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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dachschiefer - Dachstein
Dachschiefer, die reinsten, sehr vollkommen-und
ebenschieferigen Varietäten des Thonschiefers, die sich
infolgedessen leicht spalten, beHauen und dann zur
Dachdeckung (s. d.) benutzen lassen. Dieselben kommen
als Einlagerungen in der Phyllit-, Silur- und Devon-
formation (Nüdesheim, St. Goar a. Rh., Goslar,
Lehestcn und Gräfenthal in Thüringen, Wales),
seltener in jüngern Formationen vor (Glarus). Die
Schicferungs- und Spaltungsrichtung folgt meist
nicht der Schichtung, sondern schneidet quer durch
dieselbe. (S. Falsche Schieferung und Schiefer.)
Dachschindeln, dünne, gespaltene Hölzer zur
Bedachung von ländlichen Wohngebäuden. Die-
selben werden aus Fichten-, Tannen-, Lärchen-,
seltener aus Eichen- oder Espenholz u. s. w. gemacht
und sind 300-1000 min lang, 75-150 min breit,
6-25 mm am Rücken dick. Man spaltet sie aus
Klötzen keilförmig in der Richtung der Spiegel des
Holzes, beschneidet sie mittels des Schnitzmcssers,
bildet an der dünnen Kante von beiden Flächen
aus eine Zuschärsung und reiht auf der starken
Kante mittels eines hakenförmigen Eisens eine
Furche ein. Beim Auflegen auf ein Dach greift
jede Schindel mit ihrer scharfen Kante in die Furche
der benachbarten ein. Die Herstellung der D. ge-
schieht entweder von den Landbewohnern mittels
Handarbeit oder mittels Schindelmaschine.
Diese besteht aus einem eisernen Gestell, welches 1,6 in
lang und 1,2 m breit ist. Unterhalb des Tisches
der Maschine befindet sich eine Welle gelagert, welche
folgende Werkzeuge trügt: eine Kreissäge zum
Schneiden des Holzes auf die Dicke der Schindel;
einen Messerkopf zum Glätten der geschnittenen
Schindeln und zwei kleine Kreissägen mit eigens
geformten Zähnen, womit die Nut und Feder der
Schindel hergestellt wird. Die verbreitetste Kon-
struktion der Schindelmaschine ist die vonGangloff.
Sie liefert mit zwei geübten Arbeitern und einem
Gehilfen in einer Stunde 3 - 400 Stück 58 cm
lange, 2 cm starke und 10-15cin breite Schindeln.
Dächsel, s. Dachshund.
Dachsfelle. Die Felle der Dachsarten werden
meist geschoren und zu Leder verarbeitet, während
man aus dem borstigen Haar Pinsel herstellt. Mit
den Haaren zugerichtet, dienen sie als Überzüge zu
Jagdtaschen, Tornistern, Pferdegeschirr u. a. Am
besten sind die Felle deutscher Dachse; dann folgen
dänische, ungarische, russische, tatarische. Als Pelz-
werk findet nur der nordamerik. Dachs Verwen-
dung, der weiche Behaarung hat.
Dachsfinder, Hunde, die zur Nachthatz auf
Dachfe abgerichtet sind.
Dachsgabel, eine große zweizinkige Gabel zum
Töten des Dachses.
Dachshaube, sackförmiges Netz, das an die
Röbren des Dachsbaues gestellt wird.
Dachshund, Dächsel (Oani8 vei-t^ns), eine
eigentümliche Abart des Haushundes, die sich durch
den langen, starken Leib und die kurzen, meist start
gekrümmten Vorderbeine mit einwärts siebendem
Handgelenk, das kurze, straffe, glatt anliegende
Haar, den großen Kopf mit langer Schnauze und
breiten Schlappohren, den kräftigen Schwanz, die
scharfen Krallen und das starke Gebiß auszeichnet
(f. Tafel: Hunderafsen, Fig. 3). Die Dächsel
waren den Llgyptern, wie es scheint, schon bekannt,
denn es findet sich eine Abbildung, die einen unsern
heutigen Dächseln ähnlichen Hund darstellt; sie sind
gewiß ursprünglich Jagdhunde mit krankem Knochen-
system, deren verbildete Beine durch Züchtung typisch
geworden sind. Sie haben eine sehr feine Nase,
scharfes Gesicht, sind gelehrig, treu, wachsam, tapfer
und unermüdliche Jäger, verderben aber jede Jagd
im Freien durch den Mangel an Appell, das Unge-
stüm ihrer Verfolgung unter lautem Bellen und
durch das Anschneiden der erlegten Beute. Schwarz
und gelb sind ihre Hauptfarben; selten findet man
andere Mischtönc des Pelzes. Von Charakter sind
sie bissig, unverträglich, eigensinnig. 3Nan benutzt
sie vorzugsweise zur Fuchs- und Dachsjagd, indem
man sie in den Bau hineinhetzt. Der Fuchs flüchtet
meist vor ihnen; der Dachs hält ihnen stand. In
Deutschland züchtet man besonders den kurzhaarigen,
krummbeinigen D. von schwarzer Farbe mit gelben
Flecken über den Augen. In England benutzte man
denselben srüher zum Drehen der Bratspieße in den
Küchen (daher der Name Inrngpit); jetzt züchtet man
dort außer diesem noch den meist weihlichen, rauhen,
grobhaarigen, als D. sehr beliebten schottischen
D. (8cotc1i tei'iiöi-) mit langen, ihm über das Ge-
sicht hängenden Haaren, sowie den Otterhund
(s1i>^ t6rii"i'),den man auf den Hebriden, neuerdings
auch in Deutschland zur Fischotterjagd benutzt. Beide
engl. Arten haben fast gerade Beine. ^674a).
Dachspäne (Spließen), s. Dachdeckung (S.
Dachstein, Sammelname für alle die Dach-
deckungsmaterialien, die aus natürlichen und künst-
lichen Steinen (Platten) bestehen. Zu den erstern
gehören die Schieferplatten, zu den letztem
namentlich die Dachziegel und die Platten aus
Cement, Glas, Drahtglas. (S. Dachdeckung.)
Dachstein, die höchste Spitze der gleichnami-
gen Gruppe der Salzburger Kalkalpen, erhebt sich
55 kin südöstlich von Salzburg an der Grenze von
Oberösterreich, Salzburg und Steiermark zu 2996 m.
Die D achsteingruppe (s. Ostalpen), welche ein
Areal von 891 qkm umfaßt, besteht aus einer aus-
gedehnten Hochfläche, welche sowohl von N. nach S.
als auch von O. nach W. ansteigt, sodaß die höch-
sten Erhebungen in der Südwestumwallung liegen.
Insbesondere in der letztern Richtung lassen sich
deutlich drei Höhenstufen unterscheiden, das Kam-
mergebirge, zumeist noch dicht bewaldet, mit vor-
trefflichen Almen, der Stein, welcher den Charak-
ter des Steinernen Meers oder des Toten Gebir-
ges aufweist, und die Umgebung des D. selbst mit
dem Schladminger-, Hallstätter- und Gosauer-Glet-
scher. Die Südseite des Dachsteinstockcs besteht aus
Niffkalk, an den sich, abfallend, der gefchichtete Dach-
steinkalk (s. d.) in ungeheurer Mächtigkeit anlehnt.
Der letztere ist von zahlreichen westöstlich streichenden
Verwerfungen durchsetzt, an welchen ein staffelförmi-
ges Absinken der Gebirgsmasse gegen N. zu statt-
gefunden hat. Das Dachsteingebirge ist einer der
höchsten Teile der Nördlichen Kalkalpen; von den
neun Gipfeln derselben, welche über 2900 m Höhe
erreichen, enthält dasselbe allein vier, wird jedoch,
was die Zahl der Gipsel zwischen 2800 -2900 m
betrifft (3), von dem Rhätikon (4) und der Parseyer
Kette (10) übertroffen. Der D. wird von Hallstatt
(über die Simonyhütte, 2210 ui), von Schladming
(über die Austriahütte, 1630 m) und von Gosau
(über die Grobgesteinhütte, 1700 m) bestiegen. T)er
Anstieg über die Felsen ist von der Sektion Austria
des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins,
welche auch die genannten Hütten erbaut hat, durch
Sprengungen, (5inscblagen von eisernen Stiften und
Klammern und Anbringung eines fortlaufenden