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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cyperus - Cypresse
Geschichte. Im Altertum waren namentlich die
Orte Papbos, Amathus und Idalion als Kultus-
stätten der Aphrodite berühmt, deren Verehrung von
C. aus nach Griechenland gelangte und die daher
Cypris (Kypris) oder Cypria (Kypria) sse-
nannt wurde. Andere namhafte Städte waren Ki-
tion, Salamis, Keryneia, Lapethos, Soloi, Marion
(später Arsinoe genannt) und Kurion. In Hinsicht
des Bodens war C. reich an Weizen, Wein, Feigen,
Honig u. s. w., an Edelsteinen und andern wert-
vollen Mineralien, namentlich aber an dem nach
der Insel benannten Kupfer, welches in den Hütten
und Kupferhämmern bei Tamassos und Soloi be-
arbeitet wurde. Auch verfertigte man Teppiche und
andere kostbare Webereien. Die ersten Kolonisten
waren Phönizier; aber frühzeitig ließen sich auch
griech. Einwanderer auf (5. nieder, welche allmählich
den größten Teil der Insel hcllenisierten; die Be-
wohner sprachen einen altertümlichen griech. Dialekt,
bedienten sich aber eigentümlicher ^chriftzeichen,
deren Entzifferung erst in der neuesten Zeit gelungen
ist. Ausgang des 8. Jahrh, wurde die Östhälfte,
im 7. Jahrh, auch die Westhälfte der Insel von den
Assyrern unterworfen. Um 550 eroberte sie König
Amasis von Ägypten, worauf sie unter Kambyses
zugleich mit Ägypten um 525 v. Chr. an die Perser
überging. Wiederholte Versuche der Athener, C. der
Perserherrschaft zu entreißen, hatten nur vorüber-
gehend Erfolg; in den wichtigsten Städten, wie na-
mentlich in Salamis, regierten einheimische, dem
Perserkönig tributpflichtige Dynasten, die sich aber
bisweilen fast ganz unabhängig von Persien mach-
ten, wie Euagorav I. von Salamis, dem 410-374
v. Chr. fast die ganze Insel gehorchte. Nach der
Schlacht bei Issos unterwarf sich die Insel freiwillig
Alerander d. Gr. 332 v. Chr., nach dessen Tode sie,
nachdem sich Antigonus und Ptolemäus lange um
sie gestritten, schließlich an den letztern kam. In den
Händen der Ptolemäer blieb sie, bis die Nömer den
Besitz derselben 58 v. Cbr. an sich rissen. Nach der
Teilung des röm. Kaisertums blieb sie dem östl.
Reiche unterworfen. Doch empörte sich auf C. der
Prinz Isaak Komncnos gegen den Kaiser Andro-
nikos I. (1184) und hielt d'ie Insel, bis Richard I.
von England 1191 sie eroberte und 1193 die Fa-
milie Lusignan mit ihr belehnte. Nach dem Aus-
sterben der Lusianans in der männlichen Linie kam
Jakob, ein natürlicher Sprößling derselben, zur Re-
gierung. Er hatte die Venetianerin Caterina Cor-
naro zur Gemahlin, die nach seinem Tode (1473)
für ibren unmündigen Sohn die Regierung führte,
1489 aber sich genötigt sah, die Insel ihren Lands-
leuten, den Venetianern, zu überlassen. Diese blie-
ben im Besitze, bis 1570 und 1571 die Feldherren
Eclims II., der Admiral Piali und Lala Muham-
med Pascha, nach der tapfersten Gegenwehr des
Marco Antonio Vragadino, der 11 Monate lang
Famagusta verteidigte, die Insel eroberten und mit
dem türk. Reiche vereinigten. Im Juli 1832 besetzte
Mehemcd - Ali von Ägypten die Insel und wurde
1833 vom Sultan förmlich damit belehnt; 1840 kam
sie wieder in den Besitz der Pforte.
Durch den Vertrag vom 4. Juni 1878 überließ
die Pforte unter dem Vorbehalt ihrer Souveräni-
tätsrechte die Verwaltung C.s an England. Näher
bestimmt wurde das Verhältnis C.s durch den
Anbangsvertrag vom 1. Juli 1878. Am 11. Juli
wurde die engl. Occupation C.s verkündet. Seitdem
bat sich der Handel der Insel sehr gehoben. Große
Hafenbauten wurden vorgenommen, energische Maß-
regeln gegen die Heuschreckenplage ergriffen und
cngl. Schulen gegründet; aber die Zufriedenheit der
Cyprier mit der neuen Herrschaft sich zu erwerben
hat England nicht verstanden.
