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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Cycadeen; Cycas; Cyclamen

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Cycadeen - Cyclamen

an der Berliner Universität als Docent der slaw. Litteratur, wurde 1860 ord. Professor in Breslau und starb 15. Febr. 1867. Aus seinem Nachlasse wurden die in Berlin 1842-45 gehaltenen "Vorlesungen über die neueste poln. Poesie" zuerst in poln. Übersetzung (Posen 1870), dann deutsch (2 Bde., ebd. 1880) veröffentlicht.

Cycadeen (Cycaděae), Pflanzenfamilie aus der Abteilung der Gymnospermen, welche zwischen den Nadelhölzern und Farnen steht und eine sehr eigentümliche Gruppe bildet, deren meiste Arten der Vorwelt angehören. Die C. sind Holzgewächse von palmenartigem Wuchs, indem sie auf einem meist nur niedrigen Stamme von walziger, länglicher oder fast kugeliger Form, der über und über mit den Narben der abgefallenen Blätter und den zwischen diesen stehenden Schuppen bedeckt zu sein pflegt, eine Krone oft sehr großer, holziger Blätter (fälschlich Zweige genannt) tragen. Letztere sind fiederschnittig oder gefiedert, mit parallel-aderigen, ganzrandigen oder eingeschnitten-gezähnten, selten gabelig-zweiteiligen, oft stechend-spitzen Abschnitten oder Fiederblättchen. Die stets eingeschlechtigen Blüten erscheinen auf Staubbeutel und Samenknospen beschränkt. Erstere sitzen auf der innern Fläche von zu Zapfen vereinigten Schuppen in großer Zahl nebeneinander, letztere bald auf der Fläche, bald in den Randkerben ebenfalls zapfenbildender Schuppenblätter. Die aus den Samenknospen hervorgehenden Samen ähneln denen der Nadelhölzer. Der Verlauf der Keimung läßt sich aus beistehender Skizze übersehen. In a ist der Anfang der Keimung dargestellt, die junge Wurzel mit den Kotyledonen und der Plumula ist aus dem Samen ausgetreten, der obere Teil der Kotyledonen bleibt im Endosperm des Samens zurück. In b ist ein etwas vorgeschritteneres Stadium der Keimung abgebildet, hier ist schon das erste Fiederblatt entwickelt und die Wurzel hat sich bereits verzweigt. (Vgl. Nadelhölzer.) Auch der anatomische Bau des Stammes zeigt mehr Verwandtschaft mit dem der Nadelhölzer als mit den andern Holzgewächsen. Durch ihren Wuchs erinnern die C. an die Palmen, mit denen sie sonst nicht die geringste Verwandtschaft besitzen, durch die spiralig eingerollte Knospenlage der Blätter und ihrer Abschnitte oder Blättchen an die Farnkräuter. Man kennt gegen 90 Arten, die vorzüglich in der tropischen und subtropischen Zone der südl. Hemisphäre, namentlich in Südafrika, Neuholland und den ostind. Inseln, sowie in Ostindien selbst zu Hause sind. Ihrer Eigentümlichkeit und Schönheit halber werden Arten der Gattungen Ceratozamia, Cycas, Dioon, Encephalartos, Macrozamia, Stanzeria und Zamia in Gewächshäusern häufig kultiviert. Die Stämme einiger Arten haben eßbares Mark, das als Sago verwendet wird. (S. Sago.)

^[Abb.]

Die fossilen Pflanzenreste, welche zu den C. gerechnet werden, gehören hauptsächlich den Gattungen Cycadites Brogn., Zamites Brogn., Medullose Cotta, Pterophyllum Brogn. an. Die unter dem Gattungsnamen Noeggerathia früher ebenfalls zu den C. gestellten Pflanzenreste rechnet man jetzt teils zu den Nadelhölzern, teils faßt man sie unter einer besondern, den C. jedenfalls nahe verwandten Gruppe, welche man als Noeggerathaceae bezeichnet, zusammen.

Cycas L., Pflanzengattung aus der Familie der Cycadeen (s. d.). Von andern Gattungen dieser Familie unterscheidet sich C. durch die länglich-keilförmigen Staubbeutel, die in den Randkerben verlängert spatelförmiger Fruchtblätter (Schuppen der weiblicben Zapfen) stehenden aufrechten Samenknospen und Samen, die beerenartige Beschaffenheit der letztern und die Zweihäusigkeit. Die Zapfen stehen am Ende der Stämme im Centrum der palmenartigen Blätterkrone und werden sehr groß. C. circinalis L., ein bis 13 m Höhe erreichender, sehr schöner Baum mit gefiederten, bis 3 m langen Blättern und lineal-lanzettförmigen, spitzen, planen, glänzendgrünen Blättchen, in Ostindien und auf den Molukken heimisch, liefert eine geringe Sorte des in den Handel kommenden echten Sago (s. d.). Die mit gedrängter stehenden, kleinern, am Rande umgerollten Blättchen versehenen Blätter der in China und Japan wachsenden C. revoluta L. (s. Tafel: Gymnospermen I, Fig. 2) sind die sog. Palmenzweige, mit denen man in Deutschland die Särge zu schmücken pflegt. In einigen Städten Frankreichs bedient man sich ihrer anstatt wirklicher Palmenblätter bei den kirchlichen Feierlichkeiten des Palmsonntags. Aus diesen Gründen wird C. revoluta in Handelsgärten kultiviert.

Cyclamen L., Pflanzengattung aus der Familie der Primulaceen (s. d.) mit 8 Arten, von denen die meisten in den Mittelmeerländern vorkommen. Es sind ausdauernde, stengellose Kräuter mit langgestielten, grundständigen, meist nieren- oder herzförmigen Blättern und ebenfalls grundständigen, einzeln stehenden, langgestielten, nickenden Blüten, welche einen fünfteiligen Kelch und eine kurzröhrige Blumenkrone mit langem, zurückgeschlagenem, fünflappigem Saum besitzen. Die häufigste Art ist C. europaeum L., in Deutschland, wo sie namentlich in den Wäldern der Alpengegenden, doch auch schon in Böhmen und Mähren auf steinigen, bemoostem Kalkboden vorkommt, unter dem Namen Erdscheibe, Saubrot und Alpenveilchen bekannt (s. Tafel: Alpenpflanzen, Fig. 11). Sie hat hübsche, purpurrote oder lilafarbene, sehr wohlriechende Blumen und herzförmige, auf der obern Fläche eine kreisförmige weiße Zeichnung zeigende Blätter und ist im übrigen Deutschland eine sehr beliebte Zimmerzierpflanze. Der Knollen enthält einen Brechen und Purgieren bewirkenden Körper, das Cyclamin (s. d.), weshalb die Pflanze für giftig und heilkräftig gilt. Der Knollen wurde auch wirklich früher unter dem Namen Radix Cyclaminis gegen Kropf, Drüsenleiden und bei Trägheit der Thätigkeit des Darmkanals gebraucht und wird noch jetzt in Italien zu Salben verwendet. Geröstete Knollen haben keine nachteiligen Eigenschaften und sollen wie Maronen schmecken. Auch die andern Arten der Gattung C. haben ähnlich beschaffene Knollen und übertreffen die gemeine Erdscheibe zum Teil noch in der Schönheit und Größe der Blumen. C. coum Mill., hederifolium Ait., neapolitanum Ten. und repandum Sibt. sind südeurop. Arten, die

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]