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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cuba
1763 gegen Florida (s. d.). Die kurze Besetzung
war indes von den bedeutendsten Folgen, indem die
span. Negierung die alten Handelsverhältnisse nicht
wiederherstellen konnte. Sie mußte 1765 den freien
Verkehr C.s mit Spanien bestätigen und legte da-
durch den Grund zum schnellen Emporblühen der
Insel und besonders Habanas, welches seit 1773
Mittelpunkt des Sklavenhandels des ganzen span.
Amerika war. 1777 wurde C. zu einem unabhängigen
Generalkapitanat erhoben. Während der Französi-
schen Nevolution wanderten vieleRoyalisten von^an
Domingo ein, welche die Erfahrungen der Pflanzer
erweiterten, die nun erst den Kaffeebau einführten.
Seit einer 1812 durch den freien Neger Aponte an-
gestifteten Sklavencmpörung, die jedoch noch vor
dem Ausbruch unterdrückt wurde, waren Neger-
aufstände etwas Gewöhnliches. So erhoben sich
1844 die Schwarzen in der Gegend von Matanzas,
und im Frühjahr 1848 rief die Freilassung der
Sklaven in den benachbarten franz. Kolonien West-
indiens auch in C. einen Aufstand hervor, der mit
grausamster Strenge unterdrückt wurde.
Seit die kontinentalen Kolonien Spaniens vom
Mutterlande abgefallen waren, mußte die Be-
hauptung C.s immer wichtiger werden, das den
Schlüssel des Mexikanischen Golfs und den natür-
lichen Handelsmittelpunkt für die Häfen dieses und
des Karibischen Meers bildet. Man begünstigte
daher die Kolonie mehrfach, gab 1816 das Tabal-
monopol auf, erteilte 1818 allgemeine Handels-
freiheit und suchte so den Einflüssen der südamerik.
Freistaaten entgegenzuwirken, die 1821 auf einem
Kongreß in Panama schon die Mittel berieten, den
Cubanern in der Erlangung ihrer Selbständigkeit
beizustehen. Es galt auf (5. nicht allein die großc
Sklavenmasse niederzuhalten, sondern auch die durck
das Sklavenwesen demoralisierte kreolische Bevölke-
rung von der span. Krone abhängig zu erhalten.
Dies war um so schwieriger, als nach 1840 eine
starke Partei unter den Kreolen, trotz der Ver-
schiedenheit der Sprache, Religion und Abstammung,
die polit. Verbindung mit den Vereinigten Staaten
von Amerika anstrebte. Andererseits begehrten auch
die Nordamerikaner den Anschluß der Insel an die
Union, um so mehr, als zugleich England die wich-
tige Kolonie für sich zu erwerben wünschte. 1845
ward im Senat von Washington der Ankauf der
Insel in Anregung gebracht, und während die Prcsse
eifrig für die Annexion der Insel wirkte, rüsteten
sich auch insgeheim, mit Unterstützung von seiten
der cuban. Kreolen, Freischaren, um die Insel von
Spanien loszureißen. Bereits hatten sich 1500
Mann unter Oberst White zu diesem Zweck ge-
sammelt, als die nordamerik. Regierung, Aug. 1849,
gegen das völkerrechtswidrige Unternehmen ein-
schritt. Auch ein späterer Vorsuch des Venezuelancrs
Narciso Lopez, der mit dem Amerikaner Crittcnden
und dem Ungar Pragay im Aug. 1851 bei Vabia
Honda landete, mißlang. Lopez ward gefangen
und 1. Sept. 1851 in Habana hingerichtet. 1. Jan.
1854 veröffentlichte der Generaltapitän Penzucla
einen Erlaß, wonach die unter dcm Namen Emanci-
vados begriffenen Neger in Freiheit gesetzt wurden.
Okt. 1854 trafen, auf direkte Veranlassung des
Präsidenten Pierce, die in England, Spanien und
Frankreich beglaubigten Gesandten der Vereinigten
Staaten (Buchanan, Soule und Mason) in Ostende
zusammen und erließen eine öffentliche Kundgebung,
wonach die Zurückweisung einer Kaufsumme (120
Mill. Doll.) für C. seitens Spaniens der Union
das Recht geben sollte, die "ihre innere Ruhe und
ihre Existenz gefährdende" Insel wegzunehmen.
