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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dampfmaschine
nur wenig Kraft. Das eigentliche Ventil 6 wird
durch die nach außen führende Stange K bewegt und
sitzt mit seinen konischen Dichtungsftächen auf den
Ventilsitzen 1 und ni auf. Der srische Dampf tritt
bei 0 an das Ventil heran und gelangt bei gehobe-
nem Ventil durch die Ringfpalten zwischen 6 und 1
und zwischen 6 und m in den Cylinder, ä ist der
hohle Raum zwischen Cylinder und Dampfmantel.
Den großen Vorteilen, welche die eben behandelte
Corliß- und Ventil-Steuerung und deren Varianten
bieten, steht als Nachteil entgegen, daß sie die An-
wendung großer Tourenzahlen nicht gestatten, da
der präcise Schluß der Hähne resp. Ventile, auf
welchem die gute Wirkung der Steuerung beruht,
bei größern Geschwindigkeiten nicht mehr stattfindet.
Das Bestreben, diesen Übelstand zu heben, führte
zu einer Art von Steuerungen, bei denen das Ventil
fortwährend, beim Offnen und auch während der
Abschlußperiode der Dampfwege, vom Mechanis-
mus geführt ist, den fog. zwangläufigen Ven-
tilsteuerungen. Die Eröffnungsperiode der Cor-
lih- und Sulzer-Steuerungen und ihrer Abarten ist
ja ebenfalls zwangläufig; von dem Augenblick an
aber, in welchem der Übertraghebel vom Ventil-
hebel abgleitet (bei Sulzer) oder wenn die Auslö-
sung des Drehschieberhebels vor sich gegangen ist
(bei Corliß), steht das Ventil während der Abschluß-
Periode nur unter der Wirkung von Feder, Gewicht
und Luftpuffer, wodurch auch die Abfchlußgefchwin-
digkeit von der Spannung der Federn und Puffer,
von der Größe des Gewichts wesentlich abhängig
ist. Diese in ihrem Verlaufe einigermaßen unbe-
stimmte Schluhperiode wird bei den zwangläufigen
Ventilsteuerungen durch den Steuerungsmechanis-
mus bestimmt geregelt. - Der erste, welcher mit einer
derartigen Steuerung an die Öffentlichkeit trat, war
der Ingenieur Alfred Collmann in Wien. Der-
selbe hat eine Steuerung konstruiert, die in den ver-
schiedensten Modifikationen für jede Art von Dampf-
maschinen anwendbar ist. Taf. II, Fig. 4 zeigt die-
jenige Anordnung, welche von der zur Ausführung
berechtigten Görlitzer Mafchinenbauanstalt und
Eisengießerei in Gö'rlitz angenommen ist. An jedem
Cylinderende ist oben ein Eintrittsventil, unten ein
Austrittsventil angeordnet. Von der Schwungrad-
welle aus wird durch Kegelräder eine vor dem Cylinder
liegende, mit der Längenachse desselben parallel
laufende Steuerungswelle in Drehung versetzt; auf
der letztern sitzt vor jedem Einlaßventil ein Excenter
mit aufwärts gerichteter Stange. Diese Stange er-
faßt in ihrer Mitte das untere Ende eines doppel-
armigen Hebels, dessen anderer Arm mit einem über
dem Einlaßventil angebrachten Kniegelenk in Ver-
bindung steht. Unmittelbar oberhalb der Stopfbüchse
des Ventils teilt sich die hier gabelförmige Ventil-
stange, um das Kniegelenk aufzunehmen; über dem-
selben vereinigen sich beide Gabelteile wieder zu einem
cylindrischen Stäbe, der in dem Querarm eines auf
den Cylinder geschraubten Ständers geführt und
von einer zu oberst liegenden Blattfeder niederge-
drückt wird. Der obere Teil des Kniegelenks ist an
der verlängerten Ventilstange befestigt; dasselbe ist
so eingerichtet, daß bei geschlossenem Ventil, also
beim Stillstand der Ventilstange, der eine ununter-
brochene Bewegung ausführende untere Teil sich
teleskopartig in ihm verschieben kann. Beide Teile
sind mit breiten, runden Platten ausgestattet, sodaß
beim Aufwärtsgang des untern Kniegelenks die
beiden gegeneinander stoßen und das Ventil dadurch
geöffnet wird. Bei der Abwärtsbewegung muß in-
folge der Federbelastung auch die Ventilstange nach
unten gehen, aber nicht mit der dem Federdruck
entsprechenden, sondern mit einer der Bewegung
des Kniegelenks gleichkommenden Geschwindigkeit.
Außer dieser vertikalen erleidet der Mittelpunkt des
Kniegelenks noch eine horizontale Verschiebung, die
ein Durchbiegen desselben veranlaßt. Da diese Be-
wegung dem horizontalen Ausschlag der Excenter-
stange entnommen und noch unter der Einwirkung
des Regulators modifiziert wird, ergiebt sich eine
vom Stand des Regulators abhängige Bewegung
des Kniegelenks, die den variablen Schluß des Ven-
tils bewirkt. Unabhängig von dem Steuerungs-
mechanismus der Einlaßventile ist der stets unver-
änderlich wirkende der Dampfauslässe. Zur Be-
wegung derselben dient je ein auf der Steuerungs-
welle sitzender Daumen, der bei einmaliger Rotation
mittels eines Winkelhebels und einer horizontalen
Schiene das Ventil hebt und senkt; ein rasches Off-
nen und Schließen des letztern wird durch zweck-
mäßige Form des Daumens erreicht. Der Füllungs-
grad variiert von 1 zu 90 Proz. -^ Außer der Coll-
mann-Steuerung sind in den letzten Jahren noch eine
außerordentlich große Zahl weiterer zwangläufiger
Ventilsteuerungen konstruiert und patentiert worden,
so die von Härtung, Brown, Hösfner, Proell, Klie-
bisch, König, Kuchenbecker, Widnmann u. a.
Die Bauarten der Woolfschen und Compound-
maschinen werden durch die folgenden Figuren ver-
deutlicht. In Taf. I, Fig. 2 ist'eineWoolfsche D.
mit Neceivervon Efcher Wyß & Comp. dargestellt,
bei welcher die beiden Cylinder hintereinander an-
geordnet sind (Tandem-Maschine). Die Verbin-
dung von Cylinder und Hauptlager ist auch hier
durch den Corlih- oder Bajonettballen hergestellt.
Wie die Abbildung zeigt, ist die Maschine mit Kon-
densation eingerichtet und der Kondensator a unter
dem Fußboden angebracht. Der Antrieb der Kon-
densatorpumpe erfolgt mittels eines vertikalen Ba-
lanciers, der eine Bewegung vom Kreuztopf durch
zwei Lenkstangen erhält. Der Regulator wirkt nur
auf die Steuerung des kleinen Cylinders verändernd
ein, dessen Füllung durch ihn von 0 bis 85 Proz.
verstellt werden kann. Weiter kommen die Woolf-
schen Maschinen in stehender Anordnung bei Ba-
lanciermaschinen häusig vor.
Taf. II, Fig. 5 zeigt den Grundriß einer Com-
poundmaschine von Collmann. Dieselbezeigt
deutlich die um 90° versetzten Kurbeln und die zu
beiden Seiten des Schwungrades angeordneten, mit
der bereits beschriebenen Collmann-Steuerung ver-
sehenen Dampfcylinder. Der in der Zeichnung als
unter dem Fußboden liegend punktiert angegebene
Neceiver 15 ist mit einem Dampfmantel versehen, der
die Heizung desselben bewirkt, um eme Kondensation
des aus dem kleinen Cylinder austretenden Dampfes
zu verhindern und event, dem im Neceiver befind-
lichen Dampfe noch Wärme zuzuführen. Die Konden-
fatorpumpe ist hinter dem kleinen Cylinder angeordnet
und wird von der durch den Cylinderdeckel hindurch
geführten Kolbenstange bewegt. In neuerer Zeit
werden die Compoundmaschinen mit Vorteil so aus-
geführt, daß auch jeder Cylinder für sich allein ar-
beiten und den Betrieb aufrecht erhalten kann, um
so die Reparatur eines der Cylinder ohne Betriebs-
störung zu ermöglichen. Die dann notwendigen
Rohrverbindungen sind in der eben erwähnten Zeich-
nung angegeben. Auch wird die Einrichtung ge-