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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Decazes (Louis Charles Elie Amanieu, Herzog); Decazeville; Deccan; Dece...; Decebalus; Decedieren; Decelea; Decem; Decem primi; Decempeda; Decemvirn

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Decazes (Louis Charles Elie Amanieu, Herzog) – Decemvirn

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Decazes'

nach Fouchés Rücktritt 24. Sept. 1815) zum Polizeiminister ernannte, nachdem er ihn bereits 27. Jan. 1815 in den Grafenstand erhoben hatte. 1818 wurde D. Premier eines gemäßigt liberalen Ministeriums, nachdem er die Auflösung der «Chambre introuvable», die Aufhebung der Ausnahmegesetze und die Ermäßigung des Wahlcensus gegen die Ultraroyalisten durchgesetzt hatte. Doch diese rächten sich, indem sie 1820 die Ermordung des Herzogs von Berry (s. d.) benutzten, um D. der Mitschuld an dem Attentat zu zeihen, da, wie sie sagten, seine revolutionäre Politik den Mörder zu seiner That veranlaßt habe. Aber nur auf heftiges Andringen gelang es, Ludwig XVIII. zur Verabschiedung seines Ministers zu bewegen, der 20. Febr. 1820 zum Zeichen der fortdauernden Gunst seines Königs zum erblichen Herzog erhoben und zum franz. Gesandten am Hofe zu London ernannt wurde. D. blieb auf diesem Posten bis zum Sturze des Herzogs von Richelieu, Dez. 1821, der ihm als Ministerpräsident gefolgt war. Unter dem Ministerium Villèle nahm er in der Pairskammer, der er bereits seit 1818 angehörte, an allen wichtigern Debatten teil, hielt sich aber stets zu den Gegnern der Regierung. Nach der Julirevolution von 1830 schloß er sich der Dynastie Orléans an und diente ihr mit großem Eifer als Großreferendar der Pairskammer. Nach der Februarrevolution von 1848 zog sich D. ins Privatleben zurück und widmete sich der Fördernng der Landwirtschaft und des Fabrikwesens. Er starb 25. Okt. 1860 in der von ihm gegründeten Stadt Decazeville.

Decazes (spr. -kahs'), Louis Charles Elie Amanieu, Herzog D. und von Glücksberg, franz. Staatsmann, der älteste Sohn des vorigen, geb. 29. Mai 1819 in Paris, war längere Zeit franz. Gesandter zu Madrid und Lissabon, zog sich aber nach der Februarrevolution 1848 ins Privatleben zurück. Febr. 1871 nahm D. jedoch wieder im Depart. Gironde ein Mandat für die Nationalversammlung an, wo er Führer des rechten Centrums wurde, Sept. 1872 ging er als Botschafter nach London und wurde 26. Nov. 1873 bei der Neubildung des Ministeriums Broglie Minister der auswärtigen Angelegenheiten, welche Stellung er dann auch noch in verschiedenen Ministerien unter der Präsidentschaft Mac-Mahons bekleidete, äußerlich die besten Beziehungen zu den Mächten, auch zu Deutschland, wahrend, insgeheim aber sein Trachten auf eine Annäherung an Rußland zum Nachteile des Deutschen Reichs lenkend. Bei den Stichwahlen vom 5. März 1870 wurde D. im 8. Pariser Arrondissement in die Deputiertenkammer gewählt. Auch in das Ministerium Broglie-Fourtou vom 18. Mai 1877 ging D. als Minister des Auswärtigen über und gehörte ihm bis zu dessen Sturz (Nov. 1877) an. Dies brachte ihn um seinen Kredit bei den Liberalen. Bei den Wahlen des 14. Okt. 1877 wurde er im Arrondissement Puget-Théniers (Seealpen) gewählt, seine Wahl aber 17. Dez. 1878 von der Kammer kassiert, worauf sich D. ins Privatleben zurückzog. Er starb in der Nacht vom 16. zum 17. Sept. 1886 auf seinem Schloß La Grave (Depart. Gironde).

