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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Darowa - Darstellung

Darowa, Ort im Gerichtsbezirk Rokitzan der österr. Bezirkshauptmannschaft Pilsen in Böhmen, an einem Seitenbache der Beraun, gehört zur Ortsgemeinde Kreuz (czech. Křiše) und zum gräfl. Sternbergschen Allodialgute Radnitz und hat (1890) 177 czech. E., in der Umgebung umfangreiche Steinkohlenlager, großes Eisenwerk und Schwefelfabrik. Hier wurden 1836 die ersten Versuche gemacht, Steinkohle beim Eisenhüttenbetriebe zu verwenden.

Darre, Krankheit, s. Darrsucht.

Darren, Dörren, Bezeichnung für die Trocknung oder oberflächliche Röstung vegetabilischer Stoffe, wie Flachs, Getreide, Hanf, Holz, Hopfen, Malz, Obst, Torf, Zuckerrüben. Auch nennt man so die zu diesem Prozeß gebräuchlichen Vorrichtungen. Über das D. des Flachses s. Flachsspinnerei, des Getreides s. Riegen, des Hopfens s. d., des Malzes s. Malzdarren, des Obstes s. Obstverwertung, des Torfes s. d.; das D. des Hanfes ist dem des Flachses gleich. Beim D. des Holzes bezweckt man entweder eine Konservierung (s. Holzkonservierung) oder eine Erhöhung des Brennwertes. Bei der Kupfergewinnung bezeichnet man mit D. auch das Glühen bleihaltigen Kupfers bei Luftzutritt, wodurch das Blei an der Oberfläche "ausschwitzt", oxydiert und mit einem Teil oxydierten Kupfers als Darrschlacke entfernt werden kann.

D'Arrest (spr. -reh), Heinr. Ludw., deutscher Astronom, geb. 13. Aug. 1822 zu Berlin, studierte seit 1839 daselbst unter Enckes Leitung Astronomie. Bereits 1844 entdeckte er einen Kometen, weitere 1845, 1851, 1857. D. wurde 1846 zweiter Assistent an der Berliner Sternwarte und 1848 Observator in Leipzig, wo er sich 1851 auf Grund seiner Schrift "Über das System der kleinen Planeten zwischen Mars und Jupiter" (Lpz. 1851) habilitierte. 1852 wurde er außerord. Professor, 1857 ord. Professor der Astronomie in Kopenhagen, wo unter seiner Leitung 1858-61 die neue, mit vorzüglichen Instrumenten (darunter ein 10 ½ zölliger Refraktor) ausgerüstete Universitätssternwarte erbaut wurde. Er starb 14. Juni 1875 zu Kopenhagen. D. veröffentlichte in "Resultate aus Beobachtungen der Nebelflecke und Sternhaufen, 1. Reihe" (Lpz. 1856) eine Sammlung sehr genauer Ortsbestimmungen von über 200 Objekten. In Kopenhagen unternahm er eine sehr umfassende Beobachtungsreihe von Nebelflecken zur Herstellung eines neuen, den Herschelschen Katalogen ähnlichen Verzeichnisses und veröffentlichte "Siderum nebulosorum observationes Havnienses" (Kopenh. 1867), welches Positionen von 1942 Nebelflecken enthält, worunter an 400 von ihm neu entdeckte Objekte. Auch entdeckte er, daß ein früher mit Sicherheit beobachteter Nebelfleck verschwunden sei, daß es also Nebel von veränderlicher Helligkeit gäbe. Später unternahm D. eine Beobachtung aller für das Spektroskop zugänglichen Nebelflecke und Sternhaufen, deren Resultate ein Universitätsprogramm in dän. Sprache: "Untersuchungen über die nebulosen Sterne in Bezug auf ihre spektralanalytischen Eigenschaften" (Kopenh. 1872), enthält. Hieran reihte sich eine Durchmusterung der Fixsterne in spektroskopischer Beziehung. Die meisten seiner Arbeiten finden sich in den "Astron. Nachrichten", den "Berichten" der Königl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften und den "Mitteilungen" der Kopenhagener Societät. 1862 entdeckte er den kleinen Planeten Freia.

