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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deidesheim - Deiphobos
Deidesheim, Stadt im Bezirksamt Neustadt des
bayr. Reg.-Bez. Pfalz, 7 km südlich von Dürkheim,
an der Hardt und der Linie Monsheim-Neustadt der
Pfalz. Eisenbahnen, einer der wohlhabendsten Orte
der Pfalz, hat (1890) 2807 E., darunter 290 Evan-
gelische und 57 Israeliten, Post, Telegraph, eine
lath. und eine prot. Kirche (1875), Latein-, höhere
Mädchenschule, landwirtschaftliche Fortbildungs-
schule, Filiale der Niederbronner Schwestern, reich
dotiertes Hospital; bedeutenden Wein- und Obstbau.
Einige der Keller geboren zu den größten in Deutsch-
land. Der in günstigen Lagen gewachsene Deides -
heim er, ein edler, weißer Wein, ist nächst dein For-
ster der vorzüglichste der Pfälzer Weine. Die besten
Lagen sind Gram, Kränzler, Kalkofen und Kihelberg.
De'ifizieren (lat.), vergöttern: De'ifikation,
Vergötterung.
vsi Fratia. (lat.), s. Gottes Gnaden.
Deiker, Hans, Maler, geb. 27. Mai 1822 zu
Wetzlar, war anfangs als Schüler von Jakob Becker
in Frankfurt a. M. Vildnismalcr, trat dann in die
Dienste des Fürsten zu Solms-Vraunfels, auf dessen
Gütern er den Wald und dessen Tierlebcn zum
Gegenstände seiner Studien machte. Er behandelte
in seinen Gemälden alle jagdbaren Tiere des deut-
schen Waldes, zugleich mit feiner Beobachtung des
Landschaftlichen. 'Seit 1868 lcbt D. in Düsseldorf.
- SeinBruder, Karl Friedrich D., geb.3.April
1830 zu Wetzlar, schloß sich der gleichen Kunstrich-
tung an. Er war seit 1858 Schüler Schirmers in
Karlsruhe und siedelte 1864 nach Düsseldorf über,
wo er 19. März 1892 starb. Auch er hat seine
Stoffe fast ausschließlich dem Leben des Jägers
und seincr Tierwelt entnommen und mit großer
Lebendigkeit in Sauhatzen (ein Bild, 1870, im
Museum zu Köln), Hirschkämpfen u. s. w. dargestellt.
voilspklia., eine Gattung oerSchwärmer (s. d.).
Deime, ein bei Tapiau in 1 in Höhe vom Prc-
gcl nach N. zum Kurischen Haff abgehender Arm,
41,5 km lang und 1,5 m tief, wurde 1405 durch den
Deutschen Orden schiffbar gemacht.
Deimos, in der griech. Sage ein Dämon der
Furcht, gepaart mit Phöbos, dem Schrecken; sie
gelten als die Söhne und Diener des Kriegsgottes
Ares. D. heißt auch der äußere Marsmond.
Demarchos, s. Dinarchus.
Deinhard, Karl August, deutscher Viceadmiral,
geb. 2. Febr. 1842 zu London, trat 1856 in die prcuh.
Marine ein, wurde 1808 Kapitänlieutenant, 1874
Korvettenkapitän. Als Kommandant der Krenzer-
fregatte Vismarck (1878-80) stellte er die Ruhe
auf den Samoa-Inseln her und fetzte Malietoa 1.
als König ein. 1880 zum Kapitän zur See beför-
dert, befehligte D. später verschiedene Panzerschiffe,
wurde 1887 Konteradmiral und später Inspecteur
der 2. Marilie-Inspektion. Als Ches des Kreuzerge-
schwaders leitete er 1888 die Blockade in Ostafrika;
unter seinem Befehl wurden von den Geschwader-
mannschaften 10 siegreiche Landungsgefechte, sowie
der Sturm aufVagamojo 22. Sept. 1888 ausgeführt.
1890 erhielt D. den Oberbefehl über die Manöver-
flotte, 1891 wurde er Viceadmiral, 1892 Chef der
Marinestation der Nordsee. Er starb 4. Okt. 1892
in Wilhelmshavcn.
Deinhardstein, Joh. Ludw., Dramatiker,
geb. 21. Juni 1794 zu Wien, studierte daselbst die
Rechte, wurde Aktuar beim Kriminalsenat, widmete
sich dann klassischen und ästhetischen Studien und
erhielt 1827 die Lehrkanzel der Ästhetik an der The-
resianischen Nittcrakademie in seiner Vaterstadt.
