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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cypris - Cyrillus Lukaris

beblätterten, einfachen, an seiner Spitze eine oder wenige Blüten tragenden Stengel und große, höchst eigentümlich gebildete Blumen. Die äußern und die innern Perigonblätter bilden zusammen ein Kreuz, die Honiglippe ist hohl, wie ein plumper Holzpantoffel gebildet, groß und lebhaft gefärbt. In Deutschland findet sich nur eine Art, welche stets auf Kaltboden vorkommt, der Frauenschuh, C. calceolus L. Ihre bis 5 ein im Durchmesser haltende Blume hat rotbraune Hüllblätter und eine gelbe Honiglippe. Andere Arten aus gemäßigten Klimaten, die wie die vorstehende im Winter eingehen, sind: C. spectabile Sw. aus Nordamerika, die schönste dieser Arten, mit großen weißen und roten Blüten, C. macranthum Sw. aus Nordosteuropa mit großer brauner Blume. Von den tropischen, meist aus Ostindien stammenden Cypripedien mit immergrünen Blättern werden zahlreiche Arten und Hybriden als Zierpflanzen in Gewächshäusern kultiviert. Die bekanntesten Arten sind C. insigne Lindl. mit fast 8 cm im Durchmesser haltender grünlichgelber, und C. barbatum Lindl. aus Ostindien mit purpurfarbener Blume. Alle Cypripedien sind Erdorchideen. Sie gedeihen am besten in einem Gemisch von Heide- und Rasenerde, mit Sumpfmoos und Sand vermischt, in einem Warmhause. Ihre Vermehrung findet durch Teilung statt.

Cypris, s. Muschelkrebse.

Cypris (Kypris), s. Cypria.

Cyprische Gold- und Silberfäden, s. Brokat.

Cyprische oder Cyprianer Taube, s. Orientalische Tauben.

Cypselidae, Familie der Langhänder (Vögel), s. Segler.

Cypselus, s. Mauerschwalbe.

Cypselus, Herrscher von Korinth, s. Kypselos.

Cyrano de Bergerac (spr. ßiranoh), franz. Schriftsteller, s. Bergerac, Savinien Cyrano de.

Cyrenaika, s. Kyrenaika.

Cyrene, Stadt, s. Kyrene. - C. heißt auch der 133. Planetoid

Cyriacus von Ancona, mit vollem Namen Cyriacus de Pizzicolle, geb. 1391, gest. nach 1449 zu Cremona, gehört zu dem Kreise der bedeutendsten Humanisten der ital. Renaissance und war der erste, der größere Reisen in wissenschaftlichem Interesse in den Ländern klassischen Altertums unternahm. Die Ergebnisse seiner Reisen (1435-38 in Griechenland, 1444 in Griechenland und Kleinasien) legte er in Tagebüchern und einem 3 Bücher umfassenden Werk "Kommentarien" nieder. Von diesen Aufzeichnungen sind nur geringe Bruchstücke erhalten, so in dem in der Barberinischen Bibliothek zu Rom aufbewahrten Zeichenbuche des Architekten Giuliano da San Gallo und in dem Münchener "Codex" der Zeichnungen des Hartmann Schedel. Beide Handschriften enthalten Nachzeichnungen nach Blättern aus dem Tagebuche des C., die von großem wissenschaftlichen Werte sind, weil C. die Denkmäler zum Teil noch in weit besserm Zustande sah, als sie sich heute befinden. An einer Gesamtrekonstruktion der 3 Teile der "Kommentarien" ist de Rossi thätig. - Vgl. O. Jahn, Aus der Altertumswissenschaft. Populäre Aufsätze (Bonn 1808).

Cyrillica (Kyrillica), Cyrillische Schrift, s. Kirchenslawisch und Glagolica.

Cyrillus und Methodius, zwei Brüder, Apostel der Slawen, stammten aus Thessalonich, wo ihr Vater ein angesehener Beamter war. Cyrill, mit seinem weltlichen Namen Konstantin (der erstere ist der kurz vor seinem Tode angenommene Mönchsname), geb. 827, erhielt seine Ausbildung namentlich durch den Patriarchen Photius in Konstantinopel. Dort erwarb er sich durch seine Gelehrsamkeit den Beinamen des Philosophen und war auch eine Zeit lang Lehrer der Philosophie, trat aber bald in die kirchliche Laufbahn über. Auch Methodius hatte die priesterliche Laufbahn eingeschlagen, und beide machten zusammen eine sehr erfolgreiche Missionsreise zu den Chasaren (s. d.). Dagegen ist die Teilnahme der Brüder an der Bekehrung der Bulgaren durch neuere Forschungen ganz in Frage gestellt. Als 863 eine Aufforderung des mähr. Fürsten Rastislav an den byzant. Kaiser Michael III. kam, ihm Lehrer zu senden, die sein Volk in ihrer Muttersprache (der slawischen) im Christentum unterweisen könnten, wählte der Kaiser zu diesem Zwecke C. u. M. Schon vor dem Antritt der Reise hatte Cyrillus eine eigene slaw. Schrift erfunden; es ist indes nicht sicher, ob die noch heutzutage zum Teil bei den Slawen gebräuchliche sog. Cyrillische Schrift (s. Kirchenslawisch) Cyrillus' Werk ist und nicht vielmehr die sog. glagolitische (s. Glagolica). Von 864 bis 867 wirkten beide Brüder vereint in Mähren, an der March und Donau, hielten den Gottesdienst in slaw. Sprache und übersetzten die liturgischen Bücher, namentlich die Evangelien, Apostelgeschichte mit den Briefen und den Psalter. Als Übersetzer scheint namentlich Cyrillus thätig gewesen zu sein, und er gilt daher auch als der Anfänger und Begründer der slaw. Litteratur, zunächst der sog. kirchenslawischen (auch altslowenisch oder altbulgarisch genannt). Bald indessen gerieten die Brüder in Streit mit den deutschen Priestern, die von Salzburg aus in den westl. Slawenländern schon früher Missionsthätigkeit geübt hatten. Zur Schlichtung der Streitigkeiten und befürchtend, daß das neue slaw. Kirchenwesen sich allzu national und romfrei gestalten möchte, berief Papst Nikolaus I. die Brüder 867 nach Rom, wo Cyrillus erkrankte und 14. Febr. 869 (oder 868) starb. Methodius dagegen wurde, nachdem er versprochen, der Lehre und den Ordnungen der röm. Kirche treu zu bleiben, zum Erzbischof von Mähren und Pannonien geweiht und erhielt das Privilegium, im Gottesdienst die slaw. Sprache zu gebrauchen. Zum zweitenmal nach Rom geladen, namentlich zur Verantwortung über die eingeführte slaw. Messe, gelang es Methodius, vom Papst Johann VIII. sowohl die Anerkennung der slaw. Messe als seiner übrigen kirchlichen Einrichtungen zu erlangen. Aber nach seinem um 885 erfolgten Tode wurden seine Schüler, die slaw. Priester, von Rastislavs Nachfolger Svatopluk vertrieben. Die slaw. Stämme verehren die Brüder als Heilige und auch die röm. Kirche erkannte sie als solche an, obschon verschiedene Päpste, auch Gregor VII., sie verketzerten. - Vgl. Wattenbach, Beiträge zur Geschichte der christl. Kirche in Mähren und Böhmen (Wien 1849); Ginzel, Geschichte der Slawenapostel Cyrillus und Method (Leitmeritz 1857); Dümmler und Miklosich, Die Legende vom heil. Cyrillus (Wien 1870); Miklosich, Vita S. Methodii (ebd. 1870); Bonwetsch, C. u. M. (Vortrag, Erlangen 1885).

Cyrillus Lukaris, Patriarch von Konstantinopel, geb. wahrscheinlich 1572 auf Kreta, studierte zu Venedig und Padua, hielt sich längere Zeit in der reform. Schweiz auf, besonders in Genf. 1602 ward C. Patriarch von Alexandria, 1621 von Konstantinopel. In ausgedehntem Briefwechsel pflegte er seine Beziehungen zum Abendlande und der

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