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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dänisches Pferd - Dänische Sprache und Litteratur

Reiterregiment aus 3 Eskadrons nebst Schule und Übungseskadron. Die Feldartillerieregimenter haben je 2 Abteilungen zu 3 Batterien zu je 8 Geschützen. Die Festungsartillerie zerfällt in 2 Bataillone zu 3 Compagnien. Das Ingenieurregiment zählt 5 Linien- und 3 Reservecompagnien. Die Gesamtstärke im Frieden ist: 778 Offiziere, 1699 Unteroffiziere, 332 Spielleute, 11121 Gemeine. Dazu kommen das Gendarmeriekorps sowie die Cadres für Verstärkungsabteilungen: 1 Leibgardebataillon, 10 Bataillone, 2 Bataillone Kopenhagener Verstärkung, 4 Batterien, 5 Verstärkungs-Artilleriecompagnien Bornholmer Verstärkung. Der Generalstab besteht aus 25 Offizieren und 16 Unteroffizieren.

Die Kriegsstärke beträgt: 1 Leibgardebataillon, 5 Brigaden zu 2 Regimentern zu je 3 Bataillonen zu 4 Compagnien), 11 Depots; 5 Regimenter Kavallerie zu 3 Eskadrons, 1 Ordonnanzeskadron, 5 Depots; 2 Regimenter Feldartillerie zu 2 Abteilungen (zu je 3 Batterien zu 8 Geschützen), 2 Bataillone Festungsartillerie zu 6 Compagnien, ferner Depotabteilungen (darunter Train). Gesamtstärke: 1214 Offiziere, 2836 Unteroffiziere, 332 Spielleute und etwa 40000 Gemeine. Die Verstärkungscadres ergänzen sich auf mindestens 20000 Mann. Eine fernere Verstärkung der Festungsartillerie und des Ingenieurkorps ist in der Einrichtung begriffen. Bewaffnet ist die Infanterie mit dem Gewehr M/1889, System Krag-Jörgensen, die Feldartillerie mit 9 cm-Stahlkanonen.

Die Flotte zählt 7 Panzerschiffe, 10 Kreuzer, 8 Kanonenboote, 22 Torpedoboote 1. und 2. Klasse, 7 Patrouillenboote und 10 Minenfahrzeuge; außerdem 6 Schulschiffe, 1 Raddampfer, Kasernenschiffe, Transportboote u. s. w. Das Personal besteht aus 1 Vice-, 2 Konteradmiralen, 15 Schiffs-, 36 Fregattenkapitänen, 60 Schiffs- und einer unbestimmten Zahl von Unter- und Reservelieutenants nebst Unteroffizieren, und in der Linie 6318 Mann (2632 Matrosen, 1720 Artilleristen, 802 Maschinisten, 683 Mineure u. s. w.). Die Armee- und Marinedepots, Werften u. s. w. sind in Kopenhagen, dem einzigen Waffenplatz des Landes.

Dänisches Pferd, in Norddeutschland sehr beliebtes Ackerpferd; Inseldänen, auf Seeland gezüchtet, sind kleiner und beweglicher.

Dänische Sprache und Litteratur. I. Sprache. Die dänische Sprache bildet mit dem Norwegisch-Isländischen und dem Schwedischen eine Sprachfamilie, die ostgermanische des gemein-german. Sprachstammes. In dieser steht sie wieder dem Schwedischen näher als dem Isländischen und ist auch wie jenes dem Einfluß fremder Elemente viel mehr ausgesetzt gewesen als dieses. Vom Schwedischen unterscheidet sich das Dänische hauptsächlich dadurch, daß hier infolge des Betonungsgesetzes alle Endsilben tonloses e haben, während das Schwedische meist noch die vollen Endungen zeigt. Je weiter hinauf man die Denkmäler verfolgt, desto näher steht das Dänische dem Isländischen. Bis ins 10. Jahrh. war im ganzen Norden die Sprache wesentlich gleich. Ein Zeugnis hierfür liefern die ältesten Runensteine. (Vgl. Thorsen, De danske Runemindesmærker, 2 Bde., Kopenh. 1864-79; L. Wimmer, Runeskriftens Oprindelse og Udvikling i Norden, ebd. 1874; deutsch, Die Runenschrift, Berl. 1887.) Die ersten Unterschiede der einzelnen Sprachgruppen waren nur dialektischer Art; die Endungen waren noch voll, ähnlich wie sie noch das jetzige Isländisch hat. Schon die polit. Verbindung der Dänen mit den Angelsachsen seit Knut d. Gr. übte einigen Einfluß auf die Zersetzung der altskandinav. Formen und somit auf die schärfere Absonderung des Dänischen von den übrigen, sich einander sehr nahe stehenden altnordischen Mundarten Skandinaviens. Weit bedeutsamer für die selbständigere Weiterentwicklung des Dänischen wurden jedoch die Berührungen mit den Deutschen durch die Heereszüge der Waldemar, die Hofhaltung deutscher Fürsten, die aus den dän. Thron gelangten, den vielfachen Verkehr mit den Hansestädten, die Reisen und Studien der Dänen auf deutschen Schulen und Universitäten. Einen Wendepunkt in der Geschichte der dän. Sprache bildete sodann die Reformation. Einerseits drang durch die Bildung der dän. Theologen in Deutschland, besonders in Wittenberg, mancherlei zugleich mit den neuen Begriffen in die dän. Sprache, andererseits wurde vor allem durch die dän. Bibelübersetzung die Wurzel einer allgemeinen dän. Volks- und Schriftsprache gewonnen. Eine spätere Blütezeit der Sprache trat durch die geistliche Liederdichtung gegen Ende des 17. Jahrh. ein. Wie in Deutschland war es auch in Dänemark die Entwicklung des franz. Geschmacks, die der Sprache eine Menge von Gallicismen aufbürdete. Das Übergewicht deutscher Bildung und ausgezeichnete nationale Dichter, wie Ewald, halfen jedoch bis zu Ende des 18. Jahrh. jene Fesseln wieder abstreifen. Die nationale und selbständige Ausbildung der dän. Schriftsprache ward seit Anfang des 19. Jahrh. vollendet hauptsächlich durch die Belebung der altnordischen Studien sowie durch ausgezeichnete Meister der Sprache, wie Baggesen, Oehlenschläger, Grundtvig u. a. Außerhalb Dänemarks (Inseln und Jütland) ist das Dänische auf Island (neben dem Isländischen) und den Färöern (neben dem Färöerischen, einem dem Isländischen sehr nahe stehenden Dialekt), in Grönland (neben der Eskimosprache oder dem Karalit) und in den westind. Kolonien (neben dem Englischen) die Sprache des amtlichen Verkehrs. Seit Vereinigung Norwegens mit Dänemark gegen Ende des 14. Jahrh. wurde das Dänische auch die Schrift- und teilweise die Umgangssprache der Norweger. In neuerer Zeit bemühen sich jedoch die Norweger, wenn auch mit wenig Erfolg, ihre Volkssprache zur Schriftsprache zu erheben, um sich auch in diesem Punkte von den Dänen zu emancipieren.

Die dän. Sprache teilt sich schon in alter Zeit in verschiedene Mundarten. Dieselben zerfallen in zwei Gebiete, ein ostdänisches und ein westdänisches, die durch eine Linie von Veile über Viborg bis nach Lögstör am Limfjord abgegrenzt werden. Das Ostdänische, das sich allein zur Schriftsprache erhoben hat und auf den verschiedenen Inseln und der Ostseite Jütlands mit verhältnismäßig geringen Verschiedenheiten gesprochen wird, hängt gleich den andern skandinav. Sprachen den bestimmten Artikel, wenn kein Adjektiv beigefügt ist, hinten an das Substantiv und bildet das Passivum und Medium durch Anfügung der Medialendung -s. Das Westdänische oder Jütische hingegen, dem auch die in Nordschleswig gesprochene Mundart zugehört, hat den sächs. Artikel bewahrt und bedient sich des Hilfsverbums zur Bildung des Passivums. Der Dialekt auf der Insel Bornholm nähert sich dem Schwedischen. Die früher