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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Corpus legum - Correggio
Nach dem Vorbilde des C. ^. dvilig wurden im
Mittelalter, zuerst auf dem Konzil zu Basel, die haupt-
sächlichsten kirchlichen Rechtsquellen (Osci-ewin
tti-Htiaui, I^idsr ^xtiH, I^idsi' 86xw8, Clementinen,
Nxtrg.vHFÄQt68, s. diese Artikel) zusammengefaßt zum
0. ^. eanonloi. So steben dieselben nock heute im
theoretischen und praktischen Gebrauch. Die wich-
tigsten Ausgaben sind von Vöhmer l2 Bde., Halle
1747), L. E. Richter (2 Bde., Lpz. 1833 - 39) und
besonders die neueste von Friedberg (2 Bde., ebd.
1876-82), bearbeitet auf Grund eines bedeutenden
kritischen Quellenapparates. Das vecrewin l3i-a-
tiNui bildet den ersten, die Dekretalensammlungen
den zweiten Teil des 0.^. canouici. sVal. Schulte,
Geschichte der Quellen und Litteratur des kanonischen
Rechts, 3 Bde., Stuttg. 1875-80.) Ebenso wie das
0. ^. civiNs wurde auch das 0. H. canoniei glossiert
und es stellte sich schließlich eine Flossa. oräinai-iH her,
deren einzelne Bestandteile verfaßt oder redigiert
sind von Ioannes Teutonicus (vscrewui), Ber-
nardus Parmensis (Nxtrg.), Ioannes Andreae (8sx>
tU3 UNd ()i6M6UtiQa6).
Oorpus leß^iin, s. Vraok^ioFus ^'uri3 oivili8.
<7v7'/'., bei bot. Namen Abkürzung für I. F.
Correa de Serra, geb. 5. April 1751 zu Serpe
(Portugal), gest. 11. Sept. 1823 zu Caldas.
Eorral (span., "Hof"), in älterer Zeit in Spanien
Benennung des Theaters, weil man dieses ursprüng-
lich vielfach in geeigneten Höfen einrichtete, und auch
in den Neuanlagen das Parterre nur mit Leinwand
bedeckt wurde. Die Bühne ftadlaäo) war im Hinter-
gründe des Hofraums aufgeschlagen; dieser selbst
bildete das Parterre (patio), das sich amphithea-
tralisch (mittels ßi-aäa^, "Stufen") zu den Fenstern
(v6ntaiia8) der den Hofraum umschließenden Ge-
bäude erhob. Diese selbst bildeten die Logen. An-
fangs war nur die Bühne bedeckt, später waren es
auch die ßi-Häag. In den festen Theatern (die ersten
wurden in Madrid 1579 und 1582 erbaut) unter-
schied man weiter die dNiic08 (Parkettsitze), die für
die Frauen gegenüber der Bühne reservierte ca^usia,
und zwei Logenreihen, die NpoLkutos und ä68vkM6L.
Eorral, Hafen von Valdivia (s. d.).
Correggio (spr. -röddscho), Stadt in der ital.
Provinz und im Kreis Reggio nell'Emilia, an
der Linie Reggio-Carpi der Bahnen von Reggio
nell' Emilia, steht durch einen Kanal mit der Secchia
in Verbindung, hat (1881) 2938, als Gemeinde 12 587
E. C., einst Hauptstadt des Fürstentums Soro, ist
Geburtsort des Malers Antonio Allegri genannt C.
Correggio (spr. -rsddscho), Antonio da, einer
der größten ital. Maler, geb. um 1494, gest. 5. März
1534, hieß eigentlich Allegri, nannte sich aber
nach seiner Geburtsstadt Correggio (s. d.). Die
Anfänge seines Stils deuten darauf hin, daß die
Schule Mantegnas auf seine Kenntnisse in der
Perspektive, die Leonardo da Vincis auf den seeli-
schen Ausdruck und Melozzo da Forli auf die Ge-
schicklichkeit in Verkürzungen Einfluß hatten. Nach
neuern Forschungen (besonders Vigis) soll Antonio
Bartolotti (gest. 1527) oder nach andern Francesco
Vianchi in Modena einer seiner ersten Lehrer ge-
wesen sein. Als C. einst ein Gemälde Raffaels
erblickte, soll er ausgerufen haben: "^uok'io 30110
pittoi-6!" ("Auch ich bin ein Maler!"). Mag dieser
Ausspruch nun wahr sein oder nicht, auf seinem
Gebiete steht er den größten Meistern ebenbürtig
zur Seite und erschloß eine neue Bahn für die
Kunst. Seine Kunstmittel sind erstens in der Zeich-
Nrtilel. die man unter E ver
nung die Verkürzungen, welche die Anmut und Be-
weglichkeit seiner Gestalten unterstützen; zweitens
in der Farbe das Helldunkel, worin er unübertreff
licb ist. Als früheste Gemälde C.s betrachtet man
einzelne Madonnenbildchen (in den Nfsizien zu Flo-
renz, im ^Iu860 municipale daselbst, im Museum
von Pavia), die auf eine unmittelbare Beziehung zu
Francia hinweisen. Für diese spricht auch sein erstes
größeres Werk: das 1514 für den Hauptaltar der
Kirche des heil. Franciscus in Carpi begonnene
Madonnenbild (jetzt in der Dresdener Galerie). Zu
seinen ersten Freskomalereien gehören die mytholog.
