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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Daly – Damas

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Dalwigk'

mierung sämtlicher Beamten, Verfolgung liberaler Beamten, Unterdrückung der Presse u.s.w.). In kirchlicher Beziehung hatte ebenfalls eine streng reaktionäre Richtung die Oberhand. Eine mit dem Bischof Ketteler von Mainz abgeschlossene Konvention, die dem Bischof die weitgehendsten Befugnisse unter Preisgebung der staatlichen Rechte gab, fand lebhaftesten Widerspruch im Lande. Mehr entsprach D. den Zeitbedürfnissen auf dem Gebiete der materiellen Interessen, namentlich im Eisenbahnwesen, Straßenbau, Hebung der Viehzucht. Außerdem traten unter ihm einige Verbesserungen in der Verwaltung, Vereinfachung des Geschäftsgangs, Vereinfachung der Rechtspflege, Reform des Strafprozesses hervor. In den deutschen Angelegenheiten verfolgte D. stets die österr.-mittelstaatliche Richtung. In diesem Sinne wirkte er besonders thätig mit dem sächs. Minister Neust und dem bayr. Minister von der Pfordten auf den Würzburger und Bamberger Konferenzen, in den Bundesreformverhandlungen mit Österreich, endlich 1863 als Begleiter des Großherzogs beim Frankfurter Fürstentage. Interessante Aufschlüsse über seine Thätigkeit auf diesem Gebiete geben die Berichte und Briefe Bismarcks aus dessen Frankfurter Zeit. (Vgl. Poschinger, Preußen im Bundestage 1851–59, 4 Bde., 2. Aufl., Lpz. 1882–85.) Auch in der schleswig-holstein. Frage vertrat D. entschieden die mittelstaatliche, vorwiegend preußenfeindliche Richtung. Beim Ausbruch des Deutschen Krieges von 1866 stellte er sich entgegen dem Willen der Volksvertretung auf Österreichs Seite. In der Übergangsperiode von 1866 bis 1870 blieb D., soweit es möglich war, bei seiner frühern Politik. Selbst der Ausbruch des Krieges von 1870 fand ihn schwankend. Nachdem er 15. Nov. 1870 zu Versailles den Vertrag Hessens mit dem Norddeutschen Bunde über die Gründung eines Deutschen Bundes mitunterzeichnet hatte, nahm er 6. April 1871 seine Entlassung und wurde zum lebenslänglichen Mitglied der ersten Ständekammer ernannt. Er starb 28. Sept. 1880 in Darmstadt.

Daly (spr. dehli), Fluß im brit. Territorium Nordaustralien (Northern Territory), entspringt als Katherine, fließt zuerst südwestlich, dann westlich, nach der Aufnahme des von links kommenden Flora-River unter dem Namen D. nordwestlich und mündet in die Ansonhai des Timormeers. Der Strom soll bei hohem Wasserstande aufwärts bis zur Telegraphenstation Katherine schiffbar sein; er wurde 1876 von Wiltshire in seinem Unterlauf und von MacMinn und 1877 von Sergison erforscht.

Dam, ein Wegmaß in Annam und Kambodscha von 2 Li; nach Bastian ist 1 D. etwa ein Fünftel der alten franz. Lieue von 1/25 Äquatorgrad, oder = etwa 0,12 deutsche geogr. Meilen = etwa 890 m.

Dama, der Damhirsch (s. d.).

Dama (Antilope dama Cuvier), eine das Senegalgebiet bewohnende hochbeinige Gazelle, die häufig in Tiergärten angetroffen wird.

Dama, Negerstamm, soviel wie Damara (s. Herero).

Damalá, das alte Trözen (s. d.).

Daman, s. Klippdachse.

Dāman, Landstrich in Vorderindien, zwischen 28°40' und 33°22' nördl. Br. und von 69°30' bis 71°20' östl. L., etwa 480 km lang und 90 km breit, nördlich von dem Kalabagh (Salt-Range), südlich von der Provinz Sindh, westlich von dem Suleimangebirge und östlich vom Indus begrenzt, ↔ gehörte früher zu dem Reich Lahaur von Randschit Singh. Der Boden ist, wo künstliche Bewässerung fehlt, graslos und besteht teils aus losem Sand, teils aus festem, feinem Thon, aus dem sich nur stellenweise Zwergbäume und niedrige Sträucher erheben. Wo das Land gut bewässert ist, ist der Thonboden höchst fruchtbar, besonders die Deradschat (s. d.) am rechten Indusufer. Während des Sommers ist die Hitze daselbst besonders groß. Die Bodenerzeugnisse sind die des nördl. Indiens.

Damān, portug. Damāo, portug. Stadt an der Westküste Ostindiens, zwischen Surat und Bombay in der Landschaft von Nordkonkan, in fruchtbarer Umgebung, am Südufer der hier 300 m breiten Daman-Ganga, ist befestigt und hat mit Gebiet (1881) auf 57 qkm 21622 E., zwei Kastelle, neun christl. Kirchen sowie einen für kleine Fahrzeuge ausgezeichneten Hafen mit ehemals berühmten Docks und Werften. Bedeutend ist die Tiefseefischerei, die 4500 Leute beschäftigt. Von der ehemals ansehnlichen Gewerbthätigkeit ist das Flechten von Bambusmatten und die Baumwollspinnerei der einzige Rest. Seinen Opiumhandel hat es ganz verloren. Östlich durch einen 10 km breiten brit. Streifen getrennt, der Distrikt Pargana Nagar Hawili, mit reichen Tabakpflanzungen und (1881) 27462 E. (fast lauter Hindu) in 72 Dörfern, aus denen fast die gesamten Einnahmen fließen. – Die Portugiesen eroberten D. 1531 und zerstörten es; nachdem es wieder aufgebaut worden, nahmen sie es 1588 abermals und blieben seitdem im Besitz der Stadt.

Damanhûr (altägypt. Tema-en-Hor, d. h. Horusstadt, röm. Hermupolis minor), Hauptort der Provinz Beherah in Ägypten, im Delta des Nil, mit (1882) 23353 E., am Mahmudijeh-Kanal und an der Eisenbahn von Kairo nach Alexandria, 62 km im OSO. von letzterm, ist schlecht gebaut, aber wichtig als Handelsmittelpunkt und Niederlage der im Orient berühmten Baumwoll- und Wollstofffabrikate.

Damāo (spr. -māung), portug. Besitzung in Ostindien, s. Daman.

Damar oder Dhamar, arab. Ort im südl. Jemen, 100 km im SSO. von Sana, auf der Straße nach Mokka, hat 20000 E., bedeutende Pferdezucht, in der Nähe Granitsäulen eines alten Bauwerks, Thron der Königin von Saba genannt.

Damara, Bantu-Negerstamm in Südwestafrika, s. Herero.

Damaratus, s. Demaratus.

Damas (spr. -mah), franz. Bezeichnung für Damast.

Damas (spr. -máß), eins der ältesten und berühmtesten Geschlechter Frankreichs, schon im 13. und 14. Jahrh, durch Besitz und Stellung ausgezeichnet, teilte sich seit Ende des 16. Jahrh. in die noch bestehenden Linien D. und Damas-Crux. – Charles, Graf, dann Herzog von D., geb. 28. Okt. 1758, nahm an dem nordamerik. Kriege teil, erhielt 1791 den Auftrag, mit seinem Regiment die beabsichtigte Flucht Ludwigs XVI. zu decken, was seine Verhaftung zu Varennes zur Folge hatte. Durch die Amnestie befreit, verließ er Frankreich und machte die Feldzüge von 1792 und 1793 in der Armee der Prinzen mit. 1795 wollte er sich der royalistischen Expedition nach Quiberon anschließen, litt aber Schiffbruch und wurde gefangen. Wieder in Freiheit gesetzt, schloß er sich dem Condéschen Korps an und lebte später, als das Emigrantengesetz gemildert ward, in Paris. Nach der Restauration wurde er

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 706.