.), ein bekanntes, höchst lästiges Unkraut der Felder und Gärten, mit schlingendem Stengel, spießförmigen Blättern, einblütigen Stielen, an welchen zwei Deckblätter, von der Blüte entfernt, stehen, und mit 2‒3 cm langen, rötlichweißen Trichterblumen, und die Zaun- oder Heckenwinde (C. sepĭum L.), eine in Gebüschen, Hecken, namentlich auf feuchtem Boden (an Fluß- und Teichufern) häufig vorkommende, schlingende und sehr hoch steigende Art mit pfeilförmigen Blättern und sehr großen, schneeweißen Trichterblumen, deren Kelch von zwei großen, herzförmigen Deckblättern umschlossen ist. Die Windenarten mit einem von

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