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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Darmanastomose - Darmentzündung

Chylus nach den größern Chylusgefäßen hin vorwärts zu treiben. Die Drüsen der Darmschleimhaut sind verschiedener Art. Im Dünndarm finden sich in ungeheurer Anzahl zwischen den Darmzotten die sog. Lieberkühnschen Drüsen, kleinste, einfache Schlauchdrüsen, welche den dünnen alkalischen Darmsaft absondern, der sich dem Speisebrei beimengt, Faserstoff und Eiweißkörper auflöst und Stärke in Dextrin und Zucker verwandelt. Im Zwölffingerdarm kommen kleine traubenförmige Drüsen vor, die sog. Brunnerschen Drüsen, deren gleichfalls alkalisches Sekret dem vom Pankreas abgesonderten Bauchspeichel gleicht. Weiterhin finden sich über die ganze Dünndarmschleimhaut zerstreut kleine hirsekorngroße Lymphdrüsen, die sog. solitären Follikel, die als Bildungsstätten der weißen Blutkörperchen betrachtet werden. Der untere Abschnitt des Dünndarms endlich ist der Sitz der Peyerschen Drüsenhaufen, die eine Anhäufung von vielen solchen solitären Follikeln darstellen. Die Schleimhaut des Dickdarms ist glatt, sie hat keine Falten und Zotten, sondern nur Lieberkühnsche Drüsen und solitäre Follikel. (Vgl. die Tafeln: Die Baucheingeweide des Menschen, Bd. 2.)

Die Verrichtungen des Dünndarms bestehen zunächst in der weitern chem. Umwandlung des aus dem Magen übergetretenen Speisebreies oder Chymus (s. d.) mit Hilfe des von den Brunnerschen und Lieberkühnschen Drüsen abgesonderten Darmsaftes, sowie der Galle und des Bauchspeichels, welche beide während der Verdauung sich gemeinschaftlich in den Zwölffingerdarm ergießen. Durch den Einfluß dieser Sekrete auf den durch die wurmförmigen Bewegungen des Darms langsam fortbewegten Speisebrei werden die im Magen noch nicht oder nur unvollständig aufgelösten Eiweißkörper vollends aufgelöst und verflüssigt, die noch vorhandene Stärke in Dextrin und Zucker umgewandelt und die Fette in eine mandelmilchähnliche Emulsion verflüssigt und so zur Aufnahme in die Saugadern geschickt gemacht. Die so gelösten Nahrungsstoffe werden sodann von den Darmzotten vermittelst kapillarer und endosmotischer Vorgänge aufgesaugt und durch rhythmisch erfolgende Kontraktionen in die Chylusgefäße und von diesen weiterhin in die allgemeine Säftemasse übergeführt. Der unverdaute und unbrauchbare Teil der Nahrungsstoffe gelangt endlich in den Dickdarm, wird hier durch Aufsaugung seiner flüssigen Bestandteile eingedickt, in Kot umgewandelt und schließlich durch die peristaltischen Bewegungen des Darmrohrs und die Kontraktionen der Bauchmuskeln nach außen entleert. (S. Verdauung.)

Die Krankheiten des D. verdienen immer sorgfältige Beachtung. Sie betreffen entweder nur den serösen Überzug des Darmrohrs, in welchem Falle sie vorwiegend die Symptome der Bauchfellentzündung (s. d.) veranlassen, oder die Darmschleimhaut selbst, welche am häufigsten unter dem Bilde des Darmkatarrhs oder der Darmentzündung (s. d.) verlaufen. Von den Schleimhautaffektionen des D. sind am wichtigsten die verschiedenen Formen des Darmkatarrhs und der Darmgeschwüre, die Ruhr, der Unterleibstyphus, die Cholera sowie die Entzündung des Blinddarms und seines wurmförmigen Fortsatzes. Über die im D. schmarotzenden Würmer s. Eingeweidewürmer. Von Geschwülsten, welche vorwiegend krebsiger Natur sind, werden besonders die verschiedenen engen Stellen des Darmrohrs ergriffen. - Vgl. Leube, Die Krankheiten des Magens und D. (in Ziemssens "Handbuch der Pathologie und Therapie", Bd. 7, Lpz. 1876); Ewald, Klinik der Verdauungskrankheiten (3. Aufl., 2 Bde., Berl. 1890-93); Rosenheim, Pathologie und Therapie des Verdauungsapparates (2 Bde. Wien 1891-93).

Darmanastomose, durch Operation hergestellte offene Verbindung zweier Darmpartien oberhalb und unterhalb einer anderweitig nicht zu beseitigenden Verengerung oder Verschließung des Darms, um die unbehinderte Passage des Darminhalts wieder zu ermöglichen.

Darmanhang (Darmdivertikel), s. Divertikel.

Darmatmung, die sich beim Schlammpeitzker und den Libellenlarven findende Atmung durch die Darmwandung.

Darmbein, s. Becken.

Darmbruch, s. Bruch (mediz., Bd. 3, S. 595 a).

Darmdivertikel, s. Divertikel.

Darmdrüsenblatt, s. Embryo.

Därme. Die D. bilden in getrocknetem und feuchtem Zustande, in letzterm Falle der Haltbarkeit wegen mit Salz eingelegt, einen nicht unbedeutenden Handelsartikel, und zwar werden Rinds- und Schweinsdärme hauptsächlich von England und Amerika, Schafdärme von Rußland importiert. Verpackung in Fässern und Kisten zu 150-500 kg. Verwendung finden D. in der Wurst- und Saitenfabrikation, für letztern Zweck ausschließlich die Schafdärme.

Darmeingießung, s. Klystier.

Darmeinklemmung, s. Bruch (mediz., Bd. 3, 595 a).

Darmeinschiebung, s. Darmverengerung.

Darmentzündung (Enteritis), vorzugsweise Bezeichnung für die Entzündung der Darmschleimhaut, während die entzündlichen Affektionen des serösen Überzugs der Därme gewöhnlich der Unterleibs- oder Bauchfellentzündung (s. d.) zugeteilt werden. Die D. tritt meist als einfache katarrhalische Entzündung oder Darmkatarrh und als kruppöse oder diphtheritische Entzündung oder Ruhr (s. d.) auf; weiterhin kommen schwere Entzündungen der Darmschleimhaut als Folge einer specifischen Infektion beim Unterleibstyphus (s. Typhus) und bei der Cholera (s. d.) zur Beobachtung.

Der akute Darmkatarrh (Enteritis catharrhalis, Catharrus intestinalis) zählt zu den am häufigsten vorkommenden Krankheiten und wird meist durch örtliche Reize veranlaßt, welche die Darmschleimhaut in Entzündung versetzen, so namentlich durch den Genuß verdorbener, in Gärung und Zersetzung übergegangener oder unverdaulicher Nahrungsmittel und Getränke, durch den Gebrauch scharfer, die Darmschleimhaut reizender Mittel (Abführmittel, ätzende Metalloxyde), durch Anhäufung von harten Kotmassen oder Würmern im Darmkanal, bisweilen auch durch Blutstockungen in der Pfortader bei Herz-, Leber- und Lungenkrankheiten. Auch Erkältungen des Unterleibs und der Füße sowie heftige Gemütserregungen (Angst und Schreck) können akuten Darmkatarrh hervorrufen; oft schließt sich der letztere auch an einen schon bestehenden Magenkatarrh an. Zu gewissen Zeiten, namentlich im heißen Sommer, tritt der Darmkatarrh zuweilen auch in epidemischer Verbreitung auf, ohne daß sich eine bestimmte Ursache dafür nachweisen läßt. Die anatom. Veränderungen der Darmschleimhaut bestehen beim akuten Katarrh in einer mehr oder minder beträchtlichen Rötung und Schwellung der Schleimhaut, insbesondere ihrer drüsigen Elemente, und in der reichlichen Absonderung eines stark wässerigen oder schleimigen, vorzugsweise massenhaft abgestoßene