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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dampfmaschine
der D. gesichert ist. Auch wurde durch Watt der
Dampfcylinder durch schleckte Wärmeleiter (den sog.
Zylindermantel) vor Wärmeausstrahlung geschützt.
1778 führte Watt eine Verbesserung ein, die bei
allen modernen D. in Anwendung ist. Er sperrte
den Tampfzutritt zum Cylinder ad, ehe der Kolben
seinen ganzen Weg zurückgelegt hatte, sodaß sür den
Nest des Kolbenwegs der Dampf ohne frische Nach-
strömung wirtte und durch seine Expansionskraft
den Kolben bis an das Hübende trieb. Der Vorteil
dieser Einrichtung besteht in der Ersparnis von
Dampf und somit auch von Brennmaterial. Die
erste Wattsche D. aus dem I. 176!) war uoch ein-
fach wirkend, indem durch den Dampf nur der
Niedergang des Kolbens, der Aufgang desfelben
aber durch am Balancier angebrachte Gegengewichte
bewirkt wurde. Dagegen waren schon die in den
I. 1781 - 82 von Watt ausgeführten Maschinen
doppelt wirkend, d. h. der Kolben wurde beim
Aufgang wie beim Niedergang vom Dampf getrieben.
Die bis dahin übliche Befestigung der Kolbenstange
an den Balancier durch Kreissegment und Gelentkette
genügte für doppelt wirkende Maschinen nicht mehr.
Watt erfand daher (1784) sein bekanntes Paral-
lelogramm, jenen sinnreichen Mechanismus, wel-
cher das Ende der Kolbenstange mit dem Endpunkt des
Balanciers derart in Verbindung brachte, daß das
Kolbenstangenende fast genau in einer geraden Linie,
derCylinderachscentsprechend,gesührtwurde. Ferner
datiert aus jener Zeit die Anwendung von Pleuel-
st ange, K urbel und S ch wungra d zur Umsetzung
der auf und ab gehenden Bewegung in eine drehende.
Waren bis dahin die D. nur im Bergbau, ihrer
hin und her gehenden Bewegung eutsprechend, ver-
wendet worden, so eröffnete ihnen die bei ihnen er-
reichte rotierende Bewegung die ausgedehnteste Be-
nutzung in sämtlichen Zweigen industrieller Thätig-
keit. Weiterhin brachte Watt auch den Centri-
fugalregulator zur Anwendung, dessen Ein-
wirkung auf eine Drosselklappe im Dampfzuleitungs-
rohre er zur Erreichung eines gleichmäßigen Ganges
benutzte. Auch die Konstruktion der Dampfver-
teilungs-Mechanismen erfuhr durch ihn wesentliche
Verbesserungen, indem er an die Stelle der Hähne
Ventile oder Schieber setzte, sodaß die Wattsche
Maschine sckliesilick die Form erhielt, die in Taf. II,
Fig. 3 dargestellt ist.
Die auf Watts Thätigkeit folgende Periode der
Gesckichte der D. charakterisiert sich besonders durch
die Bemühungen, Dämpfe vou ho'Hern Spannungen
anzuwenden und das schon von Watt angegebene
Princip der Expansion möglichst weit durchzuführen.
Die Wattschen Maschinen arbeiteten nur mit
Dampf von niederer Spannung (1,3 bis 1,5 Atmo-
sphären Überdruck) und immer mit Kondensation.
So ließ sich schon 1781Hornblower ein Patent auf
eine Mafchine erteilen, in welcher der Dampf nach-
einander in zwei verschieden großen Cylindern expan-
dierte, wobei er mit höherm Kesseldruck arbeitete.
Er konnte dieselbe jedoch nickt einführen, weil er den
Watt patentierten Kondensator nicht verwenden
durste. Bei Hornblowers Maschine greifen die
Kolbenstangen zweier nebeneinander angeordneter
Dampfcylinder von ungleichem Hub und Durch-
messer mittels Gelenkketten an einen: Balancier an.
Der Dampf tritt zunächst in den kleinern Cylinder,
expandiert dort und strömt in den größern über, um
die Expansion zu vollenden und in den Kondensator
einzutreten. Dies ist bereits der Prozeß, welcher in
den Compoundmaschinen zur Durchbildung gelangt
ist. 1799 erfand Murray den einfachen Muschel-
schieb er und gab dadurch dem Steuergetriebe eine
außerordentlich einfache Gestalt.
Wenngleich sckon von Watt darauf hingewiesen
worden war, daß man auch lediglich durch die
Spannkraft des Dampfes, den man, nachdem er den
Kolben vorwärts getrieben hat, statt ihn im Konden-
sator zu verdichten, in die freie Luft auspuffen liehe,
Maschinen treiben könne, die infolge des Wegfalls
des Kondensators sich bedeutend einfacher gestalten
würden, so war doch bei der noch unausgebildeten
Konstruktion der Dampfkessel die Anwendung der
dann zu gebrauchenden höher gespannten Dämpfe
mit erheblicher Gefahr verbunden. An der prakti-
fchen Ausführung und Verbreitung einer solchen
Hochdruckmaschine arbeiteten in England besonders
Trevithik und Vivian. Die erste wirtlich brauckbare
Hoch druck Maschine baute der Amerikaner Oliver
Evans 1801. Derselbe verwendete Dampf von einer
Spannung bis zu acht Atmosphären, der in einem
Röhrenkessel erzeugt wurde; dabei wurde der Dampf-
zufluß nach einem Drittel bis einem Seckstel des
Kolbenweges abgesperrt und zuletzt kondensiert. In
England bauten im folgenden Jahre Trevithik
undVivian eine doppelt wirkendeHochdruck-
maschine ohne Kondensation, die sich durch Ein-
fachheit und gedrängte Bauart auszeichnete. 1804
nahm Woolf den Gedanken von Hornblower über
dieZweicylinoermasch ine wieder, und zwar mit
Erfolg auf. Als Woolffche Maschinen werden D.
dieser Art auch in verschiedener Anordnung noch
heute mit Vorteil verwandt (s. unten).
In diese Zeit, die ersten zwei Jahrzehnte unsers
Jahrhunderts, fällt auch die Entwicklung der D.
als Betriebsmittel für Eisenbahnen und
Schiffe. Lokomotivenbau und Schiffsmaschinenbau
wurden, den speciellen Anforderungen entfprechend,
eigenartige Zweige des Dampfmafchinenbaues und
brachten die mannigfaltigsten Abänderungen in Wir-
kungsweise, Anordnung und Konstruktion der Einzel-
teile mit sich. 1807 hatte Fulton da5 erste T amp f-
fchiffinNeuyorkgebautund1814,beider Eröffnung
der Stockton-Darlingtonbahn, trat ^tephenson mit
der ersten, den Anforderungen entsprechenden Loko-
motive hervor. (Über die Entwicklung der Loko-
motive und der Schiffsmaschine s. Lokomotive und
Dampfschiff.)
Verfolgt man die Gefchickte der stationären D.
in der ersten Hälfte dez Jahrhunderts und weiter
bis gegen 1860, so findet man als Fortschritt haupt-
sächlich Vervollkommnungen der einzelnen Getriebs-
teile, insbesondere der Organe für die Dampfvertei-
lung, der Steuerungen. In diefe Periode fällt die Er-
sindungder Coulisse (speciell auch für Lokomotiven)
für Umsteuerungen, der jetzt allgemein gebräuch-
lichen Meyer-Steuerung für Maschinen mit ge-
ringerer Füllung. Es wird auch das Bestreben all-
gemein, die Hochdruckmaschine weiter auszubilden
und unter Anwendung höhern Dampfdruckes und
dadurch ermöglichter weiterer Expansion denBetrieb
auch ohne Kondenfation zu einem ökonomischen zu
machen. Die Kondenfation wird jedoch, namentlich
bei großen Mafchinen, immer da angewendet, wo
genügend Wasser vorbanden ist.
Eine neue Epocke in der Geschichte der T. begann
um 1860 mit dem Bekanntwerden der Maschinen des
Amerikaners Corliß, die sowohl in ihrer Bauart
als in ihrer Steuerung wesentliche Veränderungen