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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Couponsteuer - Courant
vorzusehen, daß dieselben sämtlich vorhanden sind.
An einigen Wechselplätzen bilden die fälligen Zins-
coupons mancher dort besonders häufig im Verkehr
befindlichen Obligationen einen regelmäßigen Han-
delsgegenstand, indem sie zu Rimessen (s. d.) nach
ihrem Ursprungslande oder zu Zollzahlungen an
das letztere benutzt werden (Zollcoupons); das
bezieht sich in erster Linie auf russ. Staats- und Wert-
Papiere, welche in Gold zahlbar sind. Daher findet
für solche C. eine selbständige Preisnotierung statt.
Couponsteuer (spr. kupöng-), eine bequeme und
einträgliche Form eines Teiles der Kapitalrenten-
und Einkommensteuer. Ihr Wesen besteht darin, daß
die Steuer auf die Nente oder das Einkommen ans
Zinsen und Dividenden der Obligationen und Aktien
nicht bei den Steuerpflichtigen selbst erhoben wird,
sondern bei dem Emittenten, der sie bei Einlösung
der Zins- und Dividendenscheine (Coupons) von
der auszuzahlenden Summe in Abzug bringt.
Mittels derselben sind die Zinsen und Dividenden
leichter zu ermitteln, als durch die Deklarations-
pflicht. Sie bedingt indes als Teil der Einkommen-
steuer eine Rückerstattung, die praktisch sehr schwer
durchzuführen ist. Zudem trifft sie die ausländischen,
im Besitz von Inländern befindlichen Wertpapiere
nicht, während sie auf der andern Seite auch die
ausländischen Besitzer inländischer Papiere belastet,
was bei kapitalarmen, auf die Heranziehung aus-
ländischen Kapitals angewiesenen Ländern nachteilig
ist. Aus diesem Grunde haben einige Staaten ihren
Rententiteln Steuerfreiheit gewährleistet. Eine Cou-
ponbesteuerung öffentlicher Wertpapiere besteht ge-
genwärtig in Österreich-Ungarn, Italien, Frankreich,
England und Rußland. In Österreich ist die C.
ein Teil der Einkommensteuer. Sie trifft die Aktien
und Obligationen mit Ausnahme der ausländischen
Wertpapiere und derjenigen Staats- bez. Kommunal-
anleihen und Prioritätsobligationen, denen Steuer-
freiheit gewährleistet ist, und mit Ausnahme gewisser,
bei dem Empfänger besteuerten Papiere (Pfand-
briefe der Sparkassen und der Vodcnkreditanstalt,
die nicht steuerfreien Gemeindeanleihen u. s. w.). Der
Steuersatz betrug ursprünglich 5, seit 1859 bez. 1863
7 Proz., ist aber durch Gesetz vom 26. Juni 1868 er-
höht worden, und zwar beträgt er 16 Proz. für die
konsolidierte 5prozentige Silber- und Papierrenten-
schuld, welche sich sonach nur mit 4^ Proz. ver-
zinst, 20 Proz. für die Zinsen der Lottcrieanleihen
von 1854 und 1860, der Steueranleihe von 1864
und für die Entschädigungsrenten für aufgehobene
Gefalle, 10 Proz. für die übrigen Zinsen und Di-
videnden. Die Staatsschuld der im Reichsrat ver-
tretenen Königreiche und Länder (4 Proz. Gold- und
5 Proz. Papierrente) dagegen ist steuerfrei. Ungarn
besteuert die Coupons seiner 5prozentigen Grund-
entlastungsobligationen mit 7 Proz., die 5prozen-
tige Anleihe von 1876 zur Einlösung der ungar.