Die einzige Rechtfertigung für diese hochfahrende Er-
klärung war die Beschlagnahme nordamerik. Schisse
in cuban. Häfen, wofür keine Genugthuung erlangt
werden konnte. Der hereinbrechende Bürgerkrieg
drängte jedoch in der Folge die Angelegenheit wie-
der in den Hintergrund. Indessen wuchs die Un-
zufriedenheit mit der span. Herrschaft in C. täglich
mehr. Für die Anlage von Straßen im Innern
geschah so gut wie nichts. Handel und Schiffahrt
konnten sich nur schwach entwickeln unter einem
System, das den Verkehr zwischen den Kolonien und
dem Mutterlande als Küstenschiffahrt ansah und
besonders den wichtigen Handel mit den Vereinigten
Staaten durch unerhört hohe Zölle erdrückte. Die
Landwirtschaft ward gelähmt zunächst durch die
Steuer dcs Zehnten, noch mehr durch die sog. Alca-
bala, die Abgabe von 6 Proz. vom Nettoertrag des
Verkaufs oder Austausches unbeweglicher Güter
eines Sklaven, und durch die Alcabalilla, eine Auf-
lage von 6 Proz. der Alcabala selbst. Die span.
Regierung berief zwar im Herbst 1866 eine Junta
zur Beratung der nötigen polit. und socialen Re-
formen, es zeigte sich aber bald, daß es ihr damit gar
nicht Ernst war. Durch die Erhölmng der unmittel-
baren Steuern um 10 Proz. im Sommer 1868 und
durch die unsinnigen Verfolgungen der Nesonn-
Partei wurde die Erbitterung auf das höchste ge-
steigert. 2. Aug. 1868 organisierten Franc. V.
Agnilcra, Manuel A. Aguilera und Franc. Maceo
Osario in dem Hause des Letztgenannten in
Vayamo eine Verschwörung, um C. von der span.
Herrschaft zu befreien. Namentlich breitete sich die
Bewegung im östl. und mittlern Teile der Insel
aus, und in Manzanillo stellte sich Carlos Manuel
Ce-öpeoes an die Spitze, der 10. Okt. die Unabhän-
gigkeit C.s erklärte. Bald befanden sich der Osten
und das Centrum zu einem großen Teil in den
Händen der Aufständischen, die sofort eine republi-
kanische Negierung einsetzten, an deren Spitze Sal-
vador Cisncros Betancourt, Marquis von Sta.
Lucia, und Ignacio und Eduardo Agramonte stan-
den. Cespedes erklärte sich selbst zum General-
kapitän des östl. Departements, erzielte jedoch keine
polit. Einigung mit der republikanischen Regierung,
wenn auch zunächst beschlossen ward, im Felde ge-
meinschaftlich zu operieren. Im Winter 1868 auf
1869 drcbte sich der Kampf um die Eisenbahnen
zwischen Nuevitas und Puerto Principe, wobei die
Spanier meistens den kürzern zogen. Die eigentlich
kriegerischen Unternehmungen leitete fortan Oue-
sada, dem es gelang, eine Reihe wichtiger Plätze in
! kurzer Zeit zu nehmen und durch einen ununtcr-
brochenen Guerillakrieg mit seinen höchstens W000
Mann starken Truppen das span. Heer von 110000
Mann (70000 Voluntarios, 40000 Linientruppen)
und das span. Geschwader im Schach zu halten.
So bot denn der span. Oberbefehlshaber, General
Dulce, Febr. 1869 den Cubanern Amnestie und Ab-
stellung aller ihrer Beschwerden an; allein er bestand
auf der Abhängigkeit von Spanien und fand des-
halb nur taube Öhren. 26. Febr. trat die republi-
kanische Regierung des mittlern Departements zu-
sammen und schaffte sofort die Sklaverei ab. In
demselben Monat erhob sich der Villasdistrikt gegen
die span. Herrschaft; es befehligte hier ein Pole,
General Nulofi, der in allen Gefechten gegen die
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.