1832-41 war er Vicedirektor des Hofburgtheaters,
dann Referent für Cenfurfachen und 1829-49
Herausgeber der Wiener "Jahrbücher der Litteratur".
Er starb 12. Juli 1859 zu Wien. D.s zahlreiche
Theaterstücke, meist ohne großen Poet. Gehalt und
tiefere Charakteristik, gefielen durch ihre Gemütlich-
keit, gefällige Sprache und geschicktes bühnenge-
rechtes Arrangement. Mit seinen "Künstlerdramen"
(2 Bde., Lpz/i845) ward er der Begründer dieses
Genre. Unter seinen in den "Gesammelten dramat.
Werken" (7 Bde., ebd. 1848-57) enthaltenen Schau-
spielen haben "Hans Sachs" (1829) und "Garrick
in Bristol" (1832) den meisten Beifall gefunden.
Deilnt, ein neuer Sprengstoff der Fabrik Gries-
heim bei Frankfurt a. M., besteht aus Pikrinsäure
und Trinitrotoluol und eignet sich besonders zu
Geschoßladungen. i^eine der Graien (s. d.).
Demo <d. i. die Furchtbare), in der griech. Sage
Deinokrätes, s. Dinokrates.
Deinsen, rückwärts gehen (vom Schiff).
vs inte^ro (lat.), von neuem.
De'iökes (medisch Dayaukku), nach Herodot
der Gründer der medischen Dynastie, die 150 Jahre
(699-550) Medien regiert baben soll, bis die
Perser unter Cyrus der medischen Herrschaft ein
Ende machten. Der Aussage des Herodot gemäß
machte D., des Phraortes Sohn, sich unter seinen
verwilderten und gesetzlosen Landsleuten, die kurz
vorher das assyr. Joch abgeschüttelt hatten, durch
seine richterliche Befähigung bekannt; diese benutzte
er, sich zum König wählen zu lassen. Er schuf eine
Armee und baute die Hauptstadt Ekbatana (s. d.),
die er mit sieben Mauern umgab. Er vnWoh sich
dann in seinem Palaste, führte höfifches Ceremoniell
ein und ließ Recht sprechen durch Befehle und
Regeln, die er aufstellte. Er soll dann nach 53jäb-
rigcr Regierung gestorben sein und seinem Sohne
Phraortes das Reich hinterlassen haben. Nach die-
ser Angabe fällt feine Negierung von 699 bis 646
v. Chr. In assyr. Inschriften jedoch wird Dayaukku
schon 715 v. Chr. als Häuptling eines kleinen
medischen Stammes erwähnt, der gegen die Assyrer
sich empörte, von ihnen gefangen genommen wurde,
aber bald wieder (vor 713) die Herrfchaft in seinem
Fürstentum erlangte. Der Gründer des medischen
Reichs war nach einer Inschrift Asarhaddons nicht
D., sondern Mamitiarsu; da aber D. der Ahnherr
der spätern modischen Dynastie war, und seine
Kämpfe mit den Assyrern sich tief in das Volks-
bewußtsein eingeprägt hatten, wies die spätere
Sage ihm, mit Übergebung Mamitiarsus, die
Einigung Mediens zu. - Vgl. Prasck, Medien und
das Haus des Kyarares (Berl. 1890).
Vsiopsia. ornHtrix 7^. ^., s. Bärspinner.
De'l'phöbe, die Tochter des Glaukos, bei Virgi!
Name der cumäischen Sibylle (s. d.), welche als die
mit Sehergabe erfüllte Priesterin des Apollo und der
Trivia in einer bei dem Apollotempcl in der Nähe
von Cumä gelegenen Höhle ihren Sitz hatte. Durch
eine andere Höhle beim Avcrnussee führte sie den
Ancas in die Unterwelt. D. soll dem König Tar-
quinius die Sibyllinischen Bücher verkauft haben.
De'iphobos, ein Sohn des Priamos und der
Hekabe, war nächst Hektor einer der tapfersten Tro-
janer und wurde nach dem Tode des Paris Gatte
der Helena. Sein Haus wurde bei der Eroberung
von Troja zuerst von Menelaos und Odysseus auf-
gesucht, er selbst von ersterm getötet. Nach Virgil