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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Cornutin; Cornutus; Cornwall

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Cornutin - Cornwall (Grafschaft)

Sie haben in der Regel gegenständige, stets ganze und ganzrandige Blätter und in Dolden und schirmförmige Trugdolden gestellte weiße oder gelbe Blüten. Die Frucht ist eine längliche, meist beerenförmige Steinfrucht mit zweifächerigem Kern. Zu dieser Gattung gehört der Korneliuskirschen- oder Kornelbaum (C. mas L., s. Tafel: Umbellifloren II, Fig. 5), auch Dürrlitze und Herrlitze genannt, ein kleiner, meist krummschäftiger Baum von 6 bis 8 m Höhe und 8 bis 10 cm Stärke bei einem Alter von 20 bis 25 J. Oft ist derselbe nur strauchig. Die goldgelben Blüten erscheinen im ersten Frühling vor dem Laubausbruch und sind in kopfförmige, von vier großen gelblichen Hüllblättern umgebene Dolden gestellt. Die Blätter sind kurz gestielt, eiförmig zugespitzt, die hochrot gefärbten Steinfrüchte über 2,5 cm lang, von angenehm säuerlich-süßem Geschmack. Man kann sie roh und in Zucker eingemacht essen; in der Türkei bereitet man aus ihnen verschiedene wohlschmeckende Gelees und Sirupe. In Griechenland und Ungarn benutzt man dieselben vielfach zur Herstellung von Liqueuren. Das überaus feste, feinfaserige und schwere Holz ist namentlich von den Uhrmachern sehr gesucht, indem es vorzugsweise zu dem hölzernen Räderwerk der Wanduhren benutzt wird. Außerdem verwendet man dasselbe zu Radkämmen, Pressen, Walzen und musikalischen Instrumenten. Die geraden jungen Stämme und Stocklohden geben gute Stöcke ab. Berühmt sind seit langer Zeit die in Jena in großer Menge gefertigten, früher bei den Studenten, namentlich den Jenensern, sehr beliebten wuchtigen Ziegenhainer, nach dem Dorfe Ziegenhain bei Jena benannt. Zu ähnlichen Zwecken, namentlich auch zu Peitschenstöcken und Pfeifenröhren, wird das Holz des viel häufiger wild wachsenden Hartriegels (C. sanguinea L.) benutzt, eines oft auch baumartig werdenden Strauchs mit ähnlich geformten Blättern, dessen weißgefärbte, in große, hüllenlose, schirmförmige Trugdolden gestellte Blüten nach dem Laubausbruch erscheinen. Die im Herbst reifenden Früchte sind kugelig, erbsengroß, schwarz. Der Hartriegel wächst fast überall an Waldrändern und in lichten Laubgehölzen auf frischem, humosem Boden, während die Korneliuskirsche bei uns vorzugsweise kultiviert und nur selten wild vorkommt. Mit dem Hartriegel, der seinen wissenschaftlichen Beinamen (der blutrote) von der roten Farbe der Zweige im Winter erhalten hat, ist nahe verwandt der nordamerikanische C. alba Wagenh., der sich vorzüglich durch weiße, beerenartige Früchte von dem einheimischen Hartriegel unterscheidet. Er gehört zu unsern gemeinsten Ziersträuchern und hat im Winter noch viel schönere blutrot gefärbte Zweige als der einheimische. Eine der schönsten buntblätterigen Formen ist C. Spaethi, mit lebhaft goldgelben Blättern. Auch von C. mas und C. sanguinea giebt es mehrere Formen mit gelb und weiß gezeichneten Blättern. Eine andere schöne nordamerik. Art ist C. florida L., ein Baum von 7 bis 10 m und mehr Höhe, dessen nach dem Laubausbruch sich entwickelnde, sehr kleine, grünliche Blütendolden von vier großen, kreuzweise gestellten, schneeweißen Deckblättern, die eine scheinbare Blume bilden, umgeben sind. Auch von dieser Art wird das Holz, das eine schöne schokoladenbraune Farbe besitzt, zu Drechslerarbeiten u. s. w. verwendet. Alle Arten lieben einen nahrhaften, humusreichen Boden und werden leicht durch Stecklinge vermehrt.

