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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: De la Motte-Fouque; Delagrave, Ch.; Delaissement; Delalain; Delambre; Delaplanche

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Delagrave, Ch. – Delaplanche

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Delagoabai'

nur liegt vor dem innern Hafen eine bei Ebbe etwas seichte Barre. Der Hafen selbst ist etwa 11 km lang und 1½ km breit, bei einer Tiefe von 3 bis 13 Faden; in ihn münden die mehrere Kilometer aufwärts schiffbaren Flüsse Temba und Umbetosi. Die Ankerplätze sind gut und geschützt, aber das Löschen der Waren ist bei dem Mangel eines Quais mit Schwierigkeiten verbunden. Die Küsten der Bai, flach und sumpfig, werden von dichten Mangrovewaldungen umsäumt. Die Hälfte der Bai und des Strandes, von England beansprucht, kam durch Urteil des Schiedsrichters Mac-Mahon 1875 in den von nun an unbestrittenen Besitz Portugals. – Noch ist der Handel in der D. von geringem Betrag; aber nach der Vollendung der Bahn von hier bis Pretoria wird er bedeutenden Aufschwung nehmen, denn dann wird die D. der begünstigste Hafenplatz für das fruchtbare und goldreiche Transvaal werden.

Delagrave, Ch. (spr. -grahw), franz. Verlagsbuchhandlung in Paris, im Besitz von Charles Marie Eugène D., geb. 12. Mai 1842 in Paris. Sie ging hervor aus der 1839 von Dézobry und Magdeleine gegründeten Buchhandlung, in die D. 1805 für Tandou eintrat und deren alleiniger Inhaber unter eigenem Namen er 1874 wurde. Den ursprünglich altklassischen Verlag dehnte D. auf alle Zweige des niedern und mittlern Unterrichts aus. Auf dem Gebiete des erstern sind vorhanden Werke von Braeunig, Caumont, Fabre, Léon Rucquier, Toussaint, Wirth u.a. Für den mittlern Unterricht (auch für Mädchen) lieferten die verbreitesten Bücher: in der Philosophie Janet, Guyau, Fouillée u.a.; in der Litteratur Havet, Hatzfeld, Guérard, Faller, Darmesteter, Reinach u.a.; in der Geschichte Hubault, Gregoire, Cons, Toussenel; in den Naturwissenschaften Briot, Vacquant, Bouquet, Focillon u.a.; in den lebenden Sprachen Chasles, Adler-Mesnard, Chuquet u.a. Besondern Ausschwung nahmen die geogr. Unternehmungen unter Leitung von E. Levasseur und Oberst Niox (Atlanten, Wand- und Reliefkarten, Globen, geogr. Bücher, Bilder, Spiele). Daran schließen sich: Bücher zur Unterhaltung, zu Geschenken, Prämien: Liebhaberausgaben, wie Gautiers «L‘an 1789», Ménards «La Mythologie»; drei «Dictionnaires» encyklopäd. Art; 14 Zeitschriften («Revue pédagogique», «Revue de Géographie» u.s.w.), endlich Mustervorlagen, Modelle, Gegenstände für den Anschauungsunterricht, Schulbänke u.s.w. Das Haus wurde seit 1867 auf allen größern Ausstellungen prämiiert.

Délaissement (frz., spr. -läßmáng), Überlassung, Abtretung; D. im Seerecht, s. Abandon.