Litteratur. Engel, Kypros (2 Bde., Verl. 1841);
dc Mas Latrie, Histoire äs 1'ii6 äe <Üd)pi'6 8cm8 1e
reZQ6 ä68 princßZ äe 1a maison äs I^u8iFii^u (3 Bde.,
Par. 1851-62); ders., I.'ii6 äs 0Ii^)i-6 (ebd. 1879);
ders., I)ocuin6iit8 nouveaux 86rv3.nt äe pr6nv68 ö.
I'liiswir" äo (H^pi-6 (ebd. 1882); Sassenay, Ok^pi-e,
Iii8t0ir6 6t F60FrapIn6 (ebd. 1878)' Cesnola, Ov-
pru8; it8 anciLnt citi63, toind8 anä teinplez (Lond.
1877; deutsch von Stern, Jena 1879); ders., 3a1a-
miuH (Oipi'o). 3toi'ilr, t680i-i, 6 Huticliit^ äi 8a1a"
milia ueii' 18018. äi s^ipro (Tur. 1891); Löher, C.,
Reiseberichte über Natur und Landschaft, Volk
und Geschichte (3. Aufl., Stuttg. 1879); Baker,
(^I)i-n8 ^8 I 8a>v it in 1879 (Lond. 1879; deutsch
von Oberländer, Lpz. 1880); Ohnefalsch-Richter,
Cyprische Reisestudien (in "Unserer Zeit", 1880,1);
ders., Kypros. Die Bibel und Homer (2 Bde., Berl.
1893); Herquet, Cypriscke Königsgestalten des
Hauses Lusignan (Halle 1881); (^^i'U8 (luiäo nud
Directory (Limassol 1885); Kitchener, ^i'iFouoins-
ti'il^I 8III'V6^ ol tiis i8l3,nä Ol(^i)i-U8 (Lond. 1885;
15 Blatt in 1:63 360); Pcrrot und Chipiez, llistoirs
<l6 1'g.rt ä^Q8 I'^nti^nits (Bd. 3: ^Iisnieio. O^pi-e;
Par. 1885); Holwerda, Die alten Kypricr in Kunst
und Kultus (Leid. 1885); Cobbam, ^n attempt 011
". ^idliossi'HpIi^ ol ^prn8 (Nikosia 1886); Agnes
Smith, I'lii'onFli 0^)ru8 (Lond. 1887); Sakellarios,
X^ ^l."^^^ ßl°? (2. Ausg., 2 Bde., Athen 1890
-91); Oberhummer, Aus C. (in der "Zeitschrift der
Gesellschaft für Erdkunde in Berlin", Bd. 25,1890);
ders., Die Insel C. lin den "Jahresberichten der
Googr. Gesellschaft M München", 1890, Heft 13).
vzfpSrnä ^., Cy pergras, Pflanzengattung
aus der Familie der Cyperaceen (s. d.) mit gegen
500 fast über die ganze Erde verbreiteten, meist aber
tropischen Arten. Sie haben zweizeilige, zusammen-
gedrückte Ahrchen, die in zusammengesetzte, von
langen Scheideblättern umgebene Trugdolden, sel-
tenin kopfförmige Büschel gestellt sind. Den Blüten
fehlen Borsten und Schüppchen. In Deutschland
sind am häufigsten (^. ÜHV68c6U8 ^). und (^. lu8eii3 _/^.
In der oberrhein. Tiefebene wird die mediterrane Art
(^. 68eui6iiw8 _lv. häufig ihrer mehlreichen Wurzel-
knollen, der sog. Erd m andeln (s. d.), halber gebaut.
Die wichtigste Art ist <^. pa^)ru8 ^>. (?apvru8 Hiiti-
ciuoi'nm ^.), die ägypt. Papierstaude (s. ?ap^i-ii8).
Cypervitriöl, Kupfervitriol (s. Kupfersulfat).
Eyperwein, s. Cypcrn (S. 653d).
(l^praoa., s. Porzellanschncckcn und Kauri.
Eypresfe ((^upi-"88u8 ^om'n.), eine der Familie
der Nadelhölzer (s. 0.), Abteilung der Cuprcssincen,
angchörige Pflanzengattung, deren Arten immer-
grüne Bäume und Sträucher sind, mit Unnen, meist
dachziegelig angedrückten Blättern und fast kugeligen
Zapfen, unter deren schildförmigen Schuppen zahl-
reiche harte, geflügelte Samen liegen. Man tennt
12 Arten, die in den wärmern Gegenden der nördl.
gemäßigten Zone vorkommen. Die bekannteste und be-
rühmteste Art ist die gemeineC. (Oui)i'688U8 86inp6i-'
vir<?u8 ^>., s. Tafel: GymnospermenII, Fig. 1)
mit den Varietäten ka8tiFiat3. und nori^ontali^
welche im Orient, in Nordafrika und Südeuropa
wächst, aber den deutschen Winter nicht erträgt, und
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.