Decazeville (spr. -kahs'wil), Hauptstadt des Kantons D. (107,46 qkm, 7 Gemeinden, 14861 E.) im Arrondissement Villefranche des franz. Depart. Aveyron, 4 km nordöstlich von Aubin, an einem Zufluß des Lot und der Linie Viviez-D. (2 km) der Franz. Orléansbahn, hat (1891) 6684, als Gemeinde 8871 E., Post, Telegraph, Papierfabrik, große, ↔ 1827 vom Herzog Decazes gegründete Eisenwerke und Steinkohlenbergwerke mit 5000 Arbeitern, für welche Freischulen, Arbeiterwohnungen, Asyle und gegenseitige Hilfsgesellschaften bestehen. Von Januar bis Juni 1886 fand hier ein mit mehrfachen Unruhen verbundener größerer Arbeiteraufstand statt, der nach Ermordung eines Grubenbeamten zur militär. Besetzung der Gruben führte und zu heftigen Kammerdebatten Anlaß gab.

Deccan, engl., für Dekan (s. Ostindien).

Dece..., Artikel, die man hier vermißt, sind unter Deze... aufzusuchen.

Decebălus, König von Dacien (s. d.) zur Zeit der röm. Kaiser Domitian und Trajan, nötigte die sämtlichen dacischen Teilfürsten, ihm zu huldigen, und fiel 86 n.Chr. in Niedermösien ein, dessen Statthalter Oppius Sabinus von ihm geschlagen und getötet ward. Domitian unternahm selbst einen Kriegszug gegen D.; der Gardepräfekt Cornelius Fuscus drang in das Land ein, fand aber bald seinen Untergang. Glücklicher war bei dem zweiten Zuge Domitians Feldherr Julianus (88). Dennoch sah sich der Kaiser, der von den Markomannen geschlagen worden war, genötigt, mit D. Frieden zu schließen und diesem, der nominell in eine Art Vasallenverhältnis zu Rom trat, einen jährlichen Tribut zu bewilligen (90) und außerdem zahlreiche Handwerker und Künstler zu schicken. Der Kaiser Trajan erneuerte sodann den Krieg gegen D. und erfocht 101–102 in Dacien selbst Siege. D. bat um Frieden und erhielt ihn, jetzt ganz abhängig, brach ihn aber schon 104. Hierauf führte Trajan sein Heer über eine (in 18 Monaten zwischen Turnu-Severin und Kladova erbaute) steinerne Brücke über die Donau nach Dacien (105), schlug den D. und eroberte seine Hauptstadt Sarmizegetusa, worauf D. (107) sich selbst tötete und sein Land röm. Provinz wurde. Diese Kriege sind auf der Trajanssäule dargestellt.

Decedieren (lat.), abgehen, abweichen.

Decelēa, s. Dekeleia.

Decem (lat.), zehn.

Decempĕda (lat., d. h. 10 Fuß enthaltend), die zehnschuhige Meßrute der röm. Feldmesser; daher Decempedātor, Feldmesser.

Decem primi («die ersten Zehn»), im alten Rom Name der Ausschüsse des Senats für besondere Geschäfte. Sie wurden in der Regel aus den 10 oder auch 5 (Quinque primi) oder 15 (Quindĕcim primi) im Album (dem Senatorenverzeichnis) nach ihrer Rangordnung zu oberst verzeichneten Senatoren oder Decurionen gebildet. Auch in den röm. Municipien und Kolonien waren Senate nach dem Muster der Hauptstadt mit einem Ausschüsse der D. p. eingerichtet. Selbst in griech. Gemeinden führten die Römer solche Ausschüsse (dekáprōtoi) ein, doch mit dem Unterschiede, daß die Teilnahme unter den Mitgliedern des Rats abwechselte, und daß sie hier ausschließlich mit Eintreibung der Steuern beauftragt waren.

Decémvirn (lat. decemvĭri, d. i. Zehnmänner), im alten Rom Name mehrerer obrigkeitlichen Kollegien aus zehn Personen, deren Bestimmung durch einen Zusatz näher angegeben wird. Die berühmtesten sind die Decemviri consulari imperio legibus scribundis (nach älterer Schreibart für scribendis), eine infolge des Antrags des Tribuns Terentilius Arsa zur Abfassung von Gesetzen für das J. 451 erwählte und mit der höchsten obrigkeitlichen Gewalt und außerordentlichen Befugnissen

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 852.