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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dariusvase - Darlehn
scheidende Schlacht bei Gaugamela (2. Okt. 331)
öffnete dem siegreichen Alexander den Weg nach
Susiana und in das eigentliche Persien. D. floh
nach Ekbatana in Medien, und als ihn Alexander
verfolgte, nach den nördl. Provinzen. Auf dem
Wege vcmächtigte sich Vessus, der Satrap von
Valtrien, seiner Person. Alexander selbst eilte, den
König zu retten; als aber D. sich weigerte, dem
Vessus aus der Flucht zu folgen, verwundete ihn
dieser tödlich und ließ ihn hilflos auf seinem Wa-
gen liegen. Sterbend sanden ihn die Reiter Alexan-
ders. Ein Macedonier reichte ihm den letzten Labe-
trunk und erhielt von ihm den Auftrag, dem Alexan-
der für die Großmut zu danken, die er an feiner
Familie bewiesen. Alexander, der gleich darauf
hinzukam, fand D. schon verschieden (330). Er sen-
dete den toten Körper der Sisygambis, um ihn zu
Persepolis in dem Begräbnisse der pers. Könige bei-
zusetzen. Die neuere Legende der Perser kennt T). I.
und D. III. unter dem Namen Därä; aber der letz-
tere ist der Sohn des erstern und mütterlicherseits
Großvater Alexanders.
Als ein mit den Perserkönigm nicht zu verwech-
selnder D. wird von einigen der im Buche Daniel
erwähnte D. der Meder angenommen, und zwar
als ein Unterkönig des Cyrus.
Darmsvafe, großes Prachtgefäh von ge-
branntem Thon, mit roten Figuren auf schwarzem
Firnisgrunde, im Nu860 naxionals zu Neapel be-
sindlich, 1851 in einem Grab zu Canosa in Unter-
ttalien gefunden. Das Gefäß, im fogenannten un-
terital. Stil dekoriert, stammt aus dem Ende des
4. oder Anfang des 3. Jahrh. v. Chr. Das in drei
Reihen gegliederte Hauptbild hat den Zug des
Darius gegen Griechenland zum Inhalt. Im mitt-
lern Streifen ist Darius felbst dargestellt, inmitten
pers. Großer über den Krieg beratend. Die untere
Reihe versinnbildlicht in der Darstellung des Schatz-
meisters, der den Tribut von den Abgesandten der
Provinzen einzieht, den Reichtum der pers. Macht.
In der obern Reihe sitzen die Götter zu Gericht über
den Streit von Hellas und Asien, die beide in Frauen-
gestalt in der Versammlung erscheinen. Abgebildet
ist die D.in den "Nonumsuti äsN'IriLtituto arolieo-
loßico" (Rom 1873), Bd. IX, Taf. 50, 51.
Darjal, auch Darial, Dariel, Engpaß im
Kaukasus im russ.-kaukas. Gouvernement Tiflis,
an der Grenze des zum Terekgebiet gehörenden Be-
zirks Wladikawkas, unter 42" 35' nördl. Br. und
44° 55^ östl. L. von Greenwich, und durchfchnittlich
in 1250 m Höhe, wird vom Flußthal des obern Terek
gebildet, an dessen rechtem Ufer sich die unter Kaifer
Alexander I. erbaute Große Georgifche oder Grusi-
nische Heerstraße hinzieht, die die Nordseite des Kau-
kasus rnit Tiflis verbindet. Das im Engpaß liegende
Kastell D. foll 140 v. Chr. vom iber. König
Mirwan zum Schutz gegen die Chasaren erbaut
worden sein. Bei Strabo heißt der Darjal-Pah
I'ortg. (^uca8ic3., bei den orient. Schriftstellern
Dariallan, bei den Tataren Dar-ioly, bei den
Georgiern Hewis-Kari. ftschiling.
Darjeeling, Darjilwg (spr. -dschihl-), s. Dar-
Darkehmen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez.
Gumbinnen, hat 758,80 ykm, (1890) 34207 (16587
männl., 17620 weibl.) E., 1 Stadt, 150 Land-
gemeinden und 79 Gutsbezirke.- 2) Kreisstadt im
Kreis D., 25 km von Gumbinnen, an der Angerapp
und an der Nebenlinie Insterburg-Lyck der Preuß.
Staatsbahnen, hat (1890) 3448 E., darunter
163 Katholiken und 64 Israeliten, in Garnison
das 2. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 59
Freiherr Hiller von Gärtringen, Post zweiter Klasse
mit Zweigstelle, Telegraph, Landratsamt, Amts-
gericht (Landgericht Insterburg), Euperinteudentur;
Kreis- und städtische Sparkasse, Vorschußverein,
Warendepot der Deutschen Reichsbank; Kreislaza-
rett und -Armenhaus, städtisches Hospital, städti-
sches Armenhaus, elektrische Straßenbeleuchtung;
Eisengießerei, Messingwarenfabrik, Müllerei, Land-
wirtschaft, Jahr-, Vieh- und Pferdemärkte.
Darlaston (fpr. -läht'n), Industriestadt in der
engl. Grafschaft Stafford ber Wednesbury, hat
(1891) 14422 E., Kohlengruben und Eifenwerke.
Darlehn, der Vertrag, nach welchem Geld oder
andere Vertretbare Sachen (s. d.) einem andern
gegen dessen Verpflichtung zu Eigentum gegeben
sind, Sachen der gleichen Art, Güte und Menge
zurückzuerstatten. D. wird auch das hingegebene
Geld oder die hingegebene Menge von Sachen sowie
die geschuldete Geldsumme (Menge von Sachen)
genannt. Das hingegebene Quantum braucht nicht
im Eigentum des Darlehnsgebers zu stehen, wenn
der Eigentümer damit einverstanden ist, daß der
Geber sich das Rückzahlungsversprechen geben läßt;
der Eigentümer kann auch, ohne daß er dazu einer
Vollmacht des Dritten bedarf, sein eigenes Geld im
Namen des Dritten so hingeben, daß der Empfänger
Rückzahlung an den Dritten verfpricht, welcher da-
durch Darlehnsgläubiger wird. Abgesehen von
diesen Fällen entsteht für den Empfänger die Ver-
pflichtung, das D. an den, welcher fremdes Geld
zahlt, als D. in eigenem Namen zurückzuzahlen,
wenn der Empfänger das fremde Geld in dem guten
Glauben, es gehöre dem Darlehnsgeber, ausgegeben
oder fo mit feinem Gelde vermischt hat, daß die
einzelnen empfangenen Geldstücke nicht mehr nach-
zuweisen sind. Der Eigentümer des Geldes kann sich
dann an den Darlehnsempfänger nicht halten; anders
nach Preuß. Allg. Landr. 1,11, §§. 665 fg.
Eine Darlehnsfchuld entsteht auch dadurch, daß
der Schuldner feinem Gläubiger die aus einem an-
dern Schuldgrunde, z. B. einem Kauf verfchuldete
Geldsumme als D. zu fchulden bekennt', oder daß
der Empfänger Sachen zu einer bestimmten Taxe
übernimmt und die fo berechnete Summe als D.
zurückzuzahlen verfpricht.
Zinfen hat der Schuldner zu zahlen, wenn er das
verfprochen hat, sonst nur, wenn er sich mit der Rück-
zahlung im Verzüge (s. d.) befindet, und zwar seit
dem Verzüge. Die Höhe der Zinsen unterliegt der
Vereinbarung, soweit nicht Wucher (s. d.) vorliegt.
Nach gemeinem Recht - 86naw8 consuitum
NkoeäoniHnuin aus der Zeit Vespasians - ist
ein Gelddarlehn nicht klagbar, welches einem in
väterlicher Gewalt stehenden, auch volljährigen
Haussohn ohne Zustimmung des Vaters gegeben
ist. Der Gläubiger darf aber das Geld behalten,
wenn es freiwillig zurückgezahlt ist; und er hat eine
Klage, wenn der Empfänger nach Aufhebung der
väterlichen Gewalt Rückzahlung verfpricht. Ahn-
liche beschränkende Bestimmungen gelten im Preuß.
Allg. Landrecht für die Darlehnsfchulden von königl.
Prinzen und Subalternofsizieren des stehenden
Heers, die ohne schriftliche Genehmigung des Chefs
eingegangen sind. Nach manchen Gesetzen ist das D.
nicht klagbar, das zum Spielen gegeben ist.
Ist über die Zeit der Zurückzahlung nichts
bestimmt, so kann der Gläubiger das D. jederzeit