Cornutin, ein im Mutterkorn von Kobert entdecktes Alkaloid, dessen Reindarstellung bisher noch nicht geglückt ist. Dasselbe wirkt stark gefäßverengend und findet in der Heilkunde bei Unterleibsblutungen Anwendung.

Cornutus, L. Annäus, auch Phurnutus genannt, röm. Philosoph der stoischen Schule, Lehrer und Freund des Satirikers Persius, lebte um die Mitte des 1. Jahrh. n. Chr. in Rom. Er schrieb ein griech. Werk über das Wesen der Götter, worin er die der stoischen Schule eigentümliche allegorische Ausdeutung der volkstümlichen Mythologie im physik. und moralischen Sinne niederlegte. Dasselbe ist von Fr. Osann (Gött. 1844) herausgegeben.

Cornwall (spr. -wahl), die südwestlichste Grafschaft von England, grenzt im O. an Devonshire, auf allen andern Seiten an den Ocean, hat 3495 qkm und (1891) 322 589 E. Die Küste ist vielfach gegliedert, das vulkanische Kap Lizard (mit Leuchtturm) und das granitische Landsend sind die südwestl. Vorgebirge Englands. Wie die gegenüberliegende Bretagne erscheint die Halbinsel als ein Berg- und Hügelland, zusammengesetzt aus öden Felsplatten, überhöht von kahlen Felsrücken, und an den Kanten ausgezackt. Das vorherrschende Gestein ist devonischer Kalkstein, von Granit und Trapp durchbrochen. Der höchste Punkt (415 m) ist Brown-Willy (ursprünglich Bryn-uhella, d. i. höchster Hügel). Die tiefen Küstengegenden genießen die Vorzüge eines äußerst milden Seeklimas, die mittlere Jahreswärme ist 12,5° C., die Winterwärme 9,4°, die Sommerwärme 15,75° C., die Myrte überwintert im Freien, Pomeranze, Wein und Aprikosen überdauern die Winter. Die Winde sind sehr heftig und wechselnd; die Luft ist sehr feucht, die Ernten daher spät. Einzelne Thäler sind außerordentlich fruchtbar. Die höhern Bergebenen zeigen sich rauher. Weit ausgedehnte Moorstrecken sind hier nicht selten, und die Weiden eignen sich nur zur Schafzucht. Reich ist C. an Mineralien, besonders an Kupfer, Silber, Blei und Zinn, welches letztere einst ganz England den Namen der Zinninseln (Kassiteriden) einbrachte. Die reichsten Kupfergruben liegen zwischen der Stadt Truro und dem Kap Landsend. Zinn wird vornehmlich bei Redruth und Helston gefunden. Auch Seifenstein und Porzellanthon gelangen zur Ausfuhr. Im ganzen beschäftigt der Bergbau neun Zehntel der Bevölkerung. Doch macht sich infolge der amerik. Konkurrenz (Nevada) ein Rückgang des Grubenbetriebes bemerkbar. Daneben wird Schiffahrt und Fischfang (Pilchard) getrieben. Der cornische (keltische) Typus der Bevölkerung ist kenntlich an den schwarzen Haaren, dunkeln Augen, länglichem Gesicht und der braunen Gesichtsfarbe. (S. Cornische Sprache.) Zu C. gehören auch die Scilly-Inseln. Hauptstadt ist Bodmin (s. d.). Der beste Hafen ist Falmouth und der Mittelpunkt des Bergbaues und Zinnhandels Redruth. C. sendet 4 Abgeordnete in das Parlament, 10 andere senden die Städte. Ein Teil der Grafschaft ist seit Eduard III. (1330) unter dem Titel eines Herzogtums Eigentum des Prinzen von Wales. C. hatte ursprünglich eigene Herrscher, bis es unter Egbert 823 zu England kam. - Vgl. Tregellas, Tourist's guide to C. and the Scilly Isles (Lond. 1887); De la Beche, Report of the geology of C. (1839); Boase und Courtney, Bibliotheca Cornubiensis (3 Bde., Lond. 1874-81); ders., Collectanea Cornubiensia, Notes on C. (1891).

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]