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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Daphne - Daponte
verschiedener Größe und kleinen Vänmchen, welche
eine eigentümlich zähe, halbweiche Rinde, abwech-
selnd oder quirlförmig gestellte, ganze und ganz-
randige, oft lederartige Blätter und end- oder
achselständige Blüten mit röhrig-glockigem und
vierspaltigem Perigon besitzen und saftige, beeren-
förmige Steinfrüchte tragen. Viele der über die
ganze nördl. Halbkugel zerstreuten, besonders aber
in Südeuropa und dem subtropischen Asien heimi-
schen Arten haben sehr wohlriechende und zugleich
schöngefärbte Blüten, weshalb mehrere zu beliebten
Ziergewächsen geworden sind. Die bekannteste Art
ist D. ni626i'onm ^., der Kellerhals oder Sei-
delbast (s. Tafel: Giftpflanzen II, Fig. 4), ein
durch ganz Europa in Laubwäldern wachsender
kleiner Strauch, dessen rosenrote, stark duftende,
an den leiten des Stengels und der Äste sitzende
Blüten vor den Blättern erscheinen. Die scharlach-
roten Beeren enthalten einen brennendscharfen,
blasenziehenden Saft, wie auch die Rinde, welche
wegen dieser Eigenschaft als lüoi-tex N6^6i-6i früher
offizinell war und heute noch zur Darstellung des
Drouotschen^Pflasters dient. In Süddeutsch'land,
den Alpen, (^üd- und Westeuropa wächst, ebenfalls
an schattigen Orten, der lorbeerblätterige
Seidelbast, I). lam^ola ^., welcher sich durch
lederartige immergrüne Blätter, weiße Blüten und
schwarze Beeren vom gemeinen Seidelbast unter-
scheidet. Als Französischer Seidelbast kommt
die Rinde von D. (^niäium ^. in den Handel.
Die in Österreich-Ungarn, Obcritalien, den Pyre-
näen und Süddeutschland wachsende D.eneorum ^>.,
ein zwerghafter Strauch mit immergrünen, lincal-
fpatelförmigen Blättern und in endständige Büschel
gestellten, rosapurpurnen Blüten verdient noch mehr,
als geschieht, in Gärten angebaut zu werden, da sie
im Freien ausbält. Unter den nur im Gewächshaus
zu ziehenden Arten ist die duftende I). oclora M^"b//.
aus Japan, ein Väumcken mit glänzenden, zngefpitzt-
eiförmigen, lederigen Blättern und weißen oderrofen-
roten, sehr wohlriechenden Blüten, die bekannteste.
Die I). werden entweder durch Samen oder durch
Stecklinge, die meist ziemlich willig wachsen, und
durch Veredelung auf I). inL^reum ^. oder D. Imi-
i'sola ^. vermehrt. Aus den Bastfasern des Lein-
wandbaums, v. cHiinadin". ^"m. (Nepal), wird
ein gutes Schreibpapier hergestellt.
Daphne (grch., d. h. Lorbeer), im Altertum ein
prachtvoller Cypressen- und Lorbeerhain, reich all
frifchen Quellen und in schönster Lage, 80 Stadien
(etwa 15 Kin) im Umfang, bei Antiochia in Syrien,
8 km von der Stadt, welche durch den Zusatz "bei
D." von andern Städten gleichen Namens unter-
schieden wurde, l^eleucus I. Nicator weihte den
Hain Anfang des 3. Jahrh. v. Chr. dem Aftollon,
dem hier Spiele gefeiert wurden, und im 2. Jahrh,
errichtete hier Antiochus Epiphanes einen pracht-
vollen, 362 n. Chr. abgebrannten Tempel des Apollon
und der Artemis. Der Ort heißt jetzt Bet el-Mä.
Von Altertümern sind nur noch ein paar Grund-
mauern erhalten, die reizvolle Landschaft ist geblieben.
Daphne (grch., d. h. Lorbeer), die Tochter des
arkad. Ilußgottes Ladon oder des thessal. Peneios
oder des lakonischen Amyklas, wurde von Apollon
verfolgt und auf ihr Flehen von ihrer Mutter Gaia
(Erde) in einen Lorbeerbaum (der Lorbeer ist dem
Apollon heilig) verwandelt. Die Scene ist auf pom-
pejanischen Wandgemälden und in einer Statue
von Lor. Vernini (Rom, Villa Vorghcse) dargestellt.
Eine arkad. Sage erzählte, Leukippos, der Sohn des
Oinomaos, habe sich, um der von ihm geliebten D.
folgen zu können, als Mädchen verkleidet und unter
die Gespielinnen D.s gemischt; beim Baden sei er
wider seinen Willen von diesen entkleidet und, als
sein Geschlecht erkannt, getötet worden. - D. heißt
auch der 41. Planetoid.
Daphnephorien (grch.), ein delphisches Fest,
alle 8 Jahre zur Erinnerung an die Sühnung des
Apollon vom Blute des Drachen Python gefeiert;
ein Knabe mußte nach symbolischer Aufführung des
Drachenkampfes nach Tempe in einen Lorbeerhain
fliehen und blieb dort im heiligen Dienst, bis er zur
Zeit der Pythien in feierlicher Prozession, mit Lorbeer
geschmückt, nach Delphi zurückgeführt wurde. Ein
ähnliches Fest beging man in Theben zu Ehren des
Apollon Ismenios, wobei der Daphnephöros
(d. h. der Lorbeerträger) einen mit Lorbeer und
Blumen umwundenen Olivenstab, an dem eherne
Kugeln von verschiedener Größe befestigt waren
(die fpäter als Sonne, Mond und Sterne gedeutet
wurden), zu tragen hatte.
Daphnetm, eine organische Verbindung von
der Zusammensetzung (^II^ 0^. Sie findet sich mit
Zucker verbunden in dem Glykoside Daphnin
(^15 ^16 ^9 l- H2 l)), das aus der Rinde von l>apliu6
in626i^uin ^,. gewonnen wird. D. ist als Diory-
cumarin (s. Cumarin) aufzufassen. Es ist isomer mit
Asculetin (s. 0.) und kann durch Erhitzen von Äpfel-
säure und Pyrogallol mit konzentrierter Schwefel-
säure synthetisch gewonnen werden.
Daphni, Ort, 7^ km westlich von Atben, an
der "Heiligen Straße" am Nordfuß des Daphni-
Verges (467 m), bekannt durch das daselbst befind-
liche Kloster D., das aus dem frank. Mittelalter
stammt und jetzt von Nonnen bewohnt wird. In
den Hofräumen erinnern antike Marmortrümmer,
Mischen byzant. Skulpturen, an das im Altertum
hier befindliche Apollonheiligtum. Beachtenswert
sind in der Kirche die byzant. Mosaiken auf Gold-
grund, namentlich in der Kuppel.
DapkniN, f. Wasserflöhe.
Daphlnn, s. Daphnetin.
Daphnis, nach der von den Dichtern seit Stesi-
chorus viel behandelten griech. Sage ein Sohn des
Hermes und einer Nymphe; ein Liebling der Götter
und Menschen, weidete er seine Herden an den Ab-
hängen des Ätna. Er gewann die Liebe einer
Nymphe; aber durch eine Königstochter, die ihn
mit Wein berauschte, zum Treubruch verleitet,
wurde er von der Nymphe mit Blindheit gestraft.
Er tröstete sich über sein Mißgeschick mit Flöten-
spiel und Gesang; dies soll der Ursprung der sicil.
Hirtendichtung gewesen sein. Blind herumschwei-
fend, stürzte er von einem Felsen, aus dem seitdem
eine Üuelle hervorsprudelte; dort feierten die Um-
wohner jährlich sein Gedächtnis. Nach Theokrit
starb er an Liebeskummer, betrauert von der ganzen
Natur, von Tieren, Hirten und Göttern, ein Bild
des im Lenz aufblühenden, in der Hitze des Som-
mers welkenden Naturlebens.
Daphno'ideen, alter Name für die Familie der
Thymelä'aceen (s. d.).
VaMsr (lat.), soviel wie Truchseß (s. d.).
Daponte, Lorenzo, ital. Operndichter, geb.
10. März 1749 zu Ceneoa im Venetianischen, kam
in das geistliche Seminar zu Treviso, wo er bereits
1771 eine Professur erhielt. Wegen freisinniger
Äußerungen seines Amtes enthoben, wandte er sich