Ostbahnaktien mit 10 Proz.; die 4prozentige Gold-
rente und die 5prozentige Papierrente dagegen sind
- ebenso wie die Eisenbabnobligationen und Pfand-
briefe - steuerfrei. In Italien besteht nach dem
Gesetz vom 24. Aug. 1877 die C. für die Staatsschuld,
deren Zinsen um die Steuer bei der Auszahlung ge-
kürzt werden, ferner bei den Obligationen der Provin-
zen, Gemeinden, jurist. Personen, Aktien- und Kom-
mandit-Aktiengesellschaften, welche die auf die Zinsen
entfallenden Steuerbeträge an die Staatskasse un-
mittelbar abgeben müssen. Auch der Betrag, um
welchen die Einlösungssumme der betreffenden Pa-
piere den Nennwert übersteigt (Prämien), wird
von der Steuer erfaßt. Ausländifche Wertpapiere
werden von derselben nicht betroffen. Der Steuer-
fuß ist 13,2 Proz., sodaß Italien seine Rentenschuld
statt mit 5, nur mit 4,34 Proz. verzinst. In Frank-
reich belastet die 1872 eingeführte Kapitalrenten-
steuer die Zinsen und Dividenden in- und auslän-
discher Obligationen und Aktien mit einer Abgabe
von 3 Proz., die in der Form der C. erhoben wird;
Staatsanleihen werden davon nicht betroffen. Aus-
ländische Wertpapiere werden besteuert, da die Emit-
tenten einen in Frankreich wohnenden und für die
Stencr verantwortlichen Vertreter haben müssen,
wenn ihre Papiere überhaupt an franz. Börfen
gehandelt werden sollen. In England wird die
Einkommensteuer zum Teil als C. erhoben, nämlich
bei den Zinsen und Renten, die aus der brit. und
ind. Staatskasse oder durch Vermittelung brit. Ge-
schäfte aus Kolonial- und fremden Staats- oder Ge-
sellschaftskassen gezahlt wcrden. Die Steucrentrich-
tung erfolgt bei ausländischen Papieren durch die
betreffenden Zahlstellen, bei inländifchen durch die
betreffenden Kassen. Zinsen von ausländischen Pa-
pieren, für welcke in England keine Zahlstelle besteht,
bleiben steuerfrei. Ferner gehört hierher die Besteue-
rung des Einkommens der Erwerbsgesellschaften;
die Dividende der einzelnen Aktionäre u. s. w. bleibt
in England steuerfrei. Das Ausländern gehörige
Einkommen aus ausländischen Wertpapieren wird
nach den engl. Bestimmungen nicht zur Steuer her-
angezogen, wenn durch Beibringung eines sog. Affi-
davit (s. d.) bewiesen wird, daß dasselbe ihnen gehört
und kein Engländer oder in England wohnender
Ausländer daran Teil hat. Die Höhe des Steuer-
satzes wird jährlich vom Parlament festgesetzt. Nuß -
land führte durch den Ukas vom 20. Mai 1885
a. St. eine Kapitalrentensteuer ein; demgemäß wur-
den vom 1. Juli 1885 an fällig werdende Coupons
von Staatspapieren, Pfandbriefen oder Obligatio-
nen von Eifenbahn- und sonstigen Aktiengesellschaf-
ten, falls nicht vertragsmäßig Steuerfreiheit zuge-
sichert war, um 5 Proz. gekürzt. - Vgl. Wagner, Fi-
nanzwissenschaft II, 8Z.409 fg. und im ".Handbuch der
Politökonomie", hg. von Sch önbcrg, Bd.3, S. 270 fg.
(Tüb. 1891); Hock, Öffentliche Abgaben, S. 18,220:
Hertslets Koupon-Warner (9. Aufl., Verl. 1889);
Friedbcrg im "Handwörterbuch der Staatswissen-
sckaften", Bd. 2, S. 886 fg. (Jena 1891).
Eoupure (frz., fpr. kupühr), Einschnitt, Durch-
stich, Abschnitt, die Unterbrechung der Brustwehr
bezüglich des Wallganges, um an bestimmter Stelle
einen seitlichen Abschnitt zu bilden. Im besondern
wird der Ausdruck C. gebraucht von Cormontaigne
bei der Anordnung eines hohlen Vastions mit Krene-
lierabschnitt. (S. Französische Vefestigungsmanier.)
Oour (frz., fpr. kuhr), Hof, z. V. der Gerichtshof:
d ä'Nmmn- (spr. dammuhr), Liebeshof (s. d.). Beson-
ders bezeichnet 0. dcn fürstl. Hof und die Versamm-
lung der hoffähigen Personen an demselben, um ihre
Aufwartung zumachen; Cour-Tage, Tage, an
welchen solche Versammlungen stattfinden: cour-
fäbig, hoffähig, zum Zutritt bei Hofe berechtigt.
Cour, Physiker, s. La Cour.
Courage (frz., spr. kurahsch'), Mut.
Couraut (frz., spr. kuräng, d. i. monn^is oou-
rante, "umlaufende Münze"), Kurant, Korrent,
nach dem jetzigen Gebrauche des Wortes diejenige
Mnnzsorte, die unbeschränkt mit ihrem Nennwert
in Zahlung zu nehmen ist. In den Ländern der
Artikel, die man unter E vermißt, sind unter K aufzusuchen.