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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cranbrook - Cranmer
Zeit; das Altarbild der Stadtkirche zu Weimar,
sein letztes Werk. Zwei Kirchen von Innsbruck be-
sitzen von ihm Madonnenbilder; die Paulinerkirche
zu Leipzig hat von ihm: Christus, die Kindlein seg-
nend. Außerdem finden sich im Städtischen Museum
daselbst u. a. noch das merkwürdige Bild eines Ster-
benden, und Christus und die Samariterin. Andere
Bilder von ihm sind in der Pinakothek zu München,
z. V. die Ehebrecherin vor Christus; in der ständi-
schen Galerie zu Prag befindet sich eine Darstellung
des Sündenfalls, in der Eremitage zu Petersburg:
Venus und Amor, im Museum zu Vraunschweig:
Hercules und Omphale. Die Dresdener Galerie be-
sitzt von ihm 14 Gemälde, darunter: Christi Abschied
von feiner Mutter, Adam und Eva, Ecce Homo.
Auch viele andere deutsche Städte haben C.sche Werke
aufzuweisen. Besonders reich ist das Berliner Mu-
seum: der Iungfernbrunnen, Hercules und Omphale,
Venus und Amor, mehrere Bilder von Adam und
Eva sowie die Porträte von Albrecht von Branden-
burg und Friedrich dem Weisen. Auf der dortigen
königl. Bibliothek wird C.s soq. Stammbuch aufbe-
wahrt, eine Sammlung von Bildnissen in Deckfarben
auf blauem Grunde, die aber vom jüngern C. her-
rühren. Dagegen besitzt Coburg in dem Turnierbuch
des Kurfürsten Johann Friedrich einen Band mit
146 Blättern ausgemalter Federzeichnungen von C.s
des Mern Hand. Seine bekanntesten und historisch
wahrhaft unschätzbaren Werke sind die zahlreichen
Bildnisse, die er von den großen Reformatoren ge-
macht hat. Er lieferte auch acht Kupferstiche und viele
Zeichnungen zu Holzschnitten. - Vgl. Schuchardt,
Lukas C. des Altern Leben und Werke (3 Bde.,
Lpz. 1851 - 71; hierzu 2 Hefte Kupfertafeln, ebd.
1851-58); Warnecke, Lukas C. der Altere (Görl.
1879); M. B. Lindau, Lukas C., ein Lebensbild
aus dem Zeitalter der Reformation (Lpz. 1883);
L. Grote, Lukas C., der Maler der Reformation
(Dresd. 1883).
C. arbeitete mit einer Menge von Schülern, un-
ter denen seine beiden Söhne Johannes und Lukas
Bedeutung haben. Der erstere, Johannes C.,
starb 1536. Der zweite Sohn, Lukas C., geb.
4. Okt. 1515 zu Wittenberg, 1565 daselbst Bürger-
meister, ist bekannt unter dem Namen des jüngern
C. Er war ein trefflicher Kolorist, im Porträtfach
ausgezeichnet und starb 25. Jan. 1586 in Weimar.
Bilder von seiner Hand sieht man in der Dresdener
Galerie, wo außer mehrern Bildnissen der kursächs.
Familie eine Kreuzigung Christi (1573) sich befindet;
ferner im Museum zu Leipzig: Auferstehung Christi
(1554) und Kreuzigung (1557).
Eranbrook (spr. krännbruck), Gathorne Hardy,
Earl, konservativer engl. Staatsmann, geb. 1. Okt.
1814 in Vradford, studierte in Oxford Rechtswissen-
schaft und trat 1856 ins Parlament. Derby er-
nannte ibn 1858 zum Unterstaatssekretär des Innern.
1865 besiegte er Gladstone in einer Auffehen er-
regenden WM für die Vertretung der Universität
Oxford, wurde unter Derby 1866 Vorsitzender des
?0oi- 1.9.^ Voarä und 1867 Minister des Innern.
Seit Gladstones neuem Ministerium Dez. 1868 ge-
borte er zur Opposition, besonders gegen die Ent-
staatlichung der irischen Kirche. Unter Disraeli war
er 1874-78 Kriegsminister, 1878-80 Staatssekre-
tär für Indien; 1878 wurde er zum Viscount C. von
Hemsted erhoben. Unter Salisburys Amtsführung
war er Juni 1885 bis Febr. 1886 Kanzler des
Herzogtums Lancaster und Aug. 1886-92 Lord-
Vrockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl.. IV.
Präsident des Geheimen Rates. Er wurde darauf
Zum Grafen erhoben.
Erane (spr. krehn), Walter, engl. Maler, geb.
15. Aug. 1845 zu Liverpool, war Schüler seines
Vaters, des Porträtmalers ThomasC. (gest. 1859)
und des Malers Linton und lieh sich in London
nieder, wo er sich der Schule der Präraffaeliten an-
schloß, ohne seine eigenartige, selbständig stilisierende
Richtung aufzugeben. Seine besten Ölbilder sind:
Die Geburt der Venus (1877), Raub der Proserpina
(1878), Die Sirenen (1879), Das eilende Schicksal
(1882), Die Brücke des Lebens (1884), Der Taucher
(1885; erhielt auf der Pariser Weltausstellung 1889
eine silberne Medaille), Fliehende Stunden (1887),
Sonnenaufgang (1888), Pandora, Pegasus (1889);
auch seine fein empfundenen Aquarelle sind geschätzt.
Bekannt wurde C. auch in Deutschland durch humo-
ristische Illustrationen von Kinderfchriften und durch
seinen großen Einfluß auf das brit. Kunstgewerbe
als ein durchaus eigenartig und feinsinnig entwer-
fender Musterzeichner. Er veröffentlichte: "kalter
0ran6'3 ^0)5 Ü00K8" (1869-75), "I'icwrs Looks"
(1874-75), "^6 Vad^'g Opera" (1887), "Ids
8II-6N8 "riii-66 " (1886). l^goulets.
Orans^uiniers (frz., spr. kranekinnleh), s. Ar-
vran^on, s. Garneelen.
vraniota., Schädeltiere, sämtliche Wirbeltiere
mit Ausnahme der Lanzettsische (s. d.), welche jenen
als ^ci-ania, Schädellose, gegenüberstehen.
tkra.niotä.'bsI (lat.), abnorme Weichheit der
Schädeltnochen, besonders bei rhachitischen Kindern
(s. Rhachitis).
Vraniuin (lat.), der Hirnschädel.
Cranmer (spr. krännm'r), Thomas, Beförderer
der Reformation in England, geb. 2. Juli 1489 zu
Aslacton in Northampton, studierte zu Cambridge
besonders Griechisch und Hebräisch, wurde 1510
Fellow des Jesus-Kollegiums und in diesem 1524
Lehrer der Theologie, 1526 Examinator. Als C.
sich in der Ehescheidungssache Heinrichs VIII. (s. d.)
dahin ausgesprochen hatte, man möge die Sache nach
der Schrift prüfen und sich auf das Gutachten ge-
lehrter Theologen stützen, statt vom Papste die Ent-
scheidung zu holen, ernannte der König ihn zu seinem
Kaplan und gab ihm den Auftrag, eine Schrift über
die Frage auszuarbeiten. Diese legte C. 1530 in
Rom vor; 1531 wurde er nach Deutschland geschickt,
wo er den Kaiser für die Scheidung zu gewinnen
suchte, mit den Ansichten der Reformatorenvertrauter
ward und die Nichte des Andr. Osiander heiratete.
Vom Könige zum Erzbischof von Canterbury ernannt
(1533), fprach er die Scheidung der königl. Ehe aus,
und als der Papst mit dem Banne drohte, war C.
ebenso zum Widerstände gerüstet wie der König, den
das Parlament zum Oberhaupt der Kirche erklärte
(1534). C. suchte nun durch eindringliche Predigten
und durch Übersetzung der Bibel in die Landessprache
("Die große Bibel", 1539) die Reformation zu be-
fördern, soviel die Willkür des Königs und die Geg-
ner der Neuerung es ihm gestatteten, arbeitete auch
mit an dem neuen evang. Gebetbuch der engl. Kirche
("V00K ol iioiniliks", 1547). Solange er es wagen
durfte, kämpfte er gegen die auf des Königs Ver-
langen vom Parlament festgesetzten fechs Artikel (td6
diooä^ aet), die jeden zum Tode verurteilten, der sich
gegen die Brotverwandlung, Totenmesse, Ohren-
beichte und die Priesterehe erklärte. Nach Heinrichs
Tode (1547) konnte er freier wirken, namentlich
fremde Reformatoren ins Land rufen. Als aber
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