Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

593

Creuzburg – Crewe

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Creuz'

24. Nov. 1724 zu Homburg vor der Höhe, wurde 1746 Hofrat der Regierung von Homburg, 1751 erster Staatsrat und führte als solcher die Rechtsstreitigkeiten seines Fürstenhauses, besonders gegen Hessen-Darmstadt. Er wurde 1756 vom Kaiser zum Reichshofrat ernannt und starb 6. Sept. 1779. Als Dichter machte er sich vorzüglich durch «Die Gräber», ein philos. Gedicht (Frankf. 1760), einen ehrenvollen Namen. Wie hier der Einfluß von Youngs «Nachtgedanken», so macht sich in seinen «Oden und Liedern» (ebd. 1750, 1752, 1753) der Einfluß Hallers bemerkbar. Sein Trauerspiel «Der sterbende Seneca» (ebd. 1754) ist in Gottschedschem Geschmack geschrieben. Sein «Versuch über die Seele» (2 Bde., ebd. 1753) sucht nachzuweisen, daß die Seele aus Teilen bestehe, die wohl außer einander, aber nicht ohne einander existieren können. – Vgl. C. Hartmann, F. K. K. Freiherr von C. und seine Dichtungen (Heidelb. 1891).

Creuzburg an der Werra, Stadt im Verwaltungsbezirk Eisenach des Großherzogtums Sachsen-Weimar, 12 km nordwestlich von Eisenach, hat (1890) 1769 evang. E., Post, Telegraph, ein Schloß an der Stelle eines 1170 erbauten Benediktinerklosters, eine Gewerbeschule, ein Soolbad; Dampfmolkerei, Cigarrenfabrik, Gips- und Sandsteinbrüche. Nahebei ein früheres Salzwerk mit dem Rittergute Wilhelm-Glücksbrunn des Herrn von Dreyse-Sömmerda.

Creuzer, Georg Friedr., Philolog und Altertumsforscher, geb. 10. März 1771 zu Marburg, studierte seit 1789 daselbst und zu Jena, habilitierte sich 1799 als Privatdocent in Marburg, wurde 1802 daselbst ord. Professor der Philologie, 1807 ord. Professor der Philologie und der alten Geschichte in Heidelberg, wo er in demselben Jahre das Philologische Seminar gründete. Er legte 1845 sein Amt nieder und starb 16. Febr. 1858 zu Heidelberg. Sein bedeutendstes Werk ist die «Symbolik und Mythologie der alten Völker, besonders der Griechen» (4 Bde., Lpz. 1810–12; 2. Aufl., mit Fortsetzung von Mone, 6 Bde., Darmst. 1820–24; 3. Aufl., 4 Bde., ebd. 1836–43). Zuerst trat ihm G. Hermann, heftiger aber J. H. Voß entgegen, jener in den «Briefen über Homer und Hesiod» (Heidelb. 1818), dann in einem Briefe an C. «Über das Wesen und die Behandlung der Mythologie» (Lpz. 1819); dieser in der «Antisymbolik» (Stuttg. 1824–26). Auch Lobeck bekämpfte zuletzt C.s Ansichten im «Aglaophamus» (2 Bde., Königsb. 1829). C.s bedeutendste philol.-kritische Arbeit ist die Ausgabe von Plotins «Opera omnia» (3 Bde., Oxf. 1835). Mit Moser gab er mehrere Schriften Ciceros, mit Boemel den Kommentar des Proclus zu Platos «Alcibiades I.» heraus. Ferner schrieb er: «Die histor. Kunst der Griechen in ihrer Entstehung und Fortbildung» (Lpz. 1803; 2. Aufl., besorgt von Kayser, Darmst. 1845), « Epochen der griech. Litteraturgeschichte» (Marburg 1802), «Commentationes Herodoteae» (Lpz. 1819), «Meletemata e disciplina antiquitatis» (3 Bde., ebd. 1817–19), «Abriß der röm. Antiquitäten» (Darmst. 1824; 2. Aufl. 1829), «Zur Geschichte altröm. Kultur am Oberrhein und Neckar» (ebd. 1833), «Zur Gemmenkunde» (ebd. 1834), «Das Mithreum von Neuenheim» (Heidelb. 1838), «Zur Gallerie der alten Dramatiker» (ebd. 1839), «Zur Geschichte der klassischen Philologie» (Frankf. 1854). Diese Arbeiten sowie seine Selbstbiographie «Aus dem Leben eines alten Professors» ↔ und «Paralipomena der Lebensskizze eines alten Professors» (ebd. 1858) sind auch in der Sammlung von C.s «Deutschen Schriften» (5 Abteil., Darmst. und Frankf. a. M. 1836–58) enthalten. Lat. Abhandlungen bieten C.s «Opuscula selecta» (Lpz. 1854). – Vgl. Stark, Friedrich C., sein Bildungsgang und seine bleibende Bedeutung (Heidelb. 1875).