Darstellungen im Convento di San Paolo und in
der Kuppel von San Giovanni Evangelista zu
Parma, jene 1518, diese 1520 begonnen. In der
Wabl und Ausführung der idyllischen Gegenstände
erweist er sich von unerschöpflicher Kraft der Phan-
tasie. In derselben Weise ist die Himmelfahrt Maria
gehalten, mit der er 1526-30 die Kuppel des Doms
zu Parma zierte. Von seinen religiösen Staffelei-
bildern sind die berühmtesten: die sog. Zingarella
(Zigeunerin), gegenwärtig im Museum zu Neapel,
eine Mutter Gottes, der man wegen ihres orient.
Gewandes und des Kopfputzes diesen Namen ge-
geben hat; die Kreuzabnahme, die sog. Madonna
della Scodella lRuhe auf der Flucht), das Martyrium
des heil. Placidus und der Flavia sowie die Ma-
donna mit dem heil. Hieronymus (1527) in der
Gemäldegalerie zu Parma, von wunderbarer Klar-
beit des Lichts, auch unter dem Namen "Der Tag"
bekannt. Ausgezeichnet sind ferner: Die Vermäh-
lung der heil. Katharina (Louvre), Die Flucht nach
Ägypten (UfsiZien), Christus als Gärtner (Madrid),
die Madonna della Cesta (London, Nationalgalerie),
Christus in Gethsemane (London, Apsley House).
Sein Hauptwerk aber ist die Geburt Christi, bekannt
unter dem Namen Die 3^acht(s. Tafel: Italienische
Kunst VII, Fia,. 9), jetzt eine Zierde der Dresdener
Galerie, die reich an Gemälden dieses Meisters ist,
an denen man seine Fortschritte erkennen kann, dar-
unter außer der oben genannten Madonna des heil.
Franciscus die Madonnen des heil. Sebastian und
beil. Georg, beide für Modena gemalt. Die büßende
Magdalena ebendaselbst ist nach neuern Forschungen
nicht sein Werk.
Alle diese Werke beweisen, wie gewaltig dieser
Meister der sinnlichen Schönheit bisweilen auch in
der Bewältigung ernster Gegenstände ist. Am schön-
sten aber zeigen sich C.s Vorzüge in den mytholog.
Gemälden. Hier ist Platz für wonnige Heiterkeit des
Ausdrucks und für Hervorheben der körperlichen
Schönheit, was der Künstler, ohne in Unsittlichkeit
zu verfallen, durch den vollendeten Fleischton und
die anmutige Rundung der schwellenden, weichen
Formen erreicht. Die ausgezeichnetsten Arbeiten
dieser Art sind die für den Herzog Federico Gonzaga
von Mantua gemalten, Io und Leda, die dieser
Kaiser Karl V. zum Geschenk machte. Nachher in
Prag aufbewahrt, wurden die Bilder im Dreißig-
jährigen Kriege eine Beute der Schweden und ge-
langten durch die Königin Christine nach Rom, später
aber nach Paris in den Besitz des Regenten, Her-
zogs von Orle'ans. Der Sohn desselben fand beide
Bilder so verführerisch, daß er die Köpfe heraus-
schneiden ließ und das übrige zu verbrennen befahl.
Doch geschab letzteres nicht; vielmehr gelangten die
Gemälde, mit neuen Köpfen versehen, 1752 in den
Besitz König Friedrichs II. von Preußen. Sie zieren
gegenwärtig die Galerie des Berliner Museums.
mißt. sind unter K aufzusuchen.