Delalain (spr. -läng), franz. Buchhändler und Buchdruckerfamilie. Jacques Auguste D., geb. 1774, gest. 1852, erwarb 1808 die Buchdruckerei und Buchhandlung Barbou in Paris (gegründet 1704), die sich durch schöne Ausgaben lat. Klassiker auszeichnete, und dehnte die Unternehmungen auch auf andere Zweige des Unterrichts aus. Sein Sohn, Jules D., geb. 31. Jan. 1810 in Paris, entwickelte energisch den pädagogischen Charakter des Geschäfts. Er wurde 1845 Universitätsbuchdrucker. Aus seiner Initiative gingen hervor «Recueil des lois et actes de l’instruction publique» (seit 1848) und «Annuaire de l’instruction publique» (seit 1851). Er war auch schriftstellerisch thätig, so auf dem Gebiete des Autorenrechts und litterar. Verträge. Ferner war er einer der Begründer und seit 1858 Vorsitzender des Cercle de la Librairie et de l’Imprimerie ↔ in Paris. Er starb 14. Juli 1877. Seit 1864 bez. 1866 waren Teilhaber am Geschäft (unter der Firma «Jules Delalain Fils») seine Söhne Henry D., geb. 8. Febr. 1838 in Paris, und Paul D., geb. 2. Juli 1840, in deren alleinigen Besitz es später überging (Firma seitdem: «Delalain Frères»). Paul D., 1886–89 Präsident des Cercle de la Librairie et de l’Imprimerie, schrieb ebenfalls über das Autorenrecht, ferner über den Pariser Buchhandel im 13. Bis 15. Jahrh., über den Schulbuchhandel u.s.w. Der Verlag umfaßt alle Zweige des Unterrichts, besonders Ausgaben lat., griech. und franz. Klassiker; Texte der wichtigsten deutschen und engl. Schriftsteller für den Schulgebrauch; Grammatiken u.s.w. Erwähnenswert sind noch: «Circulaires et Instructions officielles du Ministère de l’instruction publique de 1789–1889», «Chartularium universitatis parisiensis», hg. von Denifle und Chatelain (1890 fg.), und Gréard, «Législation de l’instruction primaire en France» (2. Aufl., 1890 fg.).

Delambre (spr. -lángbr), Jean Joseph, franz. Astronom, geb. 29. Sept. 1749 zu Amiens, widmete sich zu Paris erst geschichtlichen und litterarischen, dann auch mathem. und physik. Studien. Seit 1771 Erzieher im Hause des Generalpächters d'Assy zu Paris, wandte er sich auf den Rat Lalandes der Astronomie zu und stellte auf dem kleinen Observatorium, das ihm d'Assy errichten ließ, mit Erfolg Beobachtungen an. Die Entdeckung des Uranus (1781 durch Herschel) gab ihm Gelegenheit, sich litterarisch bekannt zu machen. Hierauf lieferte er Sonnentafeln, Tafeln für Jupiter und Saturn (1789), für Uranus, insbesondere aber für die Jupitertrabanten. 1792 wurde er in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen, 1795 Mitglied des neuerrichteten Längenbureaus, 1803 ständiger Sekretär des Instituts und 1807 Professor am Collège de France. Seit 1808 Schatzmeister der kaiserl. Universität, trat er 1815 in den Ruhestand und starb 19. Aug. 1822 zu Paris. D.s Hauptwerk ist die große Gradmessung von Dünkirchen nach Barcelona, die er 1792–99 mit Méchain ausführte und in der Schrift «Base du système métrique» (3 Bde., Par. 1806–10) beschrieb. Von D.s Werken sind noch zu nennen: «Astronomie théoretique et pratique» (3 Bde., ebd. 1814; neue Aufl. von Mathieu, 1817), «Histoire de l’Astronomie ancienne» (2 Bde., ebd. 1817), «Histoire de l’Astronomie au moyen-âge» (ebd. 1819), «Histoire de l’Astronomie moderne» (2 Bde., ebd. 1821) und «Histoire de l’Astronomie au 18ᵉ siècle» (hg. von Matthieu, ebd. 1827).

De la Motte-Fouque (spr. mott fukeh), Friedr. Heinr. Karl, Dichter, s. Fouqué.

Delaplanche (spr. -plángsch), Eugène, franz. Bildhauer, geb. 28. Febr. 1836 in Paris, bildete sich unter Duret und erhielt 1864 den großen Rompreis. Schon seine ersten Arbeiten, ein Kind auf einer Schildkröte reitend (1861) und ein Schafhirt (beide im Museum zu Marseille), erregten Aufmerksamkeit. Unter seinen folgenden Marmorarbeiten sind hervorzuheben: die derb naturalistisch aufgefaßte Eva nach dem Sündenfall (1870), Die Liebesbotschaft (1874), Aurora (1885), alle drei im Luxembourg zu Paris; ferner Statue der heil. Agnes (1873), Mütterliche Erziehung (1875; Marmorgruppe auf dem Square de Ste. Clotilde zu Paris: s. Tafel: Französische Kunst IV, Fig. 5), Die Musik (1878), Der Tanz (1888). Alle diese Werke sind von bewundernswerter Naturwahrheit und vollendeter

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 895.