Creuziger, Kaspar, s. Cruciger.

Creuzot Le, franz. Industriestadt, s. Creusot, Le.

Crevalcōre, Ort in der ital. Provinz und im Kreis Bologna, an der Linie Bologna-Verona des Adriatischen Netzes, hat (1881) 5914, als Gemeinde 10596 E.

Crevaux (spr. krewoh), Jules Nicolas, franz. Entdeckungsreisender, geb. 1. April 1847 zu Lorquin (Lörchingen) in Lothringen, trat 1868 in die franz. Marine, war 1870/71 Freiwilliger im Deutsch-Französischen Kriege und wurde 1872 Militärarzt. Seine erste Reise ins Innere von Guayana trat er 9. Juli 1877 von Cayenne aus an; nachdem er als erster Europäer das Tumuc-Humac-Gebirge überstiegen, gelangte er an den Jary, einen Nebenfluß des Amazonenstroms. Im Aug. 1878 begann seine zweite Reise, er fuhr den Grenzfluß Oyapoc aufwärts, ging wieder über das Gebirge, untersuchte mehrere Nebenflüsse des Amazonenstroms, worauf er im Aug. 1879 wieder in Paris ankam; zum drittenmal kam er 1880 nach Südamerika, ging von Bogota in Columbia zum obern Rio-Negro und erreichte 20. Okt. 1880 den Guaviare, einen Nebenfluß des Orinoco. Am 3. März 1881 kam er wieder in Frankreich an. Schon 20. Nov. 1881 schiffte er sich wieder nach Südamerika ein, kam über Rio de Janeiro nach Buenos-Aires und zog von da nach Norden, entdeckte 15. Jan. 1882 bei Salta die Ruinen einer alten Inkastadt, wurde aber 13. Mai 1882 unfern des Paraguayflusses nebst seinen 19 Begleitern von den Toba-Indianern ermordet. Eine Sammlung seiner Reiseberichte im «Tour de Monde» erschien u. d. T. «Voyages dans l’Amérique du Sud» (Par. 1883); die Pariser Geographische Gesellschaft gab aus seinem Nachlaß einen Atlas von 40 Karten heraus: «Fleuves de l’Amérique du Sud» (ebd. 1883).

Crève-cœur (frz., spr. kräwköhr), Herzleid, empfindlicher Verdruß.

Crèvecoeur de Perthes, Boucher de, s. Boucher de Crèvecoeur de Perthes.

Crèvecoeur-Huhn (spr. kräwköhr), die größte, schwerste und zugleich wertvollste franz. Hühnerrasse. Sie hat sich von der Normandie aus über ganz Frankreich sowie England, Deutschland u.s.w. verbreitet, kann aber bei uns des rauhen Klimas wegen nur als Schmuck-, nicht als Nutzhuhn gelten. (S. Tafel: Geflügel, Fig. 24.)

Crévettes (frz., spr. -wétt), s. Garneelen.

Crevillente (spr. -wiljénte), Stadt in der span. Provinz Alicante, am Südfuße der Sierra de C. (bis 580 m), an der Linie Alicante-Múrcia der Andalusischen Eisenbahn, hat (1887) 9972 E., Post, Telegraph und Espartoflechterei.

Crewe (spr. kruh), Stadt in der engl. Grafschaft Cheshire, 32 km im OSO. von Chester, wichtiger Eisenbahnknotenpunkt (500 Züge täglich), verdankt ihren Aufschwung der London and North Western Railway Company, die 1843 hier großartige Werkstätten gründete, die (1891) 48 ha bedecken und über 7000 Personen beschäftigen. C. zählte 1861: 8159, 1881: 24385, 1891: 28761 E.