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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Czacki; Czajkowski; Czako; Czapka; Czar; Czarniecki; Czarnikau

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Czacki - Czarnikau

Czacki (spr. tschatzki), Tadeusz, Graf, poln. Schriftsteller, geb. 28. Aug. 1755 zu Poryck in Volhynien, erhielt eine Stelle beim Hofgericht in Warschau und war mehrere Jahre Mitglied der Schatzkommission des Reichstags. Seine Güter wurden bei der zweiten Teilung Polens konfisciert und ihm erst nach der Thronbesteigung Pauls I. zurückgegeben, bei dessen Krönung er als Deputierter des volhyn. Gouvernements in Moskau anwesend war. Eine seiner Hauptbestrebungen war, den öffentlichen Unterricht in den altpoln. Provinzen Rußlands zu heben. Nachdem er 1803 zum Visitator der Schulen in den Gouvernements Volhynien, Podolien und Kijew ernannt worden war, wußte er die Gründung und reiche Dotierung des sog. Volhynischen Gymnasiums (in Kremenez) ins Werk zu setzen, welches, seine Lieblingsschöpfung, bis zum J. 1833, wo es polit. Rücksichten halber aufgehoben wurde, den Mittelpunkt geistigen Lebens in den genannten drei Gouvernements und patriotischer Ausbildung einer ganzen Generation abgeben sollte. Er starb 8. Febr. 1813 zu Dubno. C. war einer von denen, die durch Schrift und Wort zur Belebung des nationalen Geistes in Polen am meisten beigetragen haben. Seine Werke ("Dziela", 3 Bde., Posen 1843) sind histor. und numismat. Inhalts. Sein Hauptwerk handelt von den litauischen Gesetzen "O litewskich i polskich prawach" (2 Bde., Warsch. 1800). Seine Sammlungen kamen in den Besitz des Fürsten Czartoryski. Derselben gräfl. Familie gehörte Wladimir C. an, geb. 1834 in Poryck. Er widmete sich dem Priesterstande, ging nach Rom und erwarb sich die Gunst des Staatssekretärs Antonelli und der Päpste Pius IX. und Leo XIII. 1879 wurde C. zum Nuntius in Paris ernannt und kehrte 1882 als Kardinal nach Rom zurück. Er starb 9. März 1888 in Rom.

Czajkowski (spr. tschai-), Michael, poln. Novellist, geb. 1808 zu Helczyniec bei Berditschew in der Ukraine, beteiligte sich 1831 an dem Aufstand in der Ukraine, begab sich dann nach Paris, war später Agent der franz. Regierung in Konstantinopel und trat, als Rußland seine Entfernung verlangte, 1851 zum Islam über. Er erhielt den Namen Mohammed Sadik, war 1854 Befehlshaber zweier türk. Kosakenregimenter, kämpfte in der Dobrudscha gegen die Russen und beschwichtigte 1870 den drohenden Aufstand in Bulgarien. 1873 von Rußland amnestiert, lebte er in Kiew, von wo er bei seinen Landsleute Propaganda für Rußland machte. Er starb durch Selbstmord auf seinem Gute im Gouvernement Tschernigow 18. Jan. 1886. Von seinen in der Ukraine und den südslaw. Ländern spielenden histor. Romanen und Erzählungen (neue Aufl., 11 Bde., 1862-75) seien erwähnt: "Kosakengeschichten" (Par. 1837; deutsch von Minsberg u. d. T. "Nationalsagen der Kosaken", Glog. 1838, und von Jordan, "Bilder aus dem Kosakenleben", Bd. 1-3 der "Ausgewählten Romane C.s", Lpz. 1842), "Wernyhora" (2 Bde., Par. 1837; deutsch Lpz. 1841, und von G. Diezel in Spindlers "Belletristischem Ausland", Bd. 32-37), "Kirdschali" (Par. 1838; deutsch von Scherbel, Lissa 1840, und von Diezel im "Belletristischen Ausland", Bd. 38-40), "Der Hetman der Ukraine" (2 Bde., Berl. 1841; deutsch als "Der Kosakenhetman" von Jordan in den "Ausgewählten Romanen", Bd. 4-6, Lpz. 1843), "Stefan Czarniecki" (Par. 1840) u. a. - Seine Biographie findet sich in dem Werk "Männer der Zeit", Bd. 2 (Lpz. 1862).

Czako (poln.), militär. Kopfbedeckung, s. Tschako.

^[Spaltenwechsel]

Czapka (poln., spr. tschapka), Mütze, nationalpoln. Kopfbedeckung und als solche von den poln. Ulanen als für die Waffengattung der Lanzenreiter (Ulanen und Lanciers) traditionell von verschiedenen Heeren übernommen. Die C. besteht aus dem untern runden der Kopfform entsprechenden Teil und dem mit diesem durch ein schmales Verbindungsglied verbundenen vierkantigen Deckel, an welchem Kokarde, Fangschnur und zur Parade der Haarbusch befestigt wird. Eine im wesentlichen ähnliche Form hat die unter dem Namen Tatarka bekannte poln. Kopfbedeckung, welche eine Zeit lang bei den österr. Ulanen in Gebrauch war.

Czar, s. Zar.

Czarniecki (spr. tscharnjetzki), Stephan, poln. Feldherr, geb. 1599, trat früb in das poln. Heer, konnte sich aber erst in spätern Jahren emporschwingen. Nach dem Ausbruche des Kosakenaufstandes von 1648 zog er mit Stephan Potocki gegen Cbmelnizkij (s. d.), wurde aber bei der Niederlage der Polen an den Gelben Gewässern gefangen, den Tataren ausgeliefert und erst nach 2 Jahren freigegeben. Sogleich zog er wieder gegen die Kosaken und nahm an dem Siege über dieselben bei Beresteczko teil. Nachdem die Kosaken bei Batow das ganze poln. Heer mit dem Hetman Kalinowski vernichtet hatten, ward C. in die Ukraine gesandt, wo er nach glücklichen Anfängen sich durch eine gefährliche Verwundung in seinen Plänen gehemmt sah. Inzwischen fiel 1655 der schwed. König Karl Gustav in Polen ein und zwang Johann Kasimir, nach Schlesien zu fliehen. C. eilte zur Rettung Krakaus herbei, besetzte das Schloß und leistete den mutvollsten Widerstand, bis ihn Mangel an Lebensmitteln zwang, dasselbe unter ehrenvollen Bedingungen zu räumen. C. griff darauf die Schweden im kleinen Kriege an und siegte in mehrern Treffen. Nach der für die Polen unglücklichen großen Schlacht bei Warschau 1656 setzte C. mit 5000 Tataren, die in poln. Diensten standen, den Krieg allein fort, führte unter großen Gefahren den König aus Danzig nach Polen zurück und trug zur Vertreibung der Schweden wesentlich bei. Zur Unterstützung des Königs von Dänemark, Friedrichs III., der, um Karl Gustav aus Polen zu ziehen, in dessen Besitzungen in Deutschland eingefallen war, ward C. an der Spitze von 6000 Polen 1658 nach Dänemark geschickt und zeichnete sich hier besonders bei Eroberung der Insel Alsen aus. Der Einfall der Russen nötigte den König von Polen jedoch, C. zur Verteidigung des Vaterlandes zurückzurufen. Dieser besiegte 1660 den Anführer der Russen, Chowanski, bei Polonka, dann auch ein zweites russ. Heer unter Dolaoruki am Dniepr, worauf 1661 ein Friede erfolgte. Ruhmbedeckt kehrte C. ins Vaterland zurück und wurde von dem König mit der Starostei Tykocin belehnt; Woiwode von Reussen war er schon früher geworden. Ein neuer Krieg mit Rußland und Unruhen in der Ukraine riefen ihn von neuem ins Feld. Nur von 13 Reitern begleitet, unternahm er einen Streifzug durch die Steppen bis an die Krim, um die Tataren zur Unterstützung Polens zu vermögen, unterlag aber den Beschwerden des Krieges. Er starb, kurz vorher vom König zum Hetman ernannt, 12. Febr. 1664 im Dorfe Sokolowka in Volhynien.

Czarnikau (Tscharnikau). 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Bromberg, hat 803,14 qkm, (1890) 38678 (18469 männl., 20209 weibl.) E., 2 Städte, 56 Landgemeinden und 21 Gutsbezirke. - 2) C., poln.

^[Artikel, die man unter Cz vermißt, sind unter Tsch oder E aufzusuchen.]