Darrgras, s. Hierochloa.

Darrhöfe, s. Lecksucht des Rindes.

Darrmalz, s. Malz.

Darro, ein goldführender Bach in der span. Provinz Granada (Andalusien), entspringt 13 km im NO. der Stadt Granada in der Sierra Jarana, fließt am Fuße des Alhambra-Hügels vorbei durch Granada und mündet bald darauf in den Genil. Sein klares frisches Wasser dient zur Versorgung Granadas und der Alhambra.

Darrschlacke, s. Darren.

Darrsucht (Tabes, Marasmus) oder trockne Schwindsucht, Name der Abzehrungskrankheiten, bei denen der Körper nicht, wie bei der Auszehrung (s. d.), durch übermäßige Ausgaben und Säfteverluste (langwierige Eiterungen, Schleimflüsse u. s. w.) verzehrt wird, sondern infolge verminderter Ernährung sich gewissermaßen selbst verzehrt und vertrocknet. Dahin gehört die Greisendarrsucht (Marasmus senilis), die Drüsendarre der Kinder (Paedathrophia), die Rückendarre (Tabes dorsalis), die D. der Berg- und Hüttenleute (Bergsucht, Tabes metallica) u. s. w. - Auch ist die D. oder Darre eine häufige Krankheit der Vögel, besonders der Stubenvögel, wobei dieselben traurig werden, die Flügel hängen lassen und nach und nach alle Federn verlieren. Die Darre der Vögel beruht auf einer Entzündung der zum Einölen der Federn dienenden Bürzel- oder Steißdrüse mit Verstopfung ihres Ausführungsganges, entsteht am häufigsten durch Mangel an frischem Badewasser und Unreinlichkeit und erfordert zu ihrer Heilung behutsames Ausdrücken der verstopften Drüse sowie fleißiges Baden und wiederholte gründliche Reinigung des Käfigs. - D., Darre, Fohlendarre ist ferner auch eine ältere Bezeichnung für eine Erkrankung der Saugfohlen, die in etlichen Fällen als Tuberkulose des Darms und der Gekrösdrüsen, in andern als Blutvergiftung aufgefaßt werden muß. Die Erscheinungen der unter D. zusammengefaßten Erkrankungen bestehen hauptsächlich in mehr oder weniger raschem Verfall der Kräfte bei mäßig bestehendem Appetit.

Dar Runga, Negerreich im Sudan, s. Runga.

Dar Salah, s. Wadai.

Darß, Halbinsel im Kreis Franzburg des preuß. Reg.-Bez. Stralsund (s. Bodden), ist 77 qkm groß und durch Mohrrübenbau bekannt. Darauf liegen die Dörfer Born (1435 E.), 38 km im NW. von Stralsund, und Wieck (1123 E.) am Bodstedter Bodden, sowie das Seebad Prerow (1466 E., 1891: 1067 Kurgäste). Die mit einem Leuchtturm versehene Nordspitze der Halbinsel heißt Darßer Ort.

Darstellende Künste, soviel wie Bildende Künste (s. d.); aber auch diejenigen Künste, welche die Aufgabe haben, fremde Kunstwerke möglichst vollendet vorzuführen, wie Schauspielkunst, poet. und musikalische Deklamation. (S. Darstellung.)

Darstellung. Darstellen heißt etwas zu einem Gegenstande der äußern Anschauung machen. Das, was dargestellt wird, kann entweder ein Wirkliches, das im Bilde der sinnlichen Auffassung dargeboten wird, oder ein innerlich Gedachtes und Vorgebildetes sein, für das die D. einen sinnlich-anschaulichen Ausdruck sucht. So versteht man namentlich unter ästhetischer D. die Behandlung einer ästhetischen Idee, durch welche diese eine ihr entsprechende, durch sich selbst gefallende Form für die Anschauung erhält. Ein sinnlich Anschaubares soll eine bestimmte Idee ausdrücken und einen derselben entsprechenden Gefühlszustand hervorbringen. In die-^[